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Klimakrise
Arbeitswelt

Europa brennt. Unser Wirtschaftsminister warnt vor dem falschen Problem.

Europa brennt. Unser Wirtschaftsminister warnt vor dem  falschen Problem.
Klimawandel lässt sich nicht wegdiskutieren. Fotocredits: Vitaly Kobzun via Pixabay
Während ganz Europa unter den Folgen des Klimawandels leidet, warnt Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer (ÖVP) vor Jobverlusten durch "Klimaideologie". Das ist nicht nur bedenklich, sondern auch wirtschaftlich betrachtet einfach falsch.

In halb Europa brennen die Wälder. Über 300.000 Menschen wurden evakuiert und mussten ihr Zuhause verlassen. Flüsse und Seen trocknen aus, Ernten vertrocknen und Hitzewellen werden von Jahr zu Jahr extremer. Alleine 2026 hat die Hitze in Europa über 10.000 Todesopfer gefordert. Die Klimakrise ist längst keine abstrakte Zukunftsgefahr mehr, sondern Realität. Auch in Österreich.

Ausgerechnet in dieser Situation überrascht Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer mit einer bemerkenswerten Aussage. Arbeitsplätze dürften nicht auf dem „Altar der Klimaideologie geopfert werden“. Die Auto- und Maschinenbaubranche seien schließlich existenziell für den Wohlstand des Landes.

Die Botschaft dahinter ist eindeutig: Wirtschaft oder Klimaschutz. Arbeitsplätze oder Klimapolitik. Als wäre Klimaschutz eine ideologische Spielerei, die unserem Wohlstand im Weg steht.

Fakten lassen sich nicht wegdiskutieren

Hattmannsdorfers Wortwahl ist gelinde gesagt bemerkenswert. Denn den Klimawandel als „Ideologie“ zu bezeichnen, ist schlicht lächerlich. Ob sich die Erde erwärmt, Gletscher schmelzen oder Hitzewellen häufiger werden, ist keine Frage der politischen Überzeugung, sondern naturwissenschaftlich seit Jahrzehnten belegt. Mit Naturwissenschaft lässt sich nicht verhandeln.

Außerdem problematisch ist, dass Hattmannsdorfer mit seiner Aussage genau das Gegenteil von dem behauptet, was tatsächlich der Fall ist.

Denn die größte Bedrohung für Österreichs Arbeitsplätze ist nicht der Klimaschutz. Vielmehr  ist es der Klimawandel selbst, der Jobs und Wohlstand gefährdet.

Man muss dafür gar nicht lange nach Beispielen suchen. Der Tourismus beschäftigt in Österreich mehr als 300.000 Menschen und gehört gleichzeitig zu den Branchen, die besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. Tatsächlich arbeiten im Tourismus mehr Menschen als in der österreichischen Automobilindustrie. Ausgerechnet eine:r der größten Arbeitgeber:innen des Landes leidet also besonders stark unter jener Krise, die Hattmannsdorfer in seiner Argumentation praktisch ausblendet.

Das lässt sich an einem einfachen Beispiel zeigen: Kein See bedeutet keinen Eisverkauf am Strand, keinen Bootsverleih, weniger Gäste in Restaurants und Hotels am Ufer. Die Wertschöpfungskette bricht nicht an einer Stelle weg, sondern gleich an mehreren. Dasselbe Beispiel lässt sich natürlich auch auf den Winter umlegen anhand der in Österreich so geliebten Skiindustrie, deren Geschäftsmodell ohne ausreichend Schnee zunehmend unter Druck gerät.

Doch der Tourismus ist längst nicht die einzige betroffene Branche. Die Landwirtschaft kämpft mit Dürreperioden und Ernteausfällen. Das Baugewerbe leidet unter immer mehr Hitzetagen, die Arbeiten erschweren oder unmöglich machen. Extremwetter verursachen Milliardenschäden und belasten Unternehmen ebenso wie öffentliche Haushalte und Infrastruktur.

 

Klimaschutz ist eine Chance, keine Bedrohung

Wer Arbeitsplätze sichern will, muss deshalb die Ursachen dieser Entwicklung bekämpfen statt jene Maßnahmen, die genau das ermöglichen sollen.

Hinzu kommt: Klimaschutz vernichtet nicht nur keine Arbeitsplätze, er schafft auch neue. Investitionen in erneuerbare Energien, Gebäudesanierung, nachhaltige Mobilität oder klimafreundliche Technologien schaffen Beschäftigung und stärken langfristig die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes.

Wenn Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer also tatsächlich die Arbeitsplätze in Österreich schützen möchte, sollte er aufhören, Klimaschutz als „Ideologie“ zu diffamieren. Denn die größte Gefahr für unseren Wohlstand ist nicht der Klimaschutz. Es ist eine Klimakrise, mit der sich nicht verhandeln lässt.

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