TERFs haben mehr mit Faschismus als mit Feminismus gemeinsam

Trans Menschen sind eine kleine Minderheit. Sie kontrollieren keine Regierungen, keine Medienkonzerne und keine milliardenschweren Industrien. Trotzdem werden sie vor allem von Rechten immer wieder so dargestellt, als würden sie die gesamte gesellschaftliche Ordnung bedrohen. Ihre bloße Existenz wird zur „Ideologie“ erklärt. Ihre Sichtbarkeit zur „Indoktrination“. Ihr Zugang zu Toiletten, Umkleiden oder Sportvereinen zur Gefahr für Frauen. Vor diesen Erzählungen warnt auch ausdrücklich der Europarat.
Transfeindliche Politik ist nicht einfach eine angeblich harmlose Meinungsverschiedenheit darüber, „was eine Frau ist“. Es geht um die Frage, wer als Mensch anerkannt wird, wer über den eigenen Körper bestimmen darf, wer sich frei im öffentlichen Raum bewegen darf und wessen Existenz erst von der Mehrheitsgesellschaft genehmigt werden muss.
J.K. Rowling finanziert den Kampf gegen Transrechte
Eine der mächtigsten Personen dieser Bewegung ist die Autorin J.K. Rowling. Bekannt ist sie vor allem für die Bücherreihe Harry Potter. Und inzwischen auch für ihre Transfeindlichkeit. Rowling nutzt ihr Vermögen und ihre Reichweite, um gegen trans Menschen zu mobilisieren und juristische Auseinandersetzungen zu finanzieren, die ihre Rechte einschränken sollen.
Dafür gründete sie den „J.K. Rowling Women’s Fund“. Der Fonds bezeichnet sich selbst als „legal fighting fund“ für Frauen, die ihre sogenannten „sex-based rights“ verteidigen. Finanziert werden strategische Gerichtsverfahren, die trans Frauen aus geschützten Räumen, Einrichtungen oder Angeboten für Frauen ausschließen sollen. Rowling verkauft diese politische Arbeit als Feminismus und beschreibt sich selbst als „left-leaning liberal“ und „fiercely anti-authoritarian“ - als linksliberale und entschieden antiautoritäre Person.
Wie passt das zusammen? Gar nicht. Denn eine Position wird nicht links, nur weil eine Person sich selbst links nennt. Und eine Politik wird nicht feministisch, nur weil sie behauptet, Frauen zu schützen. Entscheidend ist, was diese Politik verursacht.
Transfeindliche Politik trifft in erster Linie trans Personen. Doch wenn der Staat beginnt, Weiblichkeit zu kontrollieren, trifft das nicht nur trans Frauen. Dann müssen plötzlich auch cis Frauen beweisen, dass sie „weiblich genug“ sind. Das trifft wiedereinmal vor allem PoC Frauen, deren Weiblichkeit nicht dem eurozentrischen Schönheitsidealen entspricht. Frauen, die zu groß, zu muskulös, zu wenig feminin oder schlicht nicht so aussehen, wie sich andere eine Frau vorstellen, geraten unter Verdacht. Eine Bewegung, die ständig kontrollieren will, wer eine „echte Frau“ ist, befreit Frauen nicht - sie erschafft eine Geschlechterpolizei.
Wenn selbst die Taliban zu Verbündeten erklärt werden
Wie weit diese politische Besessenheit geht, zeigt ein Tweet, den Rowling geliked hat. Darin werden die Taliban gelobt, weil sie „zumindest wissen, was eine Frau ist“. Der Satz stammt von der britischen Moderatorin Julia Hartley-Brewer. Wie viel Feminismus kann man in sich tragen, wenn der Hass auf trans Menschen groß genug ist, um selbst die Taliban als Verbündete im Kulturkampf zu benutzen? Wie viel Feminismus kann man verkörpern, wenn man eine Organisation verharmlost, die Frauen und Mädchen aus Schulen, Universitäten und weiten Teilen des Arbeitslebens verbannt? Unter den Taliban dürfen Mädchen keine weiterführenden Schulen besuchen. Ihr Zugang zu Parks, Fitnessstudios oder Sportvereinen ist eingeschränkt oder verboten. Ihre Kleidung, ihre Bewegungsfreiheit und ihr Verhalten - alles wird kontrolliert.
Die Taliban wissen nicht, „was eine Frau ist“. Sie wissen nur sehr genau, wie man Frauen unterdrückt. Und vielleicht liegt genau darin die politische Gemeinsamkeit: Frauen werden nicht als freie Menschen verstanden, sondern als Körper, die überwacht, kategorisiert und bestraft werden müssen, sobald sie die vorgeschriebene Geschlechterrolle verlassen.
Menschenfeindlichkeit im Feminismus-Mantel
J.K. Rowling ist eine rechte, menschenfeindliche Kapitalistin, die sich mit einem weißen und gewaltvollen „Feminismus“ schmückt, sobald dieser ihre Menschenfeindlichkeit salonfähig macht. Und das zeigt sich nicht nur in ihrer politischen Arbeit.
Am 11. Juli 2026 veröffentlichte Rowling auf X ein Foto der trans Autorin Freda Wallace. Das Bild wurde aus einem niedrigen Winkel aufgenommen. Wallace trägt einen kurzen Rock und Netzstrümpfe, sichtbar ist ein Teil ihres Oberschenkels. Rowling verwendete Wallaces früheren Namen, sprach über sie als Mann und präsentierte das Foto ihren Millionen Followern.
