Ein Sohn gibt seiner Mutter ein dickes Bussi.

Wir brauchen einen Feiertag für Alleinerziehende. Foto: Alvaro Reyes für Unsplash

/ 28. September 2020

Sie leisten viel. Ohne sie würde vieles nicht funktionieren. So richtig gefeiert werden sie aber nie: Alleinerziehende. Neben den ganz normalen Problemen des Alltags schupfen sie auch noch die Kinderbetreuung und alles, was dazu gehört, fast alleine.  Ein Feiertag muss her, dachte sich eine Gruppe von Alleinerziehenden in Berlin vor einem Jahr.

Am Montag, dem 28. September findet der Feiertag für Alleinerziehende zum ersten Mal auch in Wien statt, organisiert von der Selbsthilfegruppe AllescheckerInnen. "Wir feiern uns, weil uns sonst niemand feiert", sagt Andrea Czak, selbst Alleinerzieherin, Obfrau des Vereins Fema und helfende Hand bei der Organisation des Feiertags.

Einen ähnlichen Tag gab es schon im Mai 2019, damals organisiert von Ex-Liste-Jetzt Chefin Maria Stern.

Wir feiern gerne mit und haben zur Feier des Tages 5 Fakten für euch, die ihr über Alleinerziehende vielleicht noch nicht wusstet:

#1 Es gibt viele

Jede achte Familie in Österreich ist eine Ein-Eltern-Familie. Insgesamt sind es fast 300.000. Es gibt heute zwar 30.000 mehr Ein-Eltern-Familien als noch 1985, dabei gibt es 9.000 weniger Familien mit Kindern als damals.

Der Anteil an Alleinerziehenden von Familien mit Kindern ist damit von 19 auf 21 Prozent leicht gestiegen.

#2 Sie sind fast immer Frauen

Insgesamt sind 86 Prozent aller AlleinerzieherInnen Frauen. Über 137.000 Eltern müssen alleine minderjährigen Kinder erziehen. Von ihnen sind sogar 93 Prozent Frauen.

#3 Sie arbeiten hart

Eine Studie hat gezeigt, dass Alleinerzieherinnen (Alleinerzieher waren in der Auswahl nicht dabei) am längsten arbeiten. Nach 6 Stunden täglicher bezahlter Arbeit folgten 9 Stunden unbezahlte Arbeit.

Hier erzählt eine Alleinerzieherin von ihrem Alltag zwischen Home-Office und E-Learning.

#4 Und sind trotzdem oft arm

Jeder dritte Ein-Eltern-Haushalt ist armutsgefährdet. Damit sind sie im Vergleich mit anderen Familienmodellen am stärksten gefährdet in die Armut abzurutschen. Viele von ihnen sind arm trotz Arbeit. JedeR fünfte AlleinerzieherIn hat einen Job und ist trotzdem armutsgefährdet.

#5 Und haben keine Lobby

Alleinerziehende sind oft nicht gut vernetzt, alleine lässt sich schwer etwas verändern. "Wer alleine kleine Kinder betreut, hat meist nicht die Zeit, offene Briefe an PolitikerInnen zu schreiben oder auf Demos zu gehen", sagt Czak. "Wir haben VertreterInnen von Parteien zum Feiertag für Alleinerziehende eingeladen, uns Wahlgeschenke zu machen", sagt sie. SPÖ, Grüne, Neos und SÖZ sind dabei.

Im aktuellen Regierungsprogramm kommen Alleinerziehende genau zwei Mal vor. Die Versprechen: Lückenschluss beim Unterhaltsvorschuss und eine Zeitverwendungsstudie, um Fakten zu schaffen. Keines der Vorhaben wurde bisher umgesetzt.

Anmerkung: Am 1.10. wurde hingefügt, dass Maria Stern im Vorjahr einen ähnlichen Feiertag ausgerufen hatte.

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