Drei ältere Damen hinter einer Theke, zwei arbeiten an Torten, die Frau in der Mitte hält ein Nudelholz und sieht direkt in die Kamera

Frau Charlotte, Frau Elisabeth und Frau Susanne beim Backen in der Vollpension. Foto: (c) Mark Glassner

/ Lisa Wölfl
/ 15. Oktober

Das Wiener Café Vollpension macht einen zweiten Standort auf. Dafür suchen sie nach SeniorInnen zum Kochen und Backen. Und 350 Omas und Opas haben ihre Bewerbungen geschickt. Mit Fotos, handgeschriebenen Briefen und ihren Lebensgeschichten. Das Team rund um Geschäftsführerin Hannah Lux hat sich erst gefreut, wurde dann aber traurig und nachdenklich.

"Das sind Geschichten von ‘Nicht mehr gebraucht werden’, von ‘Ich will anpacken, weiß aber nicht genau wo’, von ‘ich hab mein ganzes Leben gehackelt und jetzt reicht die Pension zum Leben nicht’ undsoweiterundsofort", heißt es in einem Blogbeitrag.

Die Vollpension ist ein soziales Unternehmen. Das bedeutet einerseits, dass sie den besten Kuchen Wiens servieren wollen, aber auch, dass sie mit dem Café soziale Ziele verfolgen. Große Themen sind dabei Armut und Vereinsamung im Alter.

Laut Statistik Austria sind 206.000 Menschen, die 65 oder älter sind, von Armut bedroht. Vor allem Frauen sind gefährdet. Alleinstehende PensionistInnen belegen laut Vollpension den traurigen zweiten Platz bei der Armutsgefährdung, direkt hinter AlleinerzieherInnen.

Eine Mindestpension gibt es in Österreich gar nicht. Nur etwas, das Ausgleichszulage heißt. Bei extrem niedriger Pension (weniger als 933 Euro) zahlt der Staat etwas dazu.

Die Vollpension im 4. Wiener Gemeindebezirk. Foto: (c) Mark Glassner

Neben Geldmangel ist die Einsamkeit im Alter ein großes Problem. In beiden Fällen hilft die Vollpension. Die SeniorInnen können sich neben der Pension etwas dazu verdienen und kommen unter die Leute. "Wir werden im nächsten Schritt versuchen, im Rahmen einer Studie besser herauszufinden, was wirklich die Motive dafür sind, dass so viele ältere Menschen aktiv bei uns angeklopft haben", schreibt die Vollpension auf ihrem Blog.

Es brauche einerseits offene “Herzerl”, aber ebenso politische Lösungen für ein gerechteres Pensionssystem. "Und während wir gemeinsam Lösungen finden müssen, wie niemand in diesem reichen Land Österreich mehr in die Armutsfalle Alter rutschen muss, geht's am Ende hier auch mal wieder darum, Verbindungen zwischen uns Menschen und unserer Umwelt zu schaffen." Darauf erst mal ein Stück Kuchen - und dann die Oma anrufen.

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