Paxlovid: Was wissen wir über das Medikament?

Laut Hersteller Pfizer hat das neue Medikament Paxlovid eine Wirkung von bis zu 90 Prozent gegen Hospitalisierungen.

/ 15. Dezember 2021

Das Pharma-Unternehmen Pfizer hat positive Daten zu dem neuen Corona-Medikament Paxlovid veröffentlicht. Was wissen wir darüber? Und kann Paxlovid die Impfung ersetzen?

 

Was ist Paxlovid?

Paxlovid ist ein antivirales Medikament, das vor schweren Corona-Verläufe schützen soll. In ersten Studien konnte Paxlovid die Zahl der erkrankten Menschen, die wegen ihrer Corona-Infektion ins Krankenhaus mussten oder daran starben, um fast 90 Prozent verringern.

An der aktuellsten Studie haben rund 1.200 infizierte Erwachsene teilgenommen, die zur Hochrisikogruppe gehören. Unter den Personen, die eine Behandlung erhielten, starb niemand. In der Kontrollgruppe gab es hingegen zwölf Tote. Die Studie wurde wegen der positiven Ergebnisse vorzeitig beendet.

Hergestellt wird das Medikament vom Pharma-Unternehmen Pfizer. Paxlovid wird als Tablette eingenommen.

 

Wie wirkt Paxlovid?

Das Medikament hemmt die Vermehrung der Corona-Viren im Körper, die Krankheit kann sich also nicht so stark ausbreiten. Paxlovid wirkt nach aktuellem Stand aber nur, wenn man sich bereits mit Corona infiziert hat.

Die Behandlung besteht aus drei Tabletten. Diese müssen über fünf Tage hinweg zweimal täglich eingenommen werden müssen. Eine Paxlovid-Therapie besteht aus zwei Bestandteilen: dem neuen Wirkstoff gegen die Vermehrung der Viren und einem bereits bekannten Wirkstoff, der den Abbau von Paxlovid im Körper verlangsamt.

 

Ersetzt Paxlovid die Impfung?

Nein.

Paxlovid dient, im Gegensatz zu einer Impfung, nicht als Schutz vor einer Infektion. Einerseits wurde so eine prophylaktische Wirkung in den Studien nicht untersucht. Und andererseits könnte eine Einnahme über einen längeren Zeitraum, die in diesem Fall notwendig wäre, schwere Nebenwirkungen verursachen.

Das Medikament mildert einen schweren Krankheitsverlauf. Das kann es nur, wenn es innerhalb von maximal sieben Tagen nach den ersten Symptomen einer Corona-Erkrankung verabreicht wird. Paxlovid wird vorerst vor allem für Menschen geeignet sein, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben oder keine ausreichende Antikörperantwort erzeugen.

Gegen einen flächendeckenden und vorbeugenden Einsatz spricht auch, dass laut Pfizer im ersten Halbjahr 2022 nur genug Medikamente für 21 Millionen Menschen verfügbar sein werden. Und der Preis wird wesentlich höher ausfallen, als der für Impfstoffe: Die USA haben pro Einheit Paxlovid rund 470 Euro bezahlt. Der Impfstoff von BioNtech/Pfizer kostete im August pro Dosis 20 Euro.

Paxlovid kann keine Corona-Wellen verhindern. Aber dadurch können besonders gefährdete Menschen besser vor einem schweren Verlauf geschützt werden. Das würde auch die Krankenhäuser entlasten.

 

Wann ist Paxlovid in Österreich verfügbar?

Das ist noch nicht bekannt, denn das Zulassungsverfahren für das Medikament ist in der EU noch nicht am Laufen.

Paxlovid wird zwar von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) geprüft. Pfizer hat in der EU allerdings noch keinen Zulassungsantrag gestellt. Die EMA möchte einzelnen Ländern aber mit einer Empfehlung die Anwendung von Paxlovid in Notfallsituationen ermöglichen.

Die umfassende Prüfung aller Daten parallel zum Zulassungsverfahren (“Rolling Review”) soll erst später starten. In den USA hat Pfizer eine Notfallzulassung von Paxlovid bereits am 18. November beantragt. Österreich hat bereits 270.000 Einheiten des Medikaments bestellt.

 

Wie sicher ist Paxlovid?

Laut dem Hersteller gibt es nur Nebenwirkungen mit “geringer Intensität”. Unabhängige und gesicherte Daten gibt es dazu aber noch keine. Die Impfstoffe sind vor ihrem Einsatz im Vergleich dazu wesentlich ausführlicher und an viel mehr Personen getestet worden.

Was jetzt schon klar ist: Paxlovid greift in den Metabolismus des Körpers ein. Dabei kann es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen. Schwangere sollten Paxlovid auf keinen Fall einnehmen, weil es schwere Schäden verursachen könnte. Auch eine längere Einnahme führt zu einer höheren Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen.

 

Wirkt Paxlovid auch gegen die Omikron-Variante?

Erste Laborergebnisse deuten darauf hin, dass das Medikament auch bei der neuen Variante wirkt. Das sollte auch bei zukünftigen Varianten der Fall sein. Das Medikament setzt bei Enzymen an, die sich bei bisherigen Mutationen nicht verändert haben und wohl auch in Zukunft nicht werden.

 

Welche Medikamente gibt es gegen Corona?

Es gibt noch keine Wirkstoffe gegen das Corona-Virus, die für alle Menschen, egal ob sie infiziert sind oder zu einer Risikogruppe gehören, zugelassen sind. Vielfach greifen Ärzt:innen bei der Behandlung auf Medikamente zurück, die bereits länger erprobt sind. Speziell gegen Covid-19 gibt es momentan zwei Gruppen von Wirkstoffen:

Einerseits sogenannte “monoklonale Antikörper”. Diese werden infizierten Patient:innen intravenös verabreicht. Sie sollen die Fähigkeit des Immunsystems zur Bekämpfung der Coronaviren nachbilden. Die Antikörper binden sich an Spike-Proteine des der Viren und verhindern so, dass sie an menschliche Zellen andocken können. Ein Beispiel dafür ist das Mittel Ronapreve, das bereits eingesetzt wird und mit dem auch der ehemalige US-Präsident Donald Trump behandelt wurde.

Andererseits gibt es Medikamente wie Paxlovid, die oral eingenommen werden und eine Ausbreitung des Virus verhindern sollen. Ein anderes Beispiel dafür ist Molnupiravir. Dieses Mittel schleust Bausteine in die Corona-Viren ein und soll so eine Vermehrung verhindern. Die Wirksamkeit soll allerdings laut Angaben des Herstellers nur bei rund 30 Prozent liegen.

Andere Medikamente, wie etwa Ivermectin oder Hydroxychloroquin, wurden zwar teilweise ausprobiert, haben aber keinen Nutzen gegen eine Corona-Erkrankung.

 

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