Krebs-Früherkennungsprogramm im AKH eingestellt: Jetzt sprechen betroffene Hochrisiko-Patientinnen. Eine Frau ist von hinten im Bild, sie steht im einem Garten und blickt zu Boden.

Krebs-Früherkennungsprogramm im AKH eingestellt: Jetzt erzählen betroffene Hochrisiko-Patientinnen, was das für sie bedeutet. Foto: Valentin Salja auf Unsplash

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/ 13. August 2020

Im Wiener AKH wurde ein Früherkennungsprogramm für Frauen mit extrem hohem Risiko, an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken, still und heimlich eingestellt. Nicht einmal langjährige Patientinnen wurden vom Krankenhaus informiert. Jetzt kommen betroffene Frauen in MOMENT zu Wort und erzählen, was das Ende der Untersuchungen für sie bedeutet.

Update 17.8.: Das Programm soll offenbar nun doch weitergeführt werden. Hier findest du Infos dazu und zu der medialen Darstellung der Ereignisse.

Bisher konnten sich die Hochrisiko-Patientinnen einmal im Jahr gründlichen Untersuchungen unterziehen, die alle an einem Tag stattgefunden haben. Zum Vergleich: Eine durchschnittliche Frau hat ein 12-prozentiges Risiko, an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. Bei Hochriskio-Patientinnen können es bis zu 90 Prozent sein. Die Alternative zum Früherkennungsprogramm? Alle nötigen Tests einzeln bei niedergelassenen FachärztInnen durchführen und unzählige Befunde bekommen. Dass das nicht nur organisatorisch, sondern auch emotional eine Herausforderung ist, erzählen Katharina und Veronika.

Hochrisikopatientinnen haben eine bis zu 90-prozentige Chance, an Brustkrebs zu erkranken. 90 Prozent sind nicht nichts, 90 Prozent sind kein "vielleicht", 90 Prozent heißt: ziemlich sicher - die Frage ist nur wann.

"Bei Krebserkrankungen zählen Tage"

"Ich habe im Mai durch das Tonband erfahren, dass Untersuchungen nicht mehr stattfinden. Erst dachte ich an eine Corona-Maßnahme und da ich im Internet nichts dazu fand, beschloss ich abzuwarten. Immer wieder probierte ich die Nummer, bis ich heute durch Zufall Ihren Bericht in meiner Facebook-Timeline hatte. Das war ein richtiger Schock für mich. Die Verunsicherung als Betroffene ist sowieso schon groß. Ich bin aktuell noch dazu (zum ersten Mal) schwanger, mit 37 Jahren schon ein Risikofall und meine Mutter verstarb erst letztes Jahr nach acht Jahren Kampf an den Folgen von Brust- und Eierstockkrebs (auch sie war als Hochrisikopatientin im Programm).

Natürlich gibt es andere Möglichkeiten zur Vorsorge, das steht außer Frage. Aber für uns Betroffene war es zumindest eine Erleichterung zu wissen, dass alle Untersuchungen an einem Tag, in einem Haus, mit einem Befund stattfanden. Nun stellt sich mir die Frage, wohin ich mich wenden muss. In welche Spitäler oder Institute muss ich fahren (gerade bei uns am Land ist das ja noch schwerer)? Wer übernimmt die Kosten – weiterhin die Krankenkasse? Wie läuft die Befundung ab, vor allem, wenn man verschiedene Befunde von verschiedenen Stellen hat? Wie wird das mit den Wartezeiten geregelt? Wochenlanges Warten auf MRT-Termine bei Akutfällen (unabhängig von Krebs) ist Usus, wie wird das dann bei uns sein, die ja (noch) gesund sind? Und gerade bei Krebserkrankungen zählen, wie man weiß, Tage.

Hochrisikopatientinnen haben eine bis zu 90-prozentige Chance, an Brustkrebs zu erkranken. 90 Prozent sind nicht nichts, 90 Prozent sind kein "vielleicht", 90 Prozent heißt: ziemlich sicher - die Frage ist nur wann. Neun von zehn Hochrisikopatienten werden an Brustkrebs erkranken und künftig damit alleine gelassen – das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen!

Katharina, 37 Jahre, aus Niederösterreich

 

Meine Mutter ist an Krebs gestorben, als ich 17 Jahre alt war. Das sind große seelische Narben, die bei solchen Terminen immer wieder hochkommen.

"Da werden Sie halt 100 Mal anrufen müssen"

"Es gab einige Anzeichen dafür, dass das AKH - bzw. das Programm - in gewisser Weise 'unterfinanziert' war. Beim Ausmachen des Termins war es immer sehr sehr schwierig, überhaupt durchzukommen. Das war auch den ÄrztInnen bekannt: "Machen Sie sich einen Termin bei Frau XY aus - da werden sie halt 100 Mal anrufen müssen." Das war natürlich nicht die Schuld der ÄrztInnen oder der zuständigen adminstrativen Hilfskraft (die auch immer sehr nett und einfühlsam war, das möchte ich ganz klar betonen). Aber da war offensichtlich von vornherein nicht viel Geld für die Administration da, um die Arbeit besser aufzuteilen.

Trotzdem haben alle ÄrztInnen immer sehr gewissenhaft gearbeitet. Als bei mir letztes Jahr ein Verdacht aufgetreten ist, wurde ganz genau nachgesehen und man hat mehrere Untersuchungen durchgeführt, um ganz sicher zu stellen, dass nichts ist. Das habe ich sehr geschätzt.

Meine Mutter ist an Krebs gestorben, als ich 17 Jahre alt war. Als ich 14 Jahre alt war, bekam sie die Diagnose. Ihre schwere Krankheit und früher Tod haben meine Jugend geprägt. Das sind große seelische Narben, die bei solchen Terminen immer wieder hochkommen, und ich war immer sehr froh, wenn alles vorbei war und ich das ganze wieder für ein Jahr 'verdrängen' konnte."

Veronika, 29 Jahre, aus Wien

 

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