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Klimakrise

Vom Bundesheer bis zum Ukraine-Krieg: Wie umweltschädlich ist das Militär?

Weltweit ist das Militär für rund fünf Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Schätzungsweise. Denn genau sagen kann das niemand. In den meisten Bilanzen tauchen Heeresemissionen gar nicht auf.

Ende Jänner erschien Österreichs neueste “Treibhausgas-Bilanz”: Im Jahr 2021 verursachten wir 77,5 Millionen Tonnen CO2. 44 Prozent entfallen auf den Sektor Energie und Industrie, 28 Prozent auf den Verkehr, 12 Prozent auf Gebäude und 11 Prozent auf die Landwirtschaft. Doch ein oft übersehener, wichtiger Bereich kommt im Bericht nicht vor: das österreichische Militär. Das verzerrt die Ergebnisse von Nachhaltigkeitsberichten. Und es macht Pfade zur Verringerung von Treibhausgasen und Klimastrategien noch spekulativer, als sie ohnehin schon sind.

Während sich etwa Automobilhersteller spät, aber doch darum bemühen, ihre Produkte emissionsärmer und nachhaltiger zu gestalten, kann man das von militärischem Gerät nicht behaupten. 

Eurofighter brauchen viel mehr Sprit als Passagierflieger

Eurofighter – also die Kampfjets, die auch das österreichische Bundesheer einsetzt – brauchen laut Internationalem Versöhnungsbund bis zu 6.000 Litern Kerosin pro Stunde in der Luft. Das ist etwa so viel wie ein durchschnittliches Passagierflugzeug für die Strecke Wien-Moskau. 2018 verbrachten die österreichischen Eurofighter knapp 10.500 Stunden in der Luft. 

Am Boden sieht es für militärisches Gerät nicht viel besser aus. Ein Panzer der Marke „Abrahams“ des US-Militärs braucht für 800 Meter fast vier Liter Treibstoff. Allein der Treibstoff, der für den Irakkrieg (2003 bis 2011) gebraucht wurde, ist für 250 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich. Das ist mehr als drei Mal so viel wie Österreichs Emissionen im Jahr 2021. 

Ein grünes Bundesheer?

Beim österreichischen Bundesheer will man sich künftig um einen schlankeren ökologischen Fußabdruck bemühen. Im Nachhaltigkeitsbericht 2021 heißt es, das Bundesheer habe sich „verpflichtet, die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen sowie des Regierungsprogramms zu erfüllen. Diese Aufgabe nehmen wir sehr ernst und lassen sie trotz neuer Bedrohungsszenarien unserer Zeit wie Pandemien, Cyberkriminalität oder Ressourcenknappheit nicht in den Hintergrund rücken“.

Von Anlagen für eine ökologische Energieversorgung bis hin zur „klimafreundlichen Truppenverpflegung“ will sich das österreichische Militär in vielerlei Bereichen „ökologisch modernisieren“. Teil des Programms sind unter anderem (seit April 2022) Klimatickets für Teile des Bundesheeres sowie 30 Elektroautos. Letztere wurden 2020 an „ausgewählte Kommanden und Dienststellen übergeben“ und würden derzeit „über ihre Eignung in der Friedensverwaltung“ erprobt, erklärt das Bundesheer auf Nachfrage. Ein Ergebnis soll voraussichtlich im Mai 2024 vorliegen.

Der Klimateller in der Kantine

“Überall dort, wo CO2-Einsparungen möglich sind, engagiert sich das Bundesheer für den Klimaschutz und setzt Maßnahmen zur Verringerung des CO2-Fußabdrucks um”, bekräftigt das Bundesheer und nennt die Einführung des „Klimatellers“ in allen Verpflegungseinrichtungen des Bundesheeres als Beispiel. Der „Klimateller“ werde jeden Dienstag als Mittagsmenü angeboten.

6.000 Liter Kerosin pro Stunde oben, ein Teller Gemüse unten. Für Irmgard Ehrenberger, Co-Vorsitzende des Internationalen Versöhnungsbundes in Wien, sind derlei Bemühungen nichts weiter als „ein Tropfen auf dem heißen Stein“. Ein Militär sei per se umweltschädlich, kritisiert Ehrenberger. Ein Großteil der Emissionen eines Heeres entsteht nämlich nicht einmal beim enormen Energie- oder Treibstoffverbrauch, sondern vor allem durch indirekte Emissionen: Die Beschaffung militärischer Ausrüstung und deren Lieferketten, die Gewinnung der dafür nötigen Rohmaterialien, bei der Produktion von Waffen und deren Gebrauch. „Was bringen 30 E-Autos, wenn weiterhin Übungen mit Eurofightern geflogen werden?“, ärgert sich Ehrenberger.

