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FRAUEN*STREIK in Wien: Ein Panzer voller Süßigkeiten als Mahnung vor einer Welt ohne Frauen

Am Montag hat der erste Frauenstreik des Jahres stattgefunden. Rund 200 Menschen nahmen am Platz der Menschenrechte in Wien an einer von mehreren Streikaktionen teil. Ein Lokalaugenschein.

Unter einem kleinen Zeltdach wurden Flyer ausgeteilt, vor dem Zelt ein kleiner Panzer aus Karton aufgestellt. Nach einem Wochenende voller Demonstrationen - beispielsweise die "Männerdemo gegen Gewalt an Frauen" oder dem "Internationalen Feministischen Kampftag am 8. März" - wurde am Montag in Wien am Platz der Menschenrechte gestreikt. Bei schönstem Wetter versammelten sich um 11.30 Uhr zