ZIB Spezial Screenshot der Diskussion zwischen Donald Trump und Joe Biden. Trump spricht und Biden lacht über das Gesagte.

Donald Trump zerstört den Diskurs absichtlich, das darf man nicht verschweigen (Bild: Screenshot ORF TVThek)

/
/ 30. September 2020

US-Präsident Donald Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden diskutierten in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch zum ersten Mal in diesem Wahlkampf im TV. Der Amtsinhaber zerstörte dabei bewusst und offensiv jede Chance auf eine gesittete Debatte. Der mediale Umgang damit in Österreich ist problematisch.

Donald Trump greift im TV-Wahlkampf zur Strategie der Diskurszerstörung. Statt sich einer inhaltlichen Debatte zu stellen, unterbrach Trump Biden kontinuierlich, setzte auf persönliche Angriffe und Falschbehauptungen.

Diese Taktik in politischen Debatten ist vor allem von rechter Seite nicht neu, wie auch Natascha Strobl in ihrer MOMENT-Kolumne regelmäßig dokumentiert. Sie ist nur selten so offensichtlich und gut erkennbar wie beim US-Präsidenten in der ersten Debatte.

Gerade deshalb ist die Berichterstattung auch der österreichischen Leitmedien über die Debatte so ernüchternd. Durchgehend wird in den Überschriften der Eindruck erweckt, als hätten sich hier zwei Politiker zu gleichen Anteilen einen heftigen Schlagabtausch geliefert.

Trump vs Biden: Die Headlines im Überblick:

  • Der Standard: "Viel Durcheinander, wenige Fakten in TV-Duell Trump gegen Biden"
  • Die Presse: "Trump gegen Biden, ein verbales Blutbad"
  • Kronen Zeitung: "Erstes TV-Duell Trump - Biden: Wortgefechte & Beleidigungen"
  • OE24: "Anschuldigungen und Beleidigungen: Totales Chaos bei TV-Debatte zwischen Trump und Biden"
  • ORF.at: "Trump vs. Biden: Untergriffe beim ersten TV-Duell"

Mit dieser Art der Betitelung spielen Medien der Diskurszerstörungs-Strategie von Trump in die Hände. Gerade in der Zusammenschau verschiedener Pressemeldungen, bei der Überschriften von entscheidender Bedeutung sind, bleibt das Bild von streitenden Politikern über. Ein Debatte, die Trump inhaltlich kaum hätte gewinnen können, endet so quasi mit einem Unentschieden. Es entsteht der Eindruck, als wären irgendwie beide Seiten mehr oder weniger gleich für das Ergebnis mitverantwortlich. Das ist aber eine Verzerrung dessen, was tatsächlich passiert ist.

Diskurszerstörung als solche benennen

Warum ist es aber wichtig, wie österreichische Medien über diese US-Debatte berichten? Weil bei Trump die Diskurszerstörungs-Taktik klar erkennbar ist und trotzdem nicht als solche benannt wird. Bei subtileren Varianten dieser Strategie von heimischen PolitikerInnen gelingt das dann erst Recht nicht.

Mit anderen Worten, wer über diese Zerstörung berichtet, als wäre das eine normale demokratische Debatte und dabei auch nicht den Zerstörer benennt, macht sich damit zu dessen Komplizen. Die fast schon bizarre Einhelligkeit, mit der sämtliche Leitmedien - egal ob Boulevard oder Qualitätsmedien - in diese Falle tappen, erklärt auch den großen Erfolg dieser zerstörerischen, politischen Strategie.

Dass es auch anders ginge, beweist die New York Times mit ihrer Überschrift zur Debatte (meine Übersetzung):

"Mit Unterbrechen, Lügen und Spott in der Debatte mit Biden zertrampelte Trump den Anstand"

Ein Fortschritt wäre aber schon, wenn sich die österreichischen Medien wenigstens stärker voneinander unterscheiden und nicht völlig austauschbare Headlines texten würden.

 

In der Reihe "Standardsituationen des Medienversagens" kommentiert Leonhard Dobusch wiederkehrende, oft auch systemische Probleme der medialen Berichterstattung.

Dir gefällt unsere Arbeit?

Das freut uns! Wir sind unabhängig von Parteien und Konzernen. Unterstütze unsere Arbeit mit deiner SPENDE. Jeder Beitrag, ist er noch so klein, ist wichtig!

Fünf wichtige Themen in nur drei knackigen Minuten. Hol dir deinen täglichen Morgenmoment per E‑Mail!

Ich bin einverstanden, einen regelmäßigen Newsletter zu erhalten. Mehr Informationen: Datenschutz.