Krieg und Umweltzerstörung

Die Krux ist: Wie umweltschädlich das österreichische Bundesheer tatsächlich ist, kann niemand so genau sagen. Wie in anderen Ländern ist die Datenlage dünn und basiert überwiegend auf Schätzungen. Einer dieser Schätzungen lautet: Militärs sind weltweit für bis zu fünf Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. In Zeiten großer Kriege – wie derzeit – für bis zu sechs Prozent. 

 
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Die ersten sieben Kriegsmonate in der Ukraine verursachten rund 100 Millionen Tonnen CO2, in etwa so viel wie die Niederlande in einem Jahr. In Summe gehen rund 20 Prozent der weltweiten Umweltzerstörung auf militärische und damit in Zusammenhang stehende Aktivitäten zurück. Das errechnete das Forschungsinstitut für Friedenspolitik in Starnberg (Deutschland). 

Langer Streit um CO2-Bilanzen beim Militär 

1997 verweigerte die USA im Rahmen der Verhandlungen zum Kyoto-Protokoll, dass militärische Emissionen in die CO2-Bilanz der Staaten miteingerechnet werden. Aus Gründen der nationalen Sicherheit, wie es seither gebetsmühlenartig von den Generälen dieser Welt heißt. Denn anhand der CO2-Bilanzen könnten andere Staaten auf Truppenstärke, Einsatzgerät und Ausstattung schließen. Seit dem Pariser Klimaabkommen 2015 müssen Staaten ihre Militäremissionen in ihre Länder-Berichte an die UNO miteinrechnen. Aber es bleibt ihnen überlassen, ob sie diese getrennt ausweisen. Die Mehrzahl der Staaten tut dies nicht

Während beispielsweise Deutschland seine Heeresemissionen sehr präzise ausweist, ist man hierzulande zurückhaltender. Seit drei Jahren werden die Emissionen des österreichischen Bundesheers erhoben. 2020 und 2021 wurden je rund 120.300 Tonnen CO2 ausgestoßen, für 2022 liegen noch keine Daten vor, teilt das Bundesheer auf Nachfrage mit. Erhoben werden dabei lediglich der Energie- und Treibstoffverbrauch der Streitkräfte. Die Emissionen der Eurofighter werden etwa nicht erhoben. Eine Gesamtbilanz findet sich auch im Nachhaltigkeitsbericht des Bundesheeres nicht. Der Military Emissions Gap-Report 2021 bescheinigt Österreich eine „sehr schlechte“ Meldetätigkeit und Intransparenz. Eine entsprechende Nachfrage ließ das Bundesheer unbeantwortet.

 
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Eine friedliche Welt ist eine nachhaltige – und umgekehrt

„Das Hauptproblem ist, dass wir kaum Informationen bekommen“, kritisiert Irmgard Ehrenberger. Sie fordert eine Berichtspflicht für Militärs. Nur dann könnten relevante Institutionen zur Verantwortung gezogen werden. Eine solche Berichtspflicht wurde im November 2022 auch von mehreren Organisationen auf dem Weltklimagipfel in Sharm El-Sheikh (COP 27) eingefordert, erneut erfolglos. Dabei schreiben Wissenschafter, es gebe „längst Methoden zur Ermittlung von Emissionen, ohne die Rechte an geistigem Eigentum zu verletzen oder sensible Informationen offenzulegen”.

Das Argument der nationalen Sicherheitsinteressen will auch Ehrenberger nicht gelten lassen. Das größte Sicherheitsrisiko sei die Klimakrise selbst. Durch die Klima- und Umweltkrise ausgelöste Ressourcenknappheit, Hungersnöte, Wasserknappheit und Extremwetterereignisse können zusätzliche Konflikte und militärische Auseinandersetzungen auslösen. Gleichzeitig sind es Kriege, die – neben menschlichem Leid – auch ökologisch fatale Folgen haben. Das beginnt mit den Kriegsvorbereitungen und Truppenübungen und reicht bis hin zum Bombardement von Energieinfrastruktur und dem Wiederaufbau eines zerstörten Landes, der ebenso energie- und treibhausgas-intensiv ist. 

Friedenspolitik und Klimakrise müssten laut Ehrenberger zusammengedacht werden, eine friedliche Welt ist eine ökologisch nachhaltige – und umgekehrt.

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