Warten vor dem AMS. Zu sehen sind die Beine von vier Personen, die sich vor einer AMS Stelle anstellen.

Auch vor dem AMS in Wien-Favoriten gilt in Coronazeiten: Sicherheitsabstand einhalten! // Foto: Andreas Bachmann

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/ 29. April 2021

Am 30. April ist Tag der Arbeitslosen. Wegen der Corona-Krise bekommt diese Gruppe aktuell besonders viel Aufmerksamkeit. Die Leistungen bleiben aber trotzdem niedrig. Und: Arbeitslosigkeit dürfte in der Mitte der Gesellschaft angekommen sein, wie eine Auswertung des Momentum Instituts zeigt. Ökonom Mattias Muckenhuber analysiert erklärt die wichtigsten Ergebnisse in vier Punkten.

#1 Auch BesserverdienerInnen wurden arbeitslos

Diese Grafik zeigt, wie die Einkommen verteilt sind, die zur Berechnung des Arbeitslosengeldes herangezogen wurden.
 
Die Hälfte der Arbeitslosen im Jahr 2020 verdiente weniger als 1.975 Euro pro Monat brutto vor ihrer Arbeitslosigkeit. Zum Vergleich: Die Hälfte aller unselbständig Erwerbstätigen verdiente 2019 weniger als 2.165 Euro pro Monat.
 
Die beiden Zahlen sind relativ nah beieinander. Daraus können wir schließen, dass in der Corona-Krise auch viele Besserverdienende arbeitslos geworden sind. Damit ist Arbeitslosigkeit nicht mehr so stark ein Phänomen, das Menschen mit geringem Einkommen betrifft, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

#2 Die meisten Arbeitslosen bekommen wenig

Insgesamt sind die Arbeitslosenleistungen dennoch sehr niedrig. Die Hälfte aller Arbeitslosen bekommt nur bis zu 978 Euro pro Monat.
 
Wie wenig das ist, zeigt sich im Vergleich mit dem mittleren Netto-Einkommen der unselbstständigen Beschäftigten im Jahr 2019. Dieses lag bei 1.880 Euro. Die Sonderzahlungen (Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld) sind hier schon berücksichtigt.
 
Für viele Arbeitslose bedeutet der Verlust des Arbeitsplatzes also beinahe eine Halbierung ihres Gehalts. Ein Fünftel muss sogar mit weniger als 695 Euro auskommen.

Arbeitslosenleistungen nach Zehntel

#3 Lücke bei der Notstandshilfe

Die Notstandshilfe wurde in der Corona-Krise auf das Niveau des Arbeitslosengelds angehoben. In der Grafik ist dennoch deutlich zu sehen, dass jene, die Notstandshilfe beziehen, trotz Erhöhung rund 100 Euro pro Monat weniger bekommen. Das deutet darauf hin, dass Besserverdienende tendenziell kürzer arbeitslos sind und nicht erst Notstandshilfe beziehen müssen.

#4 Gender Gap: Männer bekommen mehr Arbeitslosengeld

Frauen erhalten im Mittel über 100 Euro netto pro Monat weniger Arbeitslosengeld als Männer. Auch nach Branchen aufgeschlüsselt zeigt sich, dass in fast allen Sparten Männer mehr Arbeitslosenleistungen beziehen. Die einzige Ausnahme: Die Branche Erziehung, Unterricht.
 
Die Ursache dafür liegt an der Einkommenslücke, dem Gender Pay Gap. Frauen bekommen im Durchschnitt deutlich weniger Gehalt und das Arbeitslosengeld bezieht sich auf den Lohn.

Die Zahlen zeigen außerdem, dass der Gender Gap bei den Arbeitslosenleistungen im Alter zunimmt. Denn Männer erhalten im Alter mehr Geld, Frauen weniger. Das liegt daran, dass Frauen im Alter vermehrt Teilzeit arbeiten, weniger verdienen.

Fazit

Im internationalen Vergleich ist das österreichische Arbeitslosengeld niedrig, die Betroffenen müssen mit einem Bruchteil des Einkommens den Alltag bestreiten. Frauen und NiedrigverdienerInnen sind davon besonders stark betroffen.

Aus diesem Grund ist eine Erhöhung der Arbeitslosenleistung und der Notstandshilfe für die BezieherInnen wichtig. Aber auch für die Wirtschaft als Ganzes ist eine Erhöhung sinnvoll. Der hohe Einkommensverlust vieler arbeitsloser Menschen führt zu einer geringeren Nachfrage. Dadurch erholt sich die Wirtschaft in der Krise langsamer.


Wie viele Arbeitslose gibt es? Ende April 2021 sind 433.596 Menschen in Österreich arbeitslos gemeldet. Seit Beginn der Pandemie ist die Arbeitslosigkeit besonders hoch.


 

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