Mietshaus
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/ 31. August 2020

Für viele gehört es zum Alltag: Zumindest einmal jährlich flattert ihnen ein Brief der Vermietung in die Wohnung. Darin: Eine meist freundlich formulierte aber bestimmt eingeforderte Erhöhung der Miete. Das manchmal nur empfundene Gefühl, dass der verlangte Mietzins immer mehr vom eigenen Budget wegzwackt, täuscht ganz und gar nicht. In Österreich stiegen die Hauptmietzinsen seit 2008 um 47 Prozent. Das geht aus einer neuen Studie der Arbeiterkammer hervor. Und das ist ein gewaltiges Problem.

Mieten explodieren, Löhne stagnieren

Damit stiegen Mieten weit mehr als das durchschnittliche Preisniveau. Im Schnitt um 21 Prozent wurde alles teurer. Und die Mietkosten stiegen vor allem viel höher an als die Löhne seitdem. Laut den letzten vorliegenden Zahlen der Statistik Austria verdiente im Jahr 2018 die Person, die genau in der Mitte aller in Österreich Beschäftigten rangiert, nur 20,5 Prozent mehr netto. Damit ist gerade mal so die Teuerung ausgeglichen. Real stagnierte der Lohn, während die Mietkosten davon galoppierten.

GeringverdienerInnen spüren steigende Mieten besonders

Vor allem GeringverdienerInnen müssen immer mehr ihres schmalen Einkommens fürs Wohnen abgeben. Für das untere Viertel der unselbständig Beschäftigten stiegen die Löhne sogar nur um magere 16 Prozent. Real, also wenn wir die Teuerung einpreisen, verdienen sie heute deutlich weniger als 2008. Und von diesem weniger müssen sie heute auch noch viel mehr für ihre Wohnungen bezahlen. Der Anteil der Wohnkosten am Budget, dass die Menschen in den Taschen haben, steigt immer weiter an.

Vor allem private VermieterInnen profitieren

Dieses Geld wandert in die Taschen der VermieterInnen. Dabei profitieren besonders private ImmobilienanbieterInnen. Sie haben kräftig an der Mietschraube gedreht. 55 Prozent mehr müssen Menschen in Österreich zahlen, wenn sie in privaten Mietwohnungen leben – in Wien stiegen die Mietpreise sogar um 75 Prozent. Das ist für die VermieterInnen ein schönes zusätzliches Sümmchen. Denn die Kosten für den Erhalt der Immobilien und die Betriebskosten erhöhten sich gleichzeitig nur um die Teuerungsrate. Wer also schon vorher gut davon gelebt hat Wohnimmobilien zu vermieten, lebt heute noch besser davon.

Wer umzieht, muss sich das zweimal überlegen

Wer dagegen heute umzieht, hat schnell ein gewaltiges Problem: Denn die Miete für die neue Wohnung ist oft  teurer als das, was man bisher zahlen musste. Und das nicht nur ein wenig, sondern so richtig: Wohnungen neu vermietet, schlagen die AnbieterInnen gern gehörig mehr an Miete drauf. Laut AK-Studie ist das einer der größten Preistreiber bei den Mieten. Zu spüren bekommen das wohl vor allem diejenigen, die für den Job besonders flexibel sein wollen und dafür umziehen. Auch junge Familien, die eine größere Wohnung brauchen, stellt das vor große Hürden.

Dazu gibt es immer mehr befristete Mietverträge. Wenn der Vertrag ausläuft und verlängert werden soll, wird es für MieterInnen auch schnell deutlich teurer. Zum Leben bleibt so immer weniger. 

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