Dieses Bild zeigt Barbara Blaha, die ein Smartphone in der Hand hält. Der Text sagt: Schmid AG fertig? Moment mal!
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/ 9. April 2021

Die Schmid AG ist fertig. Fix und fertig. Ist der ÖVP-Postenschacher rund um die ÖBAG der Beweis dafür, dass der Staat nicht wirtschaften kann? Läuft nicht in der Privatwirtschaft alles anders? 

Moment mal!

Die Kurz-Strache-Regierung hat viel geleistet. Wenn es darum geht, die Republik umzufärben. Sie hat aus der Beteiligungsgesellschaft ÖBIB die ÖBAG gemacht. Die verwaltet die Beteiligungen der Republik an Unternehmen, Beteiligungen im Wert von 26 Milliarden Euro. Für den Umbau verantwortlich: Der mittlerweile berühmte Thomas Schmid. Damals war er noch Generalsekretär im Finanzministerium: 2018 hat Türkisblau das ÖBAG-Gesetz beschlossen. 

Schmid AG fertig freut sich Blümel

„Schmid AG fertig!“, vermeldet Gernot Blümel zufrieden an Schmid. Nächster Schritt: Der Aufsichtsrat muss bestellt werden. Der Aufsichtsrat, Vorsicht, Spoiler!, der Thomas Schmid später zum Vorstandschef machen wird.

Man schaut sich also um geeignete Leute um für die Schmid AG. Thomas Schmids Suchprofil: “Steuerbar” sollen sie sein. 

Sebastian Kurz: „Du Aufsichtsratssammler :)“

Schmid AG sammelt Aufsichtsräte

Letzter Schritt: Thomas Schmid muss sich – wenigstens formell – um den Chefposten der Schmid AG bewerben, die er gerade im Auftrag des Finanzministeriums aus dem Boden gestampft hat.  Eine internationale Ausschreibung wird vorbereitet, gesucht wird natürlich jemand mit internationaler Erfahrung. Allzu international wird es dann doch nicht: 

Kabinettsmitarbeiter Bernhard Perner (ÖVP): „International eher streichen“

Mitarbeiterin: „International war die Empfehlung es drinnen zu lassen“

Thomas Schmid: „Ich bin aber nicht international erfahren. Ich habe immer in Österreich gearbeitet“

Die internationale Erfahrung wird als Kriterium also gestrichen. Also dann, Thomas. Nur  noch die Bewerbung abgeben! (Smiley hier?)

Mitarbeiterin: „Wir brauchen dann ein sehr gutes Motivationsschreiben von dir.“

Thomas Schmid: „Wer schreibt das?“

Mitarbeiterin: “Wir suchen mal ein Muster was da früher alles abgegeben wurde, dann werden wir das schon hinbekommen”

Thomas Schmid: “Cool”

Schmid AG macht Schmid zum Chef

5 der 9 Aufsichtsrats-Mitglieder trifft der Bewerber Thomas Schmid noch VOR seinem Bewerbungsgespräch. Sicher ist sicher. Leistung muss sich schon lohnen, weil  “sonst kommen düstere Zeiten auf unser Land zu." Bei seinem Kanzler hakt Schmid dann nochmal nach ob mit der Schmid AG eh alles passt. Sebastian Kurz beruhigt Thomas Schmid.

Kurz: Kriegst eh alles was du willst. 

Schmid: „ich bin so glücklich :-))) Ich liebe meinen Kanzler (…).“

2019 ist Schmid endlich Alleinvorstand der ÖBAG. Und das bleibt er auch noch bis zum regulären Ende seines Vertrags. Und der endet erst 2022. Für seine Leistungen in der Schmid-AG wird Thomas Schmid jährlich mit 400.000 Euro belohnt. Sogar ein Bonus könnte sich ausgehen: mehr 200.000 Euro zusätzlich könnten fällig werden.

Aber: Was heißt das nun, dass die Politik so und so ein verhaberter Haufen ist, die nicht das beste für die Republik tut, sondern für sich selbst? Dass es gleich gescheiter wär, wir verkaufen das alles? In der Privatwirtschaft gibts sowas ja nicht. Blödsinn.

Schmid AG in der Privatwirtschaft

Obszöne Gehälter kriegen auch die Vorstände in der Privatwirtschaft. Krise hin oder her – ein durchschnittliches Management-Gehalt liegt bei fast 1,9 Millionen Euro im Jahr. Das heißt: Ein Vorstand verdient in einem Jahr mehr als die meisten ÖsterreicherInnen im ganzen Leben. Selbst in der Schmid-AG kann man so einer Gage nur träumen. 

Seit gut 20 Jahren explodieren die Gehälter im Management förmlich:  Plus 170 Prozent seit 2003. Angestellte haben seit 2003 gerade mal 29 Prozent mehr auf dem Lohnzettel. Gut, absurde Gehälter gibt es also da und dort. Aber: Wenigstens gibt es in der Privatwirtschaft nicht so grausliche Postenschiebereien? Und nochmal: Blödsinn.

Auch dort ist es gang und gäbe, dass sich der Vorstand seinen Aufsichtsrat aussucht. Besser noch: Er macht sich gleich selber zum Aufsichtsrat. 18 Jahre lang war Frank Hensel beim Handelskonzern REWE der Chef: Und nach seiner Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender übernahm er direkt ein Mandat im Aufsichtsrat. Andreas Treichl war über 20 Jahre lang CEO der Erste Bank. Jetzt ist er Aufsichtsratschef der Erste Bank Stiftung. Die hält immerhin 11 Prozent der Aktien der Erste Bank und ist damit die größte Aktionärin der Bank. Wolfgang Eder war 15 Jahre lang Chef der Voest und ist nahtlos in den Aufsichtsrat gewechselt. Im Sommer soll auch er dort sogar Aufsichtsratschef werden. 

Und damit schließt sich die Kreislaufwirtschaft: Die Aufsichtsräte wiederum entscheiden nämlich unter anderem über die Höhe der Gehälter der von ihnen bestellten Vorstände. Kein Wunder also, dass sich Vorstände ihre Aufsichtsräte am liebsten selbst aussuchen und Ex-Vorstände besonders beliebt als Aufsichtsräte sind: eine Hand wäscht die andere. 

Was es braucht?

  • Ein angemessenes Verhältnis von Vorstandsgehältern zu Angestellten-Gehältern. Niemand kann so gut sein, dass er das 10, 20 oder gar 100-fache eines Angestellten “verdient”.
  • Weniger Vorstände in Aufsichtsräten: Wenn Vorstände und Aufsichtsräte sich vor allem wechselseitig kontrollieren sollen, führt das zu Kontrollversagen und Gehaltsexzessen.
  • Mehr Vielfalt in und gesellschaftliche Verankerung von Aufsichtsräten: in Deutschland sitzen es neben Belegschafts- auch Gewerkschaftsvertreter:innen im Aufsichtsrat großer Unternehmen. Und: Warum eigentlich nicht auch Konsumentenvertreter?  

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