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Weltfrauentag: Diese historischen Fakten musst du kennen

Weltfrauentag: Diese historischen Fakten musst du kennen
Am 8. März ist Internationaler Frauenkampftag. Frauen haben in der Geschichte vieles geleistet, das nicht genügend gewürdigt wurde. Wir stellen dir 5 historische Fakten zu feministischen Errungenschaften vor.

Dieser Artikel entstand im Zuge der Kooperation zum Internationalen Frauenkampftag von Wasbishergeschah.at und MOMENT.at 

Weltfrauentag: Diese historischen Fakten musst du kennen

#1 Der 8. März ist der Internationale Frauenkampftag. Warum eigentlich?

Vor über 100 Jahren haben Frauen begonnen, auf die Straße zu gehen und für eine Verbesserung ihres Lebens zu kämpfen. Mehr als 20.000 Frauen gingen 1911 in Wien auf die Straße. Sie kämpften dafür, wählen zu dürfen.

Während Faschismus und Krieg gab es keine Frauen-Demos, ihr Platz war nicht die Straße, sondern der Herd. Das wirkte lange nach, kein Wunder, dass nach dem Krieg ernsthaft diskutiert wurde, Frauen- und Muttertag zusammenzulegen. Der „Einfachheit halber”.

Zu alter Kraft fand der Kampftag in den 1970er Jahren: Für das Recht auf Selbstbestimmung gingen Frauen weltweit auf die Straßen. Die UNO nahm den Frauenkampftag 1975 offiziell in ihren Kalender auf. Der Kampf um Gleichberechtigung dauert bis heute an: In manchen Ländern ist der Frauentag mittlerweile ein gesetzlicher Feiertag.

#2 Abtreibung steht immer noch im Strafgesetzbuch

Dein Körper gehört nicht dir – wenn du eine Frau bist. Wer eine Schwangerschaft abbricht, macht sich strafbar. Wenn du abtreibst, kannst du im Gefängnis landen. Abtreibung ist in Österreich grundsätzlich verboten – aber unter gewissen Bedingungen straffrei.

Wer eine Schwangerschaft innerhalb der ersten 12 Wochen abbricht, wird nicht strafrechtlich verfolgt.

Bis hierhin war es ein langer Weg. Früher stand auf Abtreibung die Todesstrafe. Ab 1852 wanderte man dafür ins Gefängnis. Frauen mussten heimlich abtreiben.

Sie haben Blei und Strom, Seife und Salpetersäure benutzt, haben sich wieder und wieder Treppen hinunter gestürzt. Wer es sich leisten konnte, bezahlte eine „Engelmacherin“. Die hat mit einer Stricknadel oder dem Draht eines Kleiderbügels die Abtreibung durchgeführt. Unzählige Frauen sind dabei gestorben.

Nach dem Ersten Weltkrieg protestierten Frauen öffentlich gegen das Abtreibungsverbot. Aber erst in den 1970er Jahren hatten sie Erfolg – zumindest teilweise. 1975 erkämpfen sie den „Kompromiss” der „Fristenlösung“. Abtreibung steht damit aber immer noch unter Strafe.

Viele Frauen fordern deshalb: Abtreibung muss raus aus dem Strafgesetzbuch. Selbstbestimmung darf nicht strafbar sein.

#3 Das erste Frauenhaus wurde 1978 in Wien gegründet

Weißt du, was Frauenmorde verhindern kann? Frauenhäuser. Gewalt an Frauen ist allgegenwärtig: Jede dritte Frau wird in Österreich körperlich, seelisch oder sexuell misshandelt. In den allermeisten Fällen ist der Täter ein Familienmitglied: ihr Mann, ihr Bruder, ihr Vater.

Drei Frauen im Monat überleben das nicht, sie werden ermordet. Lange Zeit war das in Österreich „normal” oder „Privatsache”. Erst in den 1970er Jahren setzten sich die Frauen massenhaft zur Wehr. Sie gingen auf die Straßen und gründeten 1978 das erste Frauenhaus in Wien.

Bis heute schützt es Frauen und Kinder vor gewalttätigen Männern, bietet ihnen Zuflucht und hilft bei den ersten Schritten in ein Leben frei von Gewalt. Wer Gewalt gegen Frauen stoppen will, muss Schutzeinrichtungen aber auch finanzieren. 24,3 Millionen Euro beträgt das Frauenbudget heuer. Um allen schutzsuchenden Frauen helfen zu können, bräuchte es 230 Millionen, also knapp zehnmal soviel.

Wer Opferschutz will, muss ihn auch bezahlen.

Frauenhelpline gegen Gewalt: 0800 222 555.

 

 
 
 
 
 
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#4 Das Einküchenhaus befreit Frauen von Hausarbeit

Vor genau hundert Jahren wird im 15. Bezirk in Wien der Heimhof gebaut, um Frauen von der Haushaltsarbeit zu befreien. Kochen, Waschen und Aufräumen übernehmen Angestellte. Dazu gibt es eine Zentralküche, einen Speiseraum und Wäschereien. Die Kosten sind im Mietpreis inkludiert.

Wer lieber im eigenen Zimmer isst, kann das tun: Ein Speiseaufzug verbindet die Küchen mit den Wohnungen. Außerdem gibt es eine Zentralheizung und einen Müllschacht. Eine Staubsauganlage sorgt für reine Luft und Staubsauger müssen nicht herumgeschleppt werden. Auch ein Kindergarten ist im Heimhof untergebracht.

Soviel Freiheit für die Frauen – das geht Konservativen und Faschisten zu weit. Die konservative Reichspost befürchtet, dass die gemeinsame Küche „die seelischen Kräfte der Familie zerstört“. Im Austrofaschismus werden Speisesaal und Zentralküche zugesperrt.

Im Nationalsozialismus werden dann nachträglich Küchen in die Wohnungen eingebaut. Aus der Traum: Die Frauen müssen zurück an den Herd. Und da bleiben sie, zum Teil bis heute: Zwei Drittel der unbezahlten Arbeit zuhause übernehmen Frauen.

#5 Frauen brachten das Kaiserreich ins Wanken

Der Erste Weltkrieg sorgt für Hunger. Irgendwann treibt er Frauen und Jugendliche auf die Straßen. Sie plündern Geschäfte. Doch das reicht nicht.

Viele Frauen müssen in der Rüstungsindustrie arbeiten, während die Männer an der Front sind. Die Frauen beginnen zu streiken.

Im Jänner 1918 eskaliert die Lage: Die Regierung halbiert den hungernden Menschen die Mehl-Rationen. Jetzt reicht es ihnen: Niemand will mehr für den Krieg hungern müssen.

Die Industrie steht still – 750.000 Leute treten in den Streik.

Sie fordern ein Ende des Kriegs und eine gerechte Verteilung der Lebensmittel. Mit dem Jänner-Streik gerät das Kaiserreich ins Wanken. Im November endet der Krieg endlich – zentral dafür war der Einsatz hunderttausender Frauen.

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