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Fortschritt
Klimakrise

Klima retten mit Atomkraft? Ganz sicher!

Klima retten mit Atomkraft? Ganz sicher!
Die Klimakrise ist da. Wir müssen alle weniger Abgase in die Luft blasen. Dafür ist jedes Mittel recht. Zum Beispiel: Atomkraft. Die ist stinkt nicht, die verpestet die Luft nicht, die heizt den Planeten nicht auf. Sie ist sauber und nachhaltig? Klima retten mit Atomkraft? Moment Mal!
 

Saubere Atomkraft rettet das Klima?

Bill Gates steht drauf wie Kinder auf Pokémon: Bill will am liebsten ganz viele der kleine Dinger sammeln. Er ist nicht alleine: Emanuel Macron findet sie auch super, und auch so mancher österreichische Liberale hat kein Problem mit Atomkraft. Die Rechnung ist ja einfach: Wir müssen die Klimakrise verhindern. Die Klimakrise wird von CO₂ angefeuert. Und Kernreaktoren erzeugen viel Energie, aber kein CO₂. Auf Druck von Frankreich und der Atom-Lobby hat die Europäische Kommission Atomkraft als „nachhaltig“ eingestuft.

Im Internet kursieren Grafiken, die zeigen sollen, wie sauber Kernkraft ist. Aber stimmt das? Ist Atomkraft einfach der unbeliebte Cousin von Windrädern und Solarzellen? Und die Lösung unserer Probleme?

Drei Gründe, warum Atomkraft das Klima nicht retten wird

  1. Man darf nicht nur auf den letzten Arbeitsschritt schauen: In den Reaktoren wird Uran verheizt, das ist ein Brennstoff mit begrenzten Vorräten. Dass der Uranabbau extrem schmutzig und aufwändig ist, kommt da noch dazu.
     
  2. Nach der Nutzung entsteht radioaktiver Müll. Und der strahlt länger, als wir uns das überhaupt vorstellen können. Wie man Müll so lagert, dass er auch zehntausenden Jahren keine Gefahr für die Menschen ist, das ist noch nirgends umgesetzt, in keinem Land der Welt, da gibt es nur Forschung dazu. Im Klartext: Wir produzieren auf der Welt also seit Jahrzehnten tödlichen Müll, von dem wir noch nicht wissen, wie wir den tausende Jahre sicher verwahren können, damit er nicht unsere Ur-ur-ur-ur-ur-Enkel umbringt, die nicht mehr unsere Sprache sprechen werden und wohl auch nicht in denselben Staaten leben werden. Nein, ganz ehrlich: kommenden Generationen radioaktiven Müll zu hinterlassen ist allenfalls nachhaltig tödlich.
     
  3. Lösungen für die Klimakrise brauchen wir jetzt. Neue Atomkraftwerke brauchen aber sehr, sehr lange in der Bauzeit. Und sie sind extrem teuer. Etwa in Finnland. Wo Block 3 im Kraftwerk Olkiluoto im Sommer 2022 regulär Strom produzieren soll. Ursprünglich war die Fertigstellung 2009 geplant. Dabei sollte Olkiluoto ein Vorzeige-Projekt für die Kernkraft der Zukunft werden. Statt drei Milliarden kostet es nun neun Milliarden Euro. Ähnliche Fälle sind aus Großbritannien und Frankreich bekannt.

Massive Staatshilfen für Atomkraft

Dass gerade aus Wirtschafts-Kreisen so viel Atomenergie-Fans kommen, ist witzig: Denn AKW lassen sich nur mit massiver staatlicher Hilfe betreiben lassen. Das gilt betriebswirtschaftlich – in Großbritannien gibt die Regierung den halbprivaten Betreiberfirmen eine Preisgarantie, eine Garantie gegen politische Schließungspläne UND sie beteiligt sich an den Kosten, die dann entstehen, wenn das Kraftwerk am Ende seiner Lebenszeit Stück für strahlendes Stück wieder abgebaut werden muss. Aber das gilt auch, was die Sicherheit, den Transport und die Endlagerung des Mülls angeht: Ohne massive staatliche Eingriffe ist Atomenergie undenkbar. Und all diese Eingriffe gibt es, obwohl die Kernspaltung auch die Gesellschaft spaltet; in vielen Staaten ist sie hochumstritten und umkämpft – nicht zuletzt, weil mit der Atomkraft immer die Debatte um eine militärische Nutzung ein Thema wird.

Stimmt alles nicht, sagt die Atomlobby. Bald kommen kleinere, günstigere AKWs, sogenannte „modulare“ Anlagen. Oder AKWs, die keinen Atommüll produzieren. Und irgendwann ohnehin die Kernfusion. Das Problem mit diesen Erklärungen: Die hören wir jetzt schon Jahrzehnte; sie sind wohl einfach zu schön, um wahr zu sein. Oder zumindest: um sich für die absehbare Zeit darauf zu verlassen.
Außerdem sollten wir die Rolle von AKWs nicht überschätzen. Die über 440 Atommeiler der Welt decken aktuell nur 5 Prozent des weltweiten Energiebedarfs.
Denn wir denken immer an die Stromproduktion, die ist aber nur ein Teil des Energieverbrauchs. Das Gros der Energie wird als Öl und Gas in Autos, Lastwägen, Flugzeuge und in Heizungen verbrannt.

Spricht etwas für Atomkraft?

Sie ist eine technische Lösung für das soziale Problem der Klimakrise. Das hat den vermeintlichen Vorteil, dass alle so weitermachen können wie bisher. Und vielleicht wäre es in Deutschland tatsächlich sinnvoller gewesen, zuerst einmal die Kohlekraftwerke abzuschalten – und dann erst die Kernreaktoren. Aber: Dass in Deutschland aus politischen Gründen der Erneuerbaren- und Netzausbau Jahrzehnte lang gestockt ist, das hat damit gar nichts zu tun. Und das macht die Atomenergie auch nicht besser und nicht zum Ersatz für echte nachhaltige Lösungen. Und Österreich? Österreichs Anti-Atom-Politik ist zugegeben ein bisschen Folklore, gleich nach Donauwalzer und Mozartkugel. Nach der ziemlich knappen Zwentendorf-Volksabstimmung ist die Ablehnung von Kernenergie bei uns ein Thema, wo sich fast alle einig sind. Und wo wir’s dem Ausland richtig reinsagen können. Noch besser als Predigen wäre allerdings, wir würden unsere eigenen erneuerbaren Energien ausbauen. Sodass wir weniger Atomstrom importieren müssen.

Was es wirklich braucht: Effizienter mit der Energie umgehen! Die beste Energie ist die, die wir gar nicht verbrauchen: weil unsere Häuser gedämmt sind und weil attraktive Öffis und Fahrradwege viele Autofahrten überflüssig machen. Denn gerade im Verkehr ist Österreich ein Klima-Sünder. Riesige Elektro-SUVs mit hohem Stromverbrauch für den Weg zur Trafik sind auch keine Antwort. Erneuerbare Energieträgern ausbauen: Solarzellen auf Dächern und Freiflächen und Wind- und Wasserkraft. Positiver Nebeneffekt davon: während die Preise für fossile Energieträger wie Gas und Öl gerade wiedermal durch die Decke gehen, sinken die Preise für erneuerbare Energien seit Jahren. Erneuerbare Energie ist also nicht nur nachhaltiger, sondern auch billiger.

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