Pflegearbeit in Altenheim. Im Bild ist ein alter Mann der bei ergonomischen Übungen mit einem kleinen Ball durch eine Pflegerin unterstützt wird.

Pflegekräfte sollten besser bezahlt werden. So sieht es eine überwältigende Mehrheit der Menschen in Österrecih. // Foto: Matthias Zomer / Pexels

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/ 17. September 2020

Mies bezahlt, körperlich am Limit, psychisch stark belastet: Pflegearbeit zu leisten ist ein harter Job und Pflegende werden kaum honoriert. Kein Wunder, dass weniger Personen den Job machen wollen als notwendig ist. Eine Umfrage der Volkshilfe zeigt: Die beste Antwort darauf ist mehr Geld für Pflegekräfte. Und: Die meisten Befragten fordern Vermögenssteuern um die Pflege zu sichern. 


Geht es nach den in Österreich lebenden Menschen, ist es keine Frage: Um den Pflegenotstand zu verhindern, sollten Pflegekräfte besser bezahlt werden und kürzer arbeiten dürfen. In einer Umfrage für das jetzt veröffentlichte Sozialbarometer der Volkshilfe sagten 93 Prozent der Befragten dazu „ja“ oder „eher ja“.

Und: Vier von zehn machen sich Sorgen, wenn sie daran denken, dass sie selbst oder Angehörige einmal gepflegt werden müssen. Nur 28 Prozent sehen dem zuversichtlich entgegen. Je älter die Befragten, desto pessimistischer sind sie. Mehr als der Hälfte der über 50-Jährigen bereitet die Pflege schon heute großes Kopfzerbrechen.

Für die Zukunft sieht es eher noch dramatischer aus als jetzt schon. Denn laut einer Studie des Sozialministeriums vom November vergangenen Jahres fehlen immer mehr Pflegekräfte: Allein um den zusätzlichen Pflegebedarf zu decken braucht es im Jahr 2030 über 30.000 Personen zusätzlich, die in Krankenhäusern und in der Langzeitpflege arbeiten.

Das ist fast ein Viertel der heute 127.000 PflegerInnen. Für die unter ihnen, die bis dahin in Pension gehen, müssen sich ebenfalls neue MitarbeiterInnen finden. In zehn Jahren müssen daher 75.500 Personen neu in der Pflege arbeiten wollen.

Die von Meinungsforschungsinstitut Sora unter 1.000 Personen durchgeführte Umfrage zeigt: Damit das klappt, muss der Pflegeberuf mit höheren Löhnen und kürzeren Arbeitszeiten attraktiver gemacht werden. Jetzt will die Bundesregierung die Pflege reformieren. Wie das aussehen soll, steht noch in den Sternen.

Versprochen haben Bundeskanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Rudolf Anschober nur eines: Für Maßnahmen wie die geplante Pflegeversicherung sollen die Sozialabgaben nicht erhöht werden.

Doch wie soll der nicht zu vermeidende Pflegebedarf sonst bezahlt werden? Wie soll den Menschen in Österreich die Sorgen vor einem Alter ohne gesicherte Pflege genommen werden? Das Sozialbarometer der Volkshilfe liefert eine mögliche Antwort: 79 Prozent der dort befragten Personen sprach sich darin dafür aus, die Pflege mithilfe einer Vermögenssteuer für besonders Wohlhabende mit einem Besitz von mehr als einer Million Euro abzusichern.

Wir berichteten über zahlreiche Studien und Berechnungen, die zeigen: Selbst geringe Steuersätze von 0,5 bis 2 Prozent auf besonders große Vermögen, die nur wenige sehr reiche Menschen betreffen, würden hohe Einnahmen in die Staatskasse spülen. Geld, das in hochqualitative Pflege fließen könnte. Geld, das dort dringend benötigt wird.

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