Jemand von der Feuerwehr löscht einen Brand im Skigebiet in den Dolomiten.

Waldbrände wie dieser in einem Skigebiet in den Dolomiten werden aufgrund der Klimakrise zunehmend häufiger und intensiver.

Foto: Freiwillige Feuerwehr Südtirol

/ 23. März 2022

Seit Wochen regnet es in weiten Teilen Österreichs kaum. Auch Schnee ist nicht in Sicht. Die Trockenheit setzt den Böden zu und gefährdet die heurige Ernte. Aber auch das Risiko von Waldbränden steigt. Wir erklären dir der Reihe nach, wieso auch hier die Klimakrise dahinter steckt, was da heuer auf uns zukommt, und was deshalb getan werden muss.

Wieso ist es gerade so trocken?

Dahinter steckt ein Hochdruckgebiet, das keinen Niederschlag nach Mitteleuropa lässt. Während es in Kreta kräftig schneit, wartet Österreich seit Wochen auf Regen. Das ist um diese Jahreszeit nicht ungewöhnlich, die trockenen Phasen sind in den vergangenen Jahren aber immer länger geworden. Das liegt mit großer Wahrscheinlichkeit an der menschengemachten Klimakrise (sie erhitzt die Ozeane) und an der Veränderung des Jetstreams.

Warum? Das Hochdruckgebiet könnte aufgrund der wärmeren Atlantik-Temperaturen über Mitteleuropa gelandet sein, denn die Oberflächentemperatur der Ozeane spielt eine wesentliche Rolle in der Verteilung von Hoch- und Tiefdruckgebieten. Die Veränderung des Jetstreams erhöhen einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zufolge zudem die Dauer und Intensität von Extremwetterereignissen wie beispielsweise der aktuellen Jahrtausend-Trockenperiode. Außerdem wird dem Boden bei höheren Temperaturen mehr Feuchtigkeit entzogen.

Die Strömungen im Atlantik sind so schwach wie seit über 1000 Jahren nicht mehr.

Die Strömungen im Atlantik sind so schwach wie seit über 1000 Jahren nicht mehr.

Wie wirkt sich die Trockenheit auf die Landwirtschaft aus?

Die tatsächlichen Auswirkungen sind schwer abzuschätzen, sie sind aber klar negativ. Einige Sommergetreidesorten wie Roggen, Weizen und Gerste benötigen wenig Feuchtigkeit. Vor allem Gemüse ist aber auf Niederschlag angewiesen, denn gerade jetzt beginnt vieles zu wachsen. Wenn es dann doch regnet, kommt ein weiteres Problem auf die Landwirt:innen zu: Die trockenen Böden können kaum Wasser speichern. Sie sind erosionsgefährdet und für den Anbau kaum geeignet.

Müssen wir uns Sorgen um die Ernte machen?

Das bleibe abzuwarten, sagt Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer (LKÖ), gegenüber der APA. Versorgungsengpässe bei Lebensmittel erwarte er aber nicht. Entscheidend seien die nächsten Wochen, spätestens aber der Niederschlag im Juni. Dann entscheidet sich, ob das Sommerwetter niederschlagsreich oder von Dürren geprägt sein wird. Einige Gemüsesorten müssen in manchen Regionen aber schon jetzt künstlich bewässert werden. Gerade in der Getreideversorgung muss zudem der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine mitbedacht werden, der diese weltweit erschwert.

Wie lange wird es noch trocken bleiben?

Das Atlantik-Hochdruckgebiet dürfte sich noch mindestens zwei Wochen über Mitteleuropa halten. In dieser Zeit wird es nur vereinzelt und wenig Niederschlag geben. Darüber hinaus sind Prognosen schwierig.

Werden Waldbrände wahrscheinlicher?

Davon ist auszugehen. Aufgrund der Trockenheit steigt die Gefahr von Waldbränden. Dahinter steckt wie beschrieben die Klimakrise. Sie bereitet den Feuern einen idealen Nährboden.

Der Waldbrand im Rax-Gebiet im vergangenen Jahr wäre ohne den Klimawandel wohl nie so heftig ausgefallen. Mitte März dieses Jahres brannte es zudem in einem Skigebiet in den Dolomiten. Und am Gaisberg in der Ramsau konnte ein sich anbahnender Bodenbrand gerade noch rechtzeitig gelöscht werden.

Was können wir tun?

Gegen Waldbrände helfen Frühwarnsysteme, und ein klimafitter Wald. In der Landwirtschaft kann kurzfristig auch mit künstlicher Bewässerung nachgeholfen werden. Langfristig braucht es aber widerstandsfähige Getreide- und Gemüsesorten, und vor allem wirksame, sozial verträgliche Maßnahmen gegen die Klimakrise. Auch die Wiederherstellung beschädigter Böden muss in Betracht gezogen werden. Die Hälfte aller Böden ist in einem schlechten Zustand, der Aufwand wäre vergleichsweise gering. Schuld daran sind meist Monokulturen und die Klimakrise, die Trockenheit und Wasserverknappung begünstigen.

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