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Demokratie
Klimakrise

Die Wahl in Brasilien entscheidet das Schicksal des Amazonas Regenwald

Die Wahl in Brasilien entscheidet das Schicksal des Amazonas Regenwald
Dem Amazonas-Regenwald reicht’s. Jahrtausende lang hat er das Erdklima für uns Menschen reguliert. Aber nachdem wir ihn über Jahrzehnte industriell abgeholzt haben, kann er nicht mehr. Er beginnt zu kippen und droht, Unmengen an CO2 in die Atmosphäre zu entlassen. Während weite Teile gerade in Brand stehen, wird Ende Oktober in Brasilien gewählt. Die Wahl könnte das Schlimmste hoffentlich noch verhindern. Aber wir in Europa sollten nicht so tun, als wären wir an der Abholzung unbeteiligt.
 

Wenn es um den Amazonas Regenwald geht, haben wir wohl alle ein anderes Bild im Kopf. Endloser Urwald. Ein Umweltjuwel in Südamerika. Die Lunge der Erde. Und ein Opfer unglaublicher Entwaldung und Brandrodung.

Der Amazonas als Verbündeter im Kampf gegen die Klimakrise

Tatsächlich ist der Amazonas Heimat für 10 Prozent der Artenvielfalt und 60 Prozent der tropischen Wälder gesamt. Weil er so viel Wasser speichert und verdunstet, erhält er sich selbst. Viele Regionen im Landesinneren hätten für einen tropischen Regenwald eigentlich zu wenig Niederschlag, würde das verdunstende Wasser dort nicht immer wieder abregnen, Flüsse füllen und Regenzeiten schaffen. Der Wald bindet außerdem CO2 und ist somit ein ganz besonders wichtiger Verbündeter im Kampf gegen die Klimakrise.

Brand im Amazonas-Regenwald 

Doch derzeit wüten wieder einmal verheerende Brände im Amazonasgebiet – es sind sogar die schwersten seit über 10 Jahren. Alleine im September wurden über 40.000 Feuer registriert. Die Feuer, die ihren Höhepunkt zwischen Juni und September erreichen, sind aber meist hausgemacht. Große Teile des Amazonas werden jedes Jahr abgeholzt und brandgerodet, um Flächen für Rinderzucht und Landwirtschaft oder den Abbau von Nickel, Lithium und Gold zu schaffen.

Von der grünen Lunge zur Savanne

Diese Abholzung wird auch politisch befeuert. Unter Präsident Bolsonaro, der 2018 gewählt wurde, hat die Entwaldung um 70 Prozent zugenommen. Mittlerweile wurden insgesamt über 18 Prozent der gesamten Fläche dem Erdboden gleichgemacht. Mit verheerenden Folgen. Im Süden des Amazonas können sich einige Regenwaldgebiete aufgrund der zunehmenden Trockenheit nicht mehr selbst erhalten und verwandeln sich in Savannen.

CO2-Schleuder Regenwald?

Dadurch geht eine wichtige Funktion des Regenwaldes verloren. Statt CO2 zu binden, stößt der Amazonas es mittlerweile aus. Wir haben ihn zu einer CO2-Quelle gemacht. Wissenschaftler:innen schätzen, dass der gesamte Amazonas-Regenwald mitsamt seines Wasserkreislaufes und der CO2-bindenden Funktion bei einer Abholzung von 20-25% kippen könnte. Dann würde er langsam absterben, die Wetter- und Klimamuster der ganzen Welt verändern und so viel CO2 freisetzen, wie die ganze Welt in SIEBEN Jahren.

Was hat die Wahl in Brasilien damit zu tun?

Bei der Stichwahl am 30. Oktober tritt der amtierende Präsident Bolsonaro gegen den als Lula bekannten linken Kandidaten an. In der ersten Wahlrunde lag Lula knapp vorne. Eine Wiederwahl Bolsonaros würde wohl bedeuten, dass Umweltorganisationen weiter zerschlagen, illegale Rodungen blind hingenommen, Umweltschützer verfolgt, indigene Gruppen in ihren Rechten verletzt und Landraub weiter vorangetrieben werden. Innerhalb der nächsten Legislaturperiode wäre der Regenwald wohl verloren.

Ex-Präsident und Herausforderer Lula verspricht das Gegenteil. Mehr Umwelt und Klimaschutz. Doch kann man dem glauben? Unter seiner Führung hat die Entwaldung zwischen 2003-2010 um drei Viertel abgenommen, er hat riesige Schutzgebiete geschaffen und die Wissenschaft gestärkt. Eine Studie, die Entscheidungen beider Kandidaten in die Zukunft projiziert, kommt zum Schluss, dass ein Wahlsieg Lulas, Brasilien bis zu 89 Prozent der Entwaldung ersparen könnte.

Wer trägt hier die Verantwortung?

Allerdings hat auch Lula in der Vergangenheit große Bauprojekte im Amazonas zugelassen und großen Konzernen oftmals nicht auf die Finger geschaut. Bevor wir aber die Verantwortung nur beim Präsidenten suchen, woher kommen denn die Konzerne und Firmen, die Rohstoffe im Regenwald abbauen? Welcher Fleischhunger wird mit brasilianischem Rindfleisch getilgt? Am Ende ist es der jener Länder, die viel Fleisch essen. Und das sind wir.

Es ist einfach, entsetzt über die Rodung der Wälder in Brasilien zu sein. Wir sollten dabei aber nicht vergessen, dass wir in Europa die ersten waren, die unseren eigenen Urwald im Zeichen der Entwicklung abgeholzt haben. Und wir sind auch für die Abholzung der Regenwälder mitverantwortlich. 16 Prozent der globalen Entwaldung gehen auf das Konto der EU. Das bedeutet: wir müssen hoffen, dass Lula die Wahl gewinnt. Aber es ist auch wichtig, dass die EU Verantwortung übernimmt!

Das neue Waldgesetz

Die EU-Kommission hat im November einen Entwurf für ein neues Waldgesetz vorgestellt, nach dem Soja, Rindfleisch, Palmöl, Holz, Kakao und Kaffee nicht mehr in der EU verkauft werden dürfen, wenn dafür Wälder vernichtet wurden. Das ist ein wichtiger erster Schritt, doch es bräuchte ein umfassendes Lieferkettengesetz, um auch bei anderen Produkten und Rohstoffen eine weitere Entwaldung zu stoppen! Dass es klare Gesetze braucht und wir den Versprechen großer Konzerne nicht allzu viel Glauben schenken sollten, wird bei den „Nachhaltigkeitsstrategien“ von fossilen Unternehmen besonders klar.

Hier habe ich mir das Greenwashing für euch angeschaut. 

Hast du noch mehr Fragen zu den Amazonas-Bränden? Hier die sechs wichtigsten Antworten.

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