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Klimakrise

Vienna blooming – Wie eine autofreie Stadt aussehen könnte

Autos raus aus der Stadt! Das wünschen sich viele, wenn es um eine klimafreundliche Zukunft geht. Autos sind für uns aber so selbstverständlich, dass wir uns die autofreie Stadt gar nicht wirklich vorstellen können. Das Projekt “Vienna blooming” zeigt mithilfe von künstlicher Intelligenz, wie zentrale Plätze Wiens von grau zu grün werden.

Die Erinnerung an die Sommerhitze ist auch wegen des viel zu heißen Herbstes noch frisch. Besonders in der Stadt, wo die Hitze noch intensiver ist als auf dem Land. So auch in Wien. Dicht bebaute Wohnflächen, Straßen für Autos und Parkplätze versiegeln den Boden und lassen wenig Platz für Abkühlung. Je mehr Menschen auf kleinem Raum, desto weniger Platz für Grünflächen. 

Genau die braucht es aber dringend. Denn: Unsere Sommer werden immer länger und heißer. Während es 1955 in Wien nur einen Hitzetag mit Temperaturen über 30 Grad gab, waren es vergangenen Sommer 31. Tendenz steigend. Seit 251 Jahren wird die Temperatur statistisch festgehalten. Österreich hat seine elf heißesten Sommer alle zwischen 2000 und 2017 erlebt. Laut klimatologischen Daten der ETH Zürich drohen 2050 nicht nur noch mehr Hitzetage, sie werden an ihren Höchstwerten auch um fast 8 Grad heißer. 

Her mit Schatten also! Nur wie? Oft fehlt dazu die Vorstellungskraft, welche Maßnahmen es genau braucht, um eine Stadt klimagerechter und öffentliche Plätze grüner werden zu lassen. “Vienna blooming” will das ändern. Die Initiative der beiden Raumplaner Luca Bierkle und Tobias Reisenbichler macht Maßnahmen zur Begrünung und Qualitätssicherung des Stadtraums sichtbar. 

Autofreies Wien

Vor allem der dichte Autoverkehr heizt die Stadt zusätzlich auf. Wien ist bereits jetzt um 2,5 Grad heißer als das Umland. Deshalb gab es in den vergangenen Jahren auch immer mehr Tropennächte hierzulande. Denn der Asphalt speichert die Hitze und gibt sie ab, wenn es dunkel wird. Das heißt, die Temperatur fällt auch nachts nicht unter 20 Grad. Das hat negative Auswirkungen auf Herz und Kreislauf. Bereits jetzt sterben in vielen Jahren mehr Menschen an Hitze als im Straßenverkehr. 

Mithilfe von künstlicher Intelligenz hat Vienna blooming Wiener Gassen, Straßen und Plätze von Autos befreit. Und die begrünten Flächen so zu Orten mit hoher Aufenthaltsqualität gemacht. Das Projekt hat das Ziel, radikale Maßnahmen erlebbar und vorstellbar zu machen. “Scrollt man durch Social-Media Foren zu Stadtplanung, stellt man schnell fest, dass jeder verschwundene Parkplatz zu Auseinandersetzungen zwischen Befürworter:innen und der Gegenseite führt”, sagt Tobias Reisenbichler. Menschen würden oft daran scheitern, sich Veränderungen und Zukunftsbilder bildlich vorstellen zu können. Das verhindere, dass konkrete Maßnahmen entstehen.

Inspiration für eine grünere Stadt

Was die Temperaturen senkt, ist Schatten. Der entsteht durch Grünflächen mit Bäumen. In Wiener Parks ist es im Sommer im Durchschnitt elf Grad kühler als auf betonierten Flächen. Laut den Initiatoren brauche es deshalb dringend eine grundlegende Diskussion über die Neuorganisation des öffentlichen Raums. 

Momentan zeigt das Projekt 32 Vorher-Nachher-Darstellungen und neun Animationen, die auf der Webseite und auf Social-Media abrufbar sind. Die mit KI generierten Bilder seien aber nicht nur als Entwürfe zu verstehen. Sie sollen einen Denkanstoß geben, dass die Stadt mehr ist als ein Verkehrsraum für Autos. “Wir hoffen, mit diesen Visionen die großen Potenziale von Wien sichtbar zu machen”, so Luca Bierkle. “Für eine gerechtere und lebenswertere Stadt”. Und einen positiven Blick in die (Klima)Zukunft.

 

 

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