Leiharbeit - Barbara Blaha
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/ 24. Mai 2020

Leiharbeit macht krank. Sie ist anstrengend, schlecht bezahlt und extrem unsicher. Und: Wer um seinen Job bangt, geht sogar krank noch in die Arbeit. Wie die LeiharbeiterInnen im Post-Zentrum.

Krank in die Arbeit, aus Angst um den Job? Ja, für LeiharbeiterInnen ist diese Sorge berechtigter als für alle anderen. Der Anteil jener, die krank zur Arbeit gehen, steigt drastisch an, wenn Leute um ihren Job bangen müssen. Und: Leiharbeit wird meist nur bezahlt, wenn die Arbeitskraft auch “verliehen” ist: Die sogenannte Stehzeit, also die Zeit zwischen zwei Leih-Aufträgen, wird in rund einem Drittel der Fälle gar nicht oder nicht korrekt bezahlt.

Leiharbeit boomt

Das betrifft immer mehr Menschen, die Branche boomt: Es gibt heute sechsmal so viele LeiharbeiterInnen wie vor 20 Jahren: mittlerweile 90.000 Menschen.

Die Hälfte davon bleibt im Schnitt weniger als 2 Monate bei einer Leiharbeitsfirma. Aber hey, diese Unsicherheit wird wenigstens auch schlecht bezahlt! Der Einsatz von Leiharbeitskräften ermöglicht den Unternehmen eine Reduktion der Personalkosten durch ein Unterlaufen des innerbetrieblichen Lohnniveaus.

Oder einfacher gesagt: Leiharbeitskräfte werden streng nach Kollektivvertrag bezahlt. Die fixen Kräfte im Betrieb selbst verdienen natürlich häufig deutlich besser. Nicht zuletzt, weil sie länger dabei sind. Differenzen zwischen dem Kollektivvertragslohn und dem innerbetrieblichen Ist-Lohn für vergleichbare Tätigkeiten von 30 Prozent sind keine Seltenheit.

Leiharbeit schadet der Gesundheit

Das ist für den einzelnen Leiharbeitskräfte bitter, auf lange Sicht aber Gift für den gesamten Arbeitsmarkt: Wenn identische Tätigkeiten unterschiedlich bezahlt werden, dann steigt der Lohndruck für ALLE Beschäftigten: so ist das eben, wenn es einen gibt, der es billiger macht. Leiharbeit schadet dem Lohnzettel - und damit der gesamten Wirtschaft. Wer weniger hat, kauft weniger ein. Und Leiharbeit schadet der Gesundheit. Leiharbeitskräfte verletzen sich öfter und schwerer, müssen damit öfter und länger im Krankenstand als ihre festangestellten Kolleginnen und Kollegen. Leiharbeitskräfte übernehmen eben die Aufgaben im Betrieb, die den Körper mehr schinden, und die Jobs, die monoton sind. Den miesesten Job im Unternehmen bekommt der letzte in der Nahrungskette.

Aber ein Drittel des größeren Gesundheitsrisikos liegt trotzdem nicht an der Art der Tätigkeit im Betrieb, sondern an der Leiharbeit selbst. Der unsichere Arbeitsplatz, die miese Bezahlung, der ständige Wechsel der Einsatzorte und -bereiche, die fehlende Planbarkeit “gehen an die Nerven und auf die Knochen". Tja. Warum gibts dann immer mehr Leiharbeit? Nicht, weil es sich die Arbeitskräfte wünschen: 2 von 3 Leiharbeitskräften sehnen sich nach einer festen Anstellung. Darauf können sie lange warten.

Leiharbeit nützt den Unternehmen

Leiharbeit ist schlecht gezahlt, erhöht den Lohndruck auf Fixangestellte, und macht in vielen Fällen krank, in Corona-Zeiten kann sie buchstäblich Leben kosten. Am Ende hat vor allem einer was davon: Das Unternehmen.

So kann es nicht weitergehen. Verrückter Gedanke: wenn Betriebe Arbeitskräfte brauchen, dann stellen sie sie auch selbst an. Zu einheitlichen Konditionen. Und gewinnorientierte Zeitarbeitsfirmen sollte es besser nicht geben. Stattdessen sollte Leiharbeit - wenn überhaupt - ausschließlich durch eine entsprechende Agentur des AMS unter strenger Prüfung von Angemessenheit von Arbeitsbedingungen, Bezahlung und Bedarf ermöglicht werden.

 

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