Als Rowling dafür kritisiert wurde, erklärte sie sinngemäß, Wallace habe dieses Outfit schließlich freiwillig bei einer öffentlichen Veranstaltung getragen. Das ist dieselbe sexistische Opfer-Täter-Umkehr, mit der Frauen seit Ewigkeiten gedemütigt werden: Sie wollte die Aufmerksamkeit, sie hat es provoziert, sie ist selbst schuld, schau dir nur an was sie anhatte. Eine Frau wird sexualisiert, bloßgestellt und vor Millionen Menschen verspottet. Und die Verantwortung dafür wird nicht der Person gegeben, die das Foto verbreitet, sondern der Frau, die einen kurzen Rock getragen hat.
Faschismus braucht Feindbilder
Faschismus braucht Menschen, deren bloße Existenz als Gefahr für Frauen, Kinder, Familien und die gesamte Gesellschaft inszeniert wird. TERFs, also trans-exkludierende radikale „Feminist:innen”, liefern dafür die feministisch klingende Verpackung. Die extreme Rechte kann sagen: Wir wollen trans Menschen aus Schulen, Krankenhäusern, öffentlichen Einrichtungen und dem gesellschaftlichen Leben verdrängen. Die Rechtfertigung lautet, dass man Frauen und Kinder schützen wolle. Dabei unterstützen TERFs die Rechtsextremen.
Wie weit das gehen kann, beobachten wir derzeit in den USA. Trans Menschen werden zum nationalen Feindbild erklärt. Ihre Existenz wird aus Schulen, Büchern und Regierungsunterlagen herausgelöscht. Wissenschaftliche Arbeiten, die zu trans Themen arbeiten, werden sanktioniert. Die medizinische Versorgung wird eingeschränkt und jede Form von Sichtbarkeit wird als Propaganda behandelt.
Transfeindlichkeit in Österreich
Auch in Österreich nehmen vermeintlich linke Menschen im Namen von Frauenrechten rechtsextremen Frauenfeinden die Arbeit ab.
Faika El-Nagashi war zehn Jahre lang für die Grünen tätig und von 2019 bis 2024 Nationalratsabgeordnete. Im Juni 2025 trat sie aus der Partei aus. Als Grund nannte sie unterschiedliche Positionen zu den Rechten von trans Menschen. Heute schreibt El-Nagashi Kolumnen für das rechte Boulevardmedium exxpress. Und dort erklärt sie trans Identitäten regelmäßig zur Gefahr für Frauen oder Kinder.
Das Muster ist immer dasselbe: Trans Menschen werden nicht als Menschen dargestellt, die Schutz vor Diskriminierung benötigen. Sie werden als Gefahr dargestellt, vor der andere geschützt werden müssen.
Doch wovor will man Frauen und Kinder und Familien und die gesamte Gesellschaft eigentlich schützen? Immer wieder wird vor Männern in Frauenräumen wie Toiletten oder Umkleidekabinen gewarnt. Und das tun Männer bereits. Sie müssen sich dafür nicht als trans Frauen ausgeben. Außerdem warnen Rechte vor der vermeintlichen Frühsexualisierung von Kindern. Doch Menschenrechte und Repräsentation sexualisieren niemanden und schon gar nicht Kinder. Sie zeigen einfach nur, dass Menschen vielfältig sind und das ok ist. Wer Kinder tatsächlich schützen will, muss für Rechte von trans Menschen einstehen und sie nicht einschränken.
Trans Jugendliche leiden nicht am Transsein, sie leiden am Hass
Erschreckend viele trans Jugendliche erleben Suizidgedanken und unternehmen Suizidversuche. Eine häufig zitierte wissenschaftliche Arbeit zeigt: 82 Prozent der untersuchten trans Personen haben im Laufe ihres Lebens über Suizid nachgedacht, 40 Prozent mindestens einen Suizidversuch unternommen. Das Risiko war unter jungen trans Menschen besonders hoch.
Eine weitere große Studie im Fachjournal Nature Human Behaviour untersuchte 48 transfeindliche Gesetze, die zwischen 2018 und 2022 in 19 US-Bundesstaaten beschlossen wurden. Dafür werteten die Forschenden Angaben von mehr als 61.000 trans und nichtbinären jungen Menschen aus. Das Ergebnis: Nachdem transfeindliche Gesetze in Kraft traten, stieg die Zahl der berichteten Suizidversuche unter trans und nichtbinären Jugendlichen und jungen Erwachsenen messbar an. Je nach untersuchter Gruppe und Zeitraum lag der Anstieg zwischen 7 und 72 Prozent. Besonders deutlich war der Effekt bei Minderjährigen zwischen 13 und 17 Jahren.
Das sind politische Entscheidungen mit messbaren Folgen für das Leben von Kindern und Jugendlichen. Wer trans Jugendlichen medizinische Versorgung nimmt, sie aus Schulen verdrängt, ihre Identität verbietet oder sie jeden Tag öffentlich als Gefahr beschimpft, schützt keine Kinder. Diese Politik gefährdet Kinder.
Trans-exkludierende radikale „Feminist:innen” haben politisch mehr mit Faschismus gemeinsam als mit echtem Feminismus. Ich sage nicht, dass jede transfeindliche Person automatisch Faschist:in ist. Ich sage: Die politische Logik ist dieselbe. Eine kleine Minderheit wird zur Gefahr erklärt. Es wird behauptet, diese Minderheit bedrohe Frauen, Kinder, Familien und die gesamte Gesellschaft. Aus Menschen werden Feindbilder. Aus Menschenrechten werden angebliche Sonderrechte. Und aus Entrechtung wird plötzlich Schutz.







