Eine Frau sieht direkt in die Kamera, an ihrer Seite steht ein Mann, dessen Profil zu sehen ist. Thema des Artikels ist der Equal Pay Day.

Der Equal Pay Day kann nur ein Anfang sein. In Wahrheit geht es noch um viel mehr. Foto: JD Mason für Unsplash

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/ 21. Oktober 2020

Am 22. Oktober ist Equal Pay Day. Das bedeutet: Ab jetzt arbeiten Frauen im Vergleich zu Männern "gratis". Beim Pay Gap geht es allerdings um viel mehr als nur um das Einkommen. Wie sich die Lohnschere auf Arbeitslosengeld, Pension und Vermögen auswirkt, hat das Momentum Institut berechnet.

#1 Das Einkommen

Am Equal Pay Day wird vor allem über die Lücke beim Erwerbseinkommen gesprochen. Und die ist groß: Das Brutto-Jahreseinkommen von Frauen ist um 37 Prozent geringer als der Männer. Das Einkommen aus der Erwerbstätigkeit ist für beinahe alle Menschen in Österreich die wichtigste Einkommensquelle.

Gender Gap: Arbeot

Oft wird bei der Lohnschere der Teil weggerechnet, der durch Unterschiede in Arbeitszeit, Position und Branche erklärbar ist. Dass ein Teil der Unterschiede erklärbar ist, ändert aber nichts daran, dass Frauen viel weniger Lohn bekommen als Männer.

Der Equal Pay Day wird mit einer teilweise bereinigten Lohnschere berechnet. Teilzeitarbeit und Unterbrechungen der Beschäftigung werden weggerechnet, sodass Frauen 71 Tage lang "gratis arbeiten". Berechnen wir die Zahl allerdings mit dem unbereinigten - also dem tatsächlichen - Brutto-Jahreseinkommen sind es sogar 135 Tage. Frauen würden dann schon seit dem 18. August statistisch gesehen unbezahlt arbeiten.

#2 Weniger Arbeitslosengeld

Die Corona-Krise beschert uns Rekordzahlen bei der Arbeitslosigkeit. Bei der Berechnung des Arbeitslosengeldes und der Notstandshilfe fällt das Einkommen der letzten Jahre ins Gewicht. Das führt dazu, dass Frauen rund 8 Prozent weniger Arbeitslosengeld bekommen als Männer. Der Unterschied ist kleiner als beim Erwerbseinkommen, weil sowohl viele Männer als auch Frauen die Mindestsumme bekommen.

Gender Gap: Arbeitslosigkeit

#3 Arm und abhängig in der Pension

Neben dem Equal Pay Day gibt es auch einen Equal Pension Day. In Österreich wurde er in diesem Jahr am 30. Juli gefeiert. Ab diesem Tag haben Frauen ihre Pension "aufgebraucht".

Die Pensionslücke ist sogar noch größer als die Lohnschere. Aktuell beträgt der Unterschied brutto mehr als 39 Prozent. Die krassen Einkommensunterschiede während des Erwerbslebens führen zu niedrigeren Pensionsbeiträgen, Versäumnisse beim Ausbau von öffentlicher Kinderbetreuung zu kürzeren Beitragszeiten. Das Ergebnis? Pensionistinnen sind oft armutsgefährdet und stark abhängig von Partnern.

Gender Gap: Pension

#4 Weit hinten beim Vermögen

Weil Frauen weniger verdienen, ist es für sie schwieriger, Vermögen aufzubauen. Mit rund 29 Prozent ist die Lücke zwischen den Geschlechtern beim Vermögen hoch.

Gender Gap: Vermögen

Auch bei den Erbschaften schneiden Frauen schlechter ab. In Single-Haushalten erben Frauen um 36 Prozent weniger als Männer. Wieso das so ist, ist noch unklar und muss noch erforscht werden. Die Datenlage zu Erbschaften ist schlecht.

Gender Gap: Erbe

Equal Pay Day: Fazit

Der Equal Pay Day kann nur ein Anfang sein, um sichtbar zu machen, wie ungerecht Einkommen in Österreich zwischen den Geschlechtern verteilt ist. Die niedrigeren Einkünfte aus der Lohnarbeit haben einen großen Effekt auf andere Bereiche wie Pension und Arbeitslosengeld.

Hier findest du den ausführlichen Policy Brief des Momentum Institut.

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