Ein Brunnen
Obwohl es in den vergangenen Wochen viel geregnet hat, sind die Grundwasserstände in vielen Regionen Österreichs extrem niedrig. Schuld ist der Klimawandel. Credit: Pixabay/Katja Just
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/ 6. Juli 2020

Im Mai und Juni war es ungewöhnlich kalt und nass. Trotzdem ist das Grundwasser in vielen Regionen Österreichs auf einem bedenklich niedrigen Stand. Schuld daran ist die Klimakrise.

 

Zu 450 Einsätzen musste allein die niederösterreichische Feuerwehr wegen Hochwasser und Überschwemmungen im Juni ausrücken und dabei 150 Keller auspumpen. Im Vergleich mit den vergangenen 40 Jahren, gab es in Österreich 30 Prozent mehr Regen und 13 Prozent weniger Sonnenschein. 

Wer diese Nachrichten liest, muss den Eindruck haben, dass die Wasserspeicher in Österreich mehr als randvoll sein müssen. Doch ein Blick auf eine österreichweite Karte mit den aktuellen Grundwasserständen offenbart, dass das nicht so ist. In vielen Regionen Österreichs gibt es Probleme mit dem Grundwasser. 

Vor allem im Burgenland und in Oberösterreich sind die Grundwasserspiegel teilweise extrem niedrig.

Karte von Österreich mit aktuellen Grundwasserständen

Der Grundwasserspiegel ist in Österreich in vielen Gegenden auf einem beunruhigend niedrigen Stand (Karte vom 6. Juli 2020). Quelle: https://ehyd.gv.at/

Das hat zwei Gründe: Erstens war der “kalte“ Juni nicht kalt:  Gemessen an der jüngsten Vergangenheit war er ungewöhnlich kühl. Aber gerade in den vergangenen 30 Jahren ist es einfach viel wärmer in Österreich geworden. Gemessen an einem längeren Zeitraum war der Juni 2020 immer noch sehr warm - einer der 40 wärmsten Juni-Monate in der 254-jährigen Messgeschichte.

Zweitens kann ein einziger, regenreicher Monat die massive Trockenheit nicht ausgleichen, die der Klimawandel das gesamte Jahr bringt.

Grundwasserspeicher füllen sich im Herbst und Winter

Roman Neunteufel vom Institut für Siedlungswasserbau, Industriewasserwirtschaft und Gewässerschutz der Universität für Bodenkultur Wien kann das erklären: “Die Grundwasserspeicher werden vor allem im Winter und Frühjahr aufgefüllt. Doch diese Jahreszeiten waren extrem trocken.” 

Der Regen, der nun fällt, versickert nur oberflächlich und hält die Böden feucht. Das war immerhin der Ernte zuträglich, die Vegetation wuchert. Doch auf die Grundwasserstände hatten die massiven Regenschauer fast keinen Einfluss.

Probleme bei zukünftiger Trinkwasserversorgung und bei Feldbewässerung vorprogrammiert

Neunteufel beschwichtigt: “Noch bereiten mir die niedrigen Wasserstände keine schlaflosen Nächte. Aber in manchen Gegenden kann es schon zu Problemen mit der Trinkwasserversorgung kommen.” Denn viele Gemeinden und Dörfer versorgen sich eben durch Grundwasser. Und auch in der Landwirtschaft ist absehbar, dass durch den Klimawandel in Zukunft künstliche Bewässerung immer wichtiger wird - und für diese wird meist das Grundwasser angezapft.

Doch können wir etwas tun, damit sich die Grundwasserspeicher wieder schneller und besser auffüllen?

Absolut. Was getan werden muss, erklärt der Hydrobiologe Thomas Hein im MOMENT-Interview: ”Um Überschwemmungen bei Hochwasser in Siedlungsgebieten oder von Straßen zu verhindern, wurden Flüsse verbaut.” Doch so seien biologisch betrachtet nackte, kahle Abflussrinnen geschaffen worden. Diese gilt es nun dringend rückzubauen. “Flüsse brauchen dringend mehr Fläche zur Verfügung, das Wasser muss sich ausbreiten können. Damit das Hochwasser nicht schnell abläuft, sondern länger in der Landschaft bleibt und auch wieder besser ins Grundwasser einsickert. Wir müssen es schaffen, dass unsere Wasserspeicher wieder besser gefüllt werden,” so Hein. Es braucht also mehr Rückbauten von Flüssen und Bächen.

Niedrige Grundwasserspiegel in ganz Europa

Nicht nur Österreich ist gefordert, langfristig die Ressource Wasser sichern. Durch den Klimawandel bahnen sich in ganz Europa Konflikte um das kostbare Gut an. Die Daten der NASA zeigen: in ganz Europa sind die Grundwasserspiegel niedrig. Eine Satellitenkarte zeigt durch die roten Felder an, wo das Grundwasser niedriger steht als sonst im Durchschnitt. 

Eine Satellitenkarte zeigt rot an, wo in Europa die Grundwasserstände niedriger als sonst im Durchschnitt sind. Credit: Lauren Dauphin/ NASA Earth Observatory

Die ForscherInnen haben unter andrem historische Daten von Bodenstationen und Daten verwendet, die sich aus den Änderungen des Erdschwerefelds ergeben: Gebirge oder Meeresböden ändern sich nur selten und langsam. Doch Niederschlag und Verdunstung verlagern große Wassermengen. Das liefert brauchbare Daten für die Karte.  

Laut der NASA-Auswertung hat sich die Trockenperiode von Osteuropa über den ganzen Kontinent ausgebreitet. Große Flüsse wie die Donau oder die Elbe haben schon am Jahresanfang weniger Wasser als üblich geführt. Und in ganz Europa zeigt sich: Die starken Niederschläge im Mai und Juni waren nur ein Tropfen auf der heißen Erde. Der Boden war schnell befeuchtet, aber auch schnell wieder trocken.

 

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