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Fortschritt
Kapitalismus

Wohnen: Wie Frankreich es geschafft hat, den Leerstand zu verringern

Wohnen: Wie Frankreich es geschafft hat, den Leerstand zu verringern

Wohnungen, die absichtlich nicht vermietet werden, sind ein Problem. Sie heizen die Mietpreise in den Städten weiter an. Um Leerstand zu verringern und damit Wohnraum zu schaffen, hat die französische Regierung vor mehr als 20 Jahren eine Steuer darauf beschlossen. Nun erschien die erste wissenschaftliche Auswertung der Maßnahme: Sie funktioniert.

Wohnungen, die absichtlich nicht vermietet werden, sind ein Problem. Sie heizen die Mietpreise in den Städten weiter an. Um Leerstand zu verringern und damit Wohnraum zu schaffen, hat die französische Regierung vor mehr als 20 Jahren eine Steuer darauf beschlossen. Nun erschien die erste wissenschaftliche Auswertung der Maßnahme: Sie funktioniert.

Wenn Wohnungen absichtlich leer bleiben, zahlen im Endeffekt Wohnungssuchende den Preis: Weniger freie Wohnungen bedeutet höhere Mieten. Leerstand ist in vielen Ländern ein Problem, wenn EigentümerInnen nicht vermieten wollen, weil sie etwa darauf bauen, dass die Mietpreise weiter steigen und sie höheren Gewinn machen oder überhaupt darauf warten, dass ihnen die Wohnung abgekauft wird. Damit geht Wohnraum verloren, der ohnehin schon knapp ist.

Die Forscherin Mariona Segú schreibt in ihrer Studie, dass in der Eurozone rund 10 Prozent des Wohnraums leer steht, zumindest war das 2005 noch so. Vor allem in Städten, in denen Wohnraum knapp und teuer ist.

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Steuer gegen Leerstand

Aber was dagegen tun? Frankreich führte schon 1999 in einigen großen Städten eine Steuer für Leerstand ein. Segú entwickelte ein empirisches Modell, das zeigen sollte, welche Wirkung die Maßnahme hatte. Das Ergebnis: Durch die Steuer haben sich die Leerstandsrate zwischen 1997 und 2001 um 13 Prozent verringert. Den stärksten Effekt hatte die Steuer auf langfristige Leerstände. Das Ergebnis legt nahe, dass eine Steuer tatsächlich ein hilfreiches Instrument sein kann, um Leerstände zu verringern. Ähnliche Steuern gibt es im Vereinigten Königreich und in Jerusalem.

Hier geht es zur Studie.

Und Österreich?

Erst im vergangenen Jahr gab die Salzburger ÖVP bekannt, eine Leerstandsabgabe zu prüfen. Es gebe verfassungsrechtliche Bedenken. Gleichzeitig gibt es in Salzburg Stadt geschätzt 10.000 leere Wohnungen.

Für Wien lieferte die Stadt vor fünf Jahren Zahlen: In der Hauptstadt standen 35.000 Wohnungen leer, 10.000 davon langfristig. Eine bestimmtes Kontingent an unbewohnten Wohnung sind notwendig, damit es für Wohnungssuchende auch Angebot gibt. Das wahre Problem sind also langfristige Leerstände.

Wien gilt im Vergleich zu anderen Großstädten immer noch als Vorbild was den Wohnraum betrifft. Doch Wohnen wird in ganz Österreich immer teurer.

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Die Mietpreise steigen schneller als der Lohn. Das führt dazu, dass wir immer mehr von unserem Einkommen fürs Wohnen ausgeben müssen. Zusätzlich verschwinden unbefristete Mietverhältnisse langsam vom Markt. Laut einer Berechnung der Arbeiterkammer sind 70 Prozent aller Neuvermietungen befristet. All das setzt MieterInnen unter Druck.

Die Ergebnisse aus Frankreich zeigen, dass eine Steuer auf Leerstand tatsächlich wieder mehr Wohnraum für MieterInnen zugänglich macht.

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