/ Morgenmoment

Wir sind reich an Armut!

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Redaktion
/ 19. Juni 2020

Guten Morgen,

hurra, wir werden immer reicher! Noch nichts davon gemerkt? Das könnte daran liegen, dass vor allem die reichsten Personen in Österreich ein immer größer werdendes Vermögen anhäufen, wie ein neuer globaler Reichtumsbericht zeigt. Wir sprechen heute aber auch über Armut: NäherInnen leiden in Bangladesch, weil Modeketten ihre Rechnungen nicht zahlen. ErntehelferInnen hausen bei uns unter erbärmlichen Bedingungen. Viele Menschen tragen ihre Habseligkeiten in Pfandleihen. PolitikerInnen trennen zwischen "schuldigen" und "unschuldigen" Arbeitslosen. Der Morgenmoment, heute zusammengeklöppelt von Andreas Bachmann.

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#1 Möchtest Du das teilen?

In der Corona-Krise stornierten westliche Modefirmen Aufträge, bezahlten fällige Rechnungen nicht. Für die NäherInnen in Herstellerländern wie Bangladesch hieß das: Keine Arbeit, kein Einkommen, nichts. Dabei quetschen die Bekleidungsunternehmen ihre ProduzentInnen auch vorher schon bis zum Äußersten aus, damit wir unsere Jeans besonders billig bekommen. Warum? Weil es geht, sagt Elke Schüßler, Wirtschaftsprofessorin an der Uni Linz. "Den Großteil der KonsumentInnen interessiert das schlicht wenig und die Politik sagt: bloß keine Gesetze." Wie kann man das ändern?

#2 Zahl des Tages

Es sind schwer fassbare und kaum vorstellbare Zahlen: Das weltweite Privatvermögen ist im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent auf umgerechnet mehr als 200 Billionen Euro gestiegen. Vor allem bei denen, die eh schon sehr viel besitzen, wurde der Geldhaufen noch größer. In Österreich besitzen die 320 reichsten Menschen inzwischen ein Drittel des gesamten Finanzvermögens. Damit ist in Österreich die Vermögensungleichheit besonders krass im Vergleich zum Rest Westeuropas: Im Schnitt besitzen hier die sogenannten Superreichen - das sind Personen mit jeweils mehr als 100 Millionen Euro Vermögen - "nur" 16 Prozent des Vermögens. Ob das vielleicht daran liegt, dass Österreich so gut wie keine Steuern auf Vermögen und Erbschaften erhebt?

#3 Lesetipp

In den Pfandleihen herrscht jetzt Hochbetrieb. Menschen stehen vor den Schaltern Schlange und liefern ihnen teure Habseligkeiten ab, um dafür kleines Geld zu erhalten, das sie über die nächsten Tage bringt. Wir haben mit einigen von ihnen gesprochen und mehrere Pfandleihen besucht. “Es ist furchtbar, jetzt, mit dieser Krise”, sagt eine Frau, die gerade eine Uhr verpfändet hat. Warum und für wen gibt es die Pfandleihen? Und hat das etwas mit Sozialpolitik zu tun? 

#4 Hast Du das gesehen?

Wer zahlt eigentlich den Preis für unseren Spargel? Das fragt Falter-Redakteurin Eva Konzett in einer Video-Reportage. Antwort: Die ErntehelferInnen! Unter unwürdigen und hygienisch erbärmlichen Bedingungen brachte ein Marchfelder Spargelbauer die dringend benötigten ArbeiterInnern in einem Hinterhof unter. Vom kargen Verdienst wochenlanger Akkordarbeit wurden ihnen noch 150 Euro für die Behausung abgezogen. In der Corona-Krise nannte die Politik sie "Schlüsselarbeitskräfte" und bemühte sich sehr, sie nach Österreich zu holen, damit der Spargel ja auch auf unseren Tellern landet. Bessere Arbeitsbedingungen, bessere Unterbringung, mehr Lohn und mehr Rechte gab es dafür aber nicht.

#5 Lesetipp, der zweite

PolitikerInnen sprechen in der Corona-Krise häufig von "unschuldigen Arbeitslosen". Eine verräterische Wortwahl, wie Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl in ihrer Kolumne analysiert. Es zeige, "dass es einen Grundverdacht gegen Arbeitslose gibt. Arbeitslose sind per se irgendwie 'schuldig'." Der neoliberale Mythos besage: "Es soll keine Solidarität und Nähe geben. Arbeitslose sollen verachtet werden." Anders als unsere PolitikerInnen von Bundeskanzler Sebastian Kurz abwärts, sollten wir dabei nicht mitmachen.

 

Einen angenehmen Freitag wünscht
Andreas Bachmann

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