Zwei Eisberge treiben im Meer der Antarktis.
Foto: Long Ma/Unsplash
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/ 24. September 2020

Bei einer Erwärmung um mehr als zwei Grad über das vorindustrielle Niveau stiege so der Meeresspiegel bereits um 2,5 Meter und bedroht weltweit Küstenregionen und Städte. Für die ForscherInnen gibt es nur eines, was dagegen ankommen könnte: Die Erderwärmung zu stoppen.
 

Die Ausmaße des Eispanzers der Antarktis sind schier gigantisch: Er türmt sich bis zu fünf Kilometer hoch über das Festland. Die Hälfte des gesamten Süßwassers der Erde sind hier gespeichert. Seit 34 Millionen Jahren ist der antarktische Kontinent eine Eiswüste.

Gigantisch ist auch die Eismasse, die schon heute aufgrund der Erderwärmung von den riesigen Gletschern und Schelfeisflächen ins Meer abfließt oder abbricht und dort schmilzt: 125 Milliarden Tonnen Eis gehen Jahr für Jahr verloren – und heben den weltweiten Meeresspeigel immer weiter an. Bisher noch kaum merklich, um rund einen halben Millimeter pro Jahr. Würde alles Eis der Antarktis schmelzen, läge der weltweite Meeresspiegel um 58 Meter höher als heute. Das ist aber, noch, unrealistisch.

Anstieg des Meeresspiegels um zweieinhalb Meter

Doch ForscherInnen warnen: Schon wenn sich die Erde um 2 Grad Celsius erwärmt, würde das „letztlich zu einem Anstieg des globalen Meeresspiegels um 2,5 Meter führen“, sagt Ricarda Winkelmann, Forscherin am deutschen Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Ein Team des PIK, der Columbia University und der Universität Potsdam veröffentlichte jetzt in Nature eine aufwendige Studie. Darin berechneten sie, wie sich der Eispanzer bei fortschreitender Erwärmung verhält. Rund eine Million Stunden Computerrechenzeit stecken in den Simulationen.

Was wir jetzt in der Antarktis verlieren, ist für immer verloren.
Anders Levermann, Studienautor

Ihre wohl wichtigste Erkenntnis: Ab einem bestimmten Punkt ist das Schmelzen des Eises nicht mehr umkehrbar. "Mit anderen Worten: Was wir jetzt in der Antarktis verlieren, ist für immer verloren", sagt Co-Autor Anders Levermann. Die Ursachen dafür liegen in selbstverstärkenden Mechanismen.

Zum Beispiel nagt das immer wärmere Wasser der Ozeane von unten an den Schelfeismassen. Diese werden zunehmend instabil. "Dadurch rutschen Gletscher von der Größe Floridas in den Ozean", so Torsten Albrecht, ein weiterer beteiligter Forscher. Daneben wird der Eispanzer über dem Festland immer kleiner. Von mehr als vier Kilometer Höhe rutscht es also praktisch talwärts.

Je tiefer das Eis abschmilzt, umso schneller schmilzt es

So wie es auch für uns immer wärmer wird, wenn wir einen Berggipfel wieder hinabsteigen, "führt die wärmere Umgebungsluft zu verstärktem Schmelzen des Eises", so Albrecht. In ihren Szenarien berechneten die ForscherInnen, dass bei einer globalen Erwärmung auf 4 Grad der Meeresspiegel bereits um 6,5 Meter steigen würde und bei 6 Grad um fast 12 Meter.

Den ForscherInnen ging es ausdrücklich nicht darum, zu zeigen in welchem Zeitraum das passieren wird. Sondern was geschieht, wenn kritische Temperaturschwellen überschritten werden, über denen das Schmelzen nicht mehr zu bremsen ist. Ursächlich dafür ist die Menge an Treibhausgasen, die wir bereits in die Luft geblasen haben und noch verursachen werden.

Die Menge von CO2, die diesen Eisverlust auslöst, könnten wir schon in naher Zukunft erreichen.
Ricarda Winkelmann, Studienautorin

Und da könnte der sogenannte tipping point, ab dem es kein Zurück mehr gibt, schon bald drohen, warnt Autorin Winkelmann. "Auch wenn der Eisverlust langfristig passiert, die entsprechende Menge von CO2 in unserer Atmosphäre, die diesen Eisverlust auslöst, könnten wir schon in naher Zukunft erreichen."

Die Studie ist damit ein weiteres Ausrufezeichen hinter dem Pariser Klima-Abkommen, so Winkelmann. "Wir müssen die globale Erwärmung unter zwei Grad halten!"

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