Morgenmoment
/ 28. April 2022

Guten Morgen!

Über Vernunft lässt sich bekanntlich streiten. Ob es aber so vernünftig ist, sich 570 Millionen Euro entgehen zu lassen, sichere Grenzen unseres Planeten zu überschreiten und an veralteten Bildungsstrukturen festzuhalten? Naja. Mehr dazu im Morgenmoment - geschrieben von Lukas Bayer.

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#1 Möchtest du das teilen?

In der vergangenen Woche ist in Österreich die neue PISA-Studie angelaufen. 15- bis 16-Jährige müssen dabei ihr Wissen in den Bereichen Mathematik, Lesen, Naturwissenschaften und Finanzkompetenz unter Beweis stellen. Österreich schneidet in dieser Studie stets mittelmäßig ab. Wir haben drei Argumente, warum die Einführung einer Gesamtschule das zum Besseren ändern könnte.

#2 Die Nachrichten erklärt

Unsere Böden trocknen aus. Ob im Amazonas-Regenwald oder im Marchfeld - die Menschheit hat mittlerweile einen kritischen Punkt überschritten. In vielen Gegenden werden Bäume und Pflanzen nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgt. Es regnet unregelmäßig: manchmal zu wenig, manchmal zu viel - oder eben gar nicht.

Dieses Problem war bisher nicht unbekannt. Eine neue Studie des "Stockholm Resilience Centre" bringt nun aber Gewissheit: Die planetare Grenze für den Süßwasserkreislauf ist überschritten - es gibt keine Garantie, dass alles gut gehen wird.

Das Konzept der planetaren Grenzen gibt es seit 2009. Dafür werden zehn für die Menschheit überlebenswichtige Bereiche regelmäßig untersucht. Mit dem Süßwasserkreislauf - konkret jenes Wasser, das von Pflanzen benötigt wird - ist nun die bereits sechste Grenze überschritten.

"Wasser ist der Blutkreislauf unserer Lebensräume", erklärt die Hauptautorin Lan Wang-Erlandsson. "Aber wir sind dabei, den Wasserkreislauf tiefgreifend zu verändern. Dies wirkt sich nun auf die Gesundheit des gesamten Planeten aus und macht ihn deutlich weniger widerstandsfähig." Schuld daran sei die menschengemachte Klimakrise, Flächenversiegelung und Bodenzerstörung, sowie die fortschreitende Zerstörung unserer Natur.

#3 Lesetipp

Das Leben wird teurer und die Löhne müssen dabei dringend mithalten. Derzeit wird diskutiert, ob die Teuerung durch eine einmalige Zahlung oder dauerhafte Lohnerhöhungen abgefedert werden soll. Momentum-Chefökonom Oliver Picek erklärt, wie extrem viel Geld Arbeitnehmer:innen verlieren würden, wenn man es bei einer Einmalzahlung belässt.

#4 Zu wenig

Wie glaubwürdig die Klimaziele einiger der größten Unternehmen weltweit sind? Kaum - viele betreiben Greenwashing und tricksen in ihren Bilanzen herum.

Nur ein einziges der untersuchten Unternehmen hat ein ausreichend seriöses Klimaziel vorzuweisen: der dänische Logistikkonzern Maersk. Im Schulzeugnis wäre das ein "Gut". Ein "Sehr gut" wurde an kein einziges Unternehmen vergeben. 12 der 25 untersuchten Konzerne fallen im Test des Berliner "New Climate Institut" sogar mit einem "Nicht genügend" durch.
 

 

Warum Berichte wie dieser wichtig sind? Der Druck auf Unternehmen für ambitioniertere Klimastrategien nehme zwar zu, erklärt Thomas Day, Hauptautor des Berichts. Aber: "Ihren ehrgeizig klingenden Strategien fehlt es allzu oft an echter Substanz." Stattdessen wird in der Emissionsbilanz getrickst, man kauft sich von klimaschädlichen Emissionen mit Zertifikaten und Aufforstungsprojekten frei, oder verschweigt kritische Informationen.

Konsument:innen und Regulierungsbehörden werden so gezielt in die Irre geführt. Nimmt man die Ziele aller untersuchter Konzerne zusammen, würden ihre Emissionen nur um 40 Prozent anstatt der versprochenen und angesichts der Klimakrise dringend notwendigen 100 Prozent verringert werden.

"Man gaukelt uns vor, dass diese Unternehmen ausreichende Maßnahmen ergreifen, obwohl die Realität weit davon entfernt ist", kritisiert Gilles Dufrasne, der ebenso am Bericht beteiligt war. Er fordert nun eine stärkere internationale Regulierung der Unternehmen. Dies könnte durch die kürzlich bei den Vereinten Nationen eingerichtete Greenwashing-Abteilung geschehen. Allerdings ist diese mit nur 16 Mitgliedern chronisch unterbesetzt.

#5 Der Reihe nach

Österreich entgehen diesen Monat über 570 Millionen Euro an Steuereinnahmen. Weißt du, warum?

Seit 2008 gibt es in Österreich keine Erbschaftssteuer mehr. Dabei geht jede zweite Erbschaft an die oberen zehn Prozent. Wie groß Erbschaften ganz oben ausfallen, zeigt der Tod der Wlaschek-Witwe Friederike Wlaschek.

Sie war die Ehefrau von Karl Wlaschek der nach dem Verkauf der Supermarkt-Kette "Billa" noch im Immobilien-Geschäft tätig war. Als er 2015 verstarb, lag sein geschätztes Vermögen bei 4,2 Milliarden Dollar. Das Vermögen seiner nun verstorbenen Witwe wird auf mindestens 1,9 Milliarden Euro geschätzt.

Genau weiß das aber niemand, da es in Österreich kein Vermögensregister gibt. Würde es einen Steuersatz von 30 Prozent auf Erbschaften geben, wie in Deutschland üblich, kämen nun 570 Millionen Euro in die Staatskassa.

Übrigens: In den kommenden Jahren werden hierzulande 700 Milliarden Euro geerbt. Ohne Erbschaftssteuer bleibt Vermögen da, wo es jetzt ist: ganz oben.

Ich wünsche dir einen schönen Donnerstag!

Lukas

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