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Klimakrise

Ja, du Genie, auch in der Klimakrise gibt es Schnee

Wenn es schneit, ist das kein Argument gegen die Klimakrise. Die Erderhitzung macht Schnee nicht unmöglich. Auch wenn Klimaleugner:innen und Rechtsextreme das gern so darstellen. Es ist ein "Gotcha"-Argument - Natascha Strobl erklärt es dir.

OMG es schneit, die Klimakrise gibt es nicht! Alle Jahre wieder, so pünktlich wie der Nikolaus kommt die Feststellung, dass es im Winter schneit. Dementsprechend gibt es keine Klimakrise. Diese so dumpfe wie falsche Argumentation geistert wieder einmal durch rechtsextreme Nischenmedien und ihre Mainstream-Nachmacher:innen.

Die Behauptung ist simpel: Weil Schnee fällt, gibt es keine Erderhitzung. 
 

Niemand hat gesagt, dass es in der Klimakrise nicht schneit

Nur: Meteorologie und Klimaforschung haben nie behauptet, dass es in Zukunft nicht mehr schneit. Im Gegenteil! Sie erklären immer wieder, dass starker oder auch lange Zeit ausbleibender Schneefall beides eine Begleiterscheinung des veränderten Klimas ist. 

Andere haben das schon tausendfach besser erklärt, als ich es könnte. Aber in aller Kürze: Der menschengemacht Klimawandel erhitzt die Welt im Schnitt. Im Winter gibt es deshalb insgesamt weniger Schnee. Aber es gibt grundsätzlich weiterhin Jahreszeiten und täglich anderes Wetter. Nur, dass dieses Wetter immer extremer wird. Winde werden kräftiger, Hitzewellen heißer und länger. Es bleibt mal länger trocken, regnet oder schneit dann mehr. 

Wissen wir alles. Aber die falsche Erzählung mit dem Schnee kommt trotzdem seit Jahren. Und sie wird immer und immer und immer wieder widerlegt.
 

Was ist eine Gotcha-Argument?

Was passiert da? Wie so oft geht es Klimakrisen-Leugner:innen nicht um Fakten oder komplexe Sachverhalte.Die Strategie, die hier angewandt wird, ist ein „gotcha“-Argument. „Gotcha“ ist ein Slang-Wort und heißt in dem Zusammenhang so viel wie „Erwischt“. Die Person glaubt, einen Logikfehler in einem besonders komplexen Sachverhalt entdeckt zu haben und nutzt diesen jetzt, um aufzudecken, dass das alles nicht stimmt. 

Dieser unfassbar einfältige Beleg wird dann mit einer Inbrunst von Selbstüberzeugung vorgetragen. Als hätten die Leute, die sich jahrzehntelang mit Klimaveränderungen beschäftigten, noch nie mit der Tatsache auseinandergesetzt, dass es im Winter schneit. Neeein, die sind jetzt überrascht und einer Lüge überführt! 
 

Waaas? Schnee in der Klimakrise?!?!

Das Wesen von „gotcha“-Argumenten ist, dass nie behauptet wurde, was sie vermeintlich aufdecken. Es ist und war nie ein Argument der Klimawissenschaft, dass es im Winter nie wieder schneien wird. Trotzdem halten Leute demonstrativ Schneebälle in die Kamera, als wären sie etwas ganz Großem auf der Spur.

So schwer wäre das alles nicht zu verstehen. Die Belege sind x-fach erbracht. Wer will, findet massenhaft Erklärungen und geduldige Antworten auf den scheinbaren Widerspruch. Viele der Leute, die den Unsinn verbreiten, wissen das vermutlich auch. Dieses Verhalten dient dann der Desinformation und wirtschaftlichen oder politischen Interessen. 
 

Stolz auf die eigene Ignoranz

Oft geht es aber auch nur darum, zu ignorieren, dass die Welt komplex ist und sich nicht mit realen Gefahren auseinandersetzen zu müssen. Dann kann man ein besonders dummes Argument vortragen und sich dabei besonders schlau fühlen.

Mit anderen Worten: Es ist der Stolz auf die eigene Ignoranz.

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