Die verspiegelte Fassade von Douglas auf der Mariahilfer Straße

/ Lisa Wölfl
/ 8. Oktober

“Gibt es eine Einigungsmöglichkeit?”, fragt die Richterin in die Runde. Doch so richtig scheint sie selbst nicht daran zu glauben. Denn die Fronten sind verhärtet.

Der Parfümerie-Konzern Douglas hat im August drei Mitarbeiterinnen gekündigt, die jetzt klagen. Das Unternehmen begründet die Kündigungen damit, dass die Frauen Unruhe gestiftet und schlechte Stimmung ins Team gebracht hätten.

Die Hintergrundgeschichte findest du hier.

Die ehemaligen Mitarbeiterinnen Sabrina E., Marijana T. und Emilija S. sagen hingegen, sie wollten einen Betriebsrat gründen und wurden deswegen gekündigt.

Nun treffen sich die Parteien im Wiener Arbeits- und Sozialgericht wieder.

400 Euro statt Job zurück

So unterschiedlich wie die zwei Geschichten sind auch die Ziele. Die Ex-Mitarbeiterinnen wollen wieder eingestellt werden und einen Betriebsrat gründen. Der Konzern will sie auf keinen Fall zurück in die Filiale auf der Wiener Mariahilfer Straße holen. Ein Angebot stellt der Anwalt des Parfümerie-Riesen. Douglas ist bereit, den Klägerinnen ein Monatsgehalt zu überweisen, um sich die Zeit und Kosten eines Prozesses zu ersparen. Bei Sabrina, die nur Samstags gearbeitet hat, wären das 400 Euro.

Emilija hat ihren Job verloren - und versteht nicht wieso. Foto: Lisa Wölfl/MOMENT CC BY-SA 4.0

Was sie falsch gemacht haben soll, kann sich Emilija beim besten Willen nicht vorstellen. Die 43-Jährige ist seit 27 Jahren in der Parfümeriebranche und seit Mai bei Douglas als zweite Stellvertreterin der Filialleitung angestellt gewesen. “Ich habe nicht damit gerechnet”, sagt sie über ihre Kündigung.

Ihre Kolleginnen erzählen, dass Emilija ein großartige Verkäuferin war, sie habe unglaublich viel Umsatz gemacht. “Douglas hat mich abgeworben. Ich habe mich gefreut, weil sie mir die Stelle als stellvertretende Filialleiterin angeboten haben. Ich habe neue Mitarbeiter eingeschult und immer versucht, das Team zu motivieren. Das war mein Ding, meine Leidenschaft. Deswegen verstehe ich den Vorwurf nicht, ich sei eine Unruhestifterin gewesen", sagt Emilija zu MOMENT.

Marijana musste nach über zwei Jahren gehen. Foto: Lisa Wölfl/MOMENT CC BY-SA 4.0

Marijana ist von den drei Klägerinnen am längsten bei Douglas gewesen, zweieinhalb Jahre. “Sie haben mir gesagt, dass ich zu emotional bin und sich Kunden über mich beschwert haben. Davon weiß ich aber nichts”, sagt Marijana. “Ich habe einfach meinen Job gemacht.”

Beide Seiten sind siegessicher

Der Vergleich vor Gericht scheitert nach rund einer halben Stunde. Überrascht ist davon niemand. Gewerkschaftsanwältin Verena Weilharter sagt: “Die Verhandlung ist so gelaufen wie erwartet. Wir haben eine einzige Forderung, nämlich die Wiedereinstellung der gekündigten Mitarbeiterinnen, damit sie einen Betriebsrat gründen können. Darauf bestehen wir.” Weilharter rechnet damit, dass das Gericht zu ihren Gunsten entscheiden wird.

Die Geschäftsführerin von Douglas und ihr Anwalt wollten vor Ort keine Fragen beantworten, ließen aber schriftlich ausrichten: “Wir sind zuversichtlich, dass das Gericht unserer Argumentation folgen wird und anerkennt, dass eine Wiedereinstellung aufgrund der schwerwiegenden Verfehlungen in der Vergangenheit nicht im Sinne der anderen Douglas-Kolleginnen und Kollegen sein kann.”

Ende November sehen sie sich vor Gericht wieder. Dann hat die Richterin das letzte Wort. Wir bleiben dran.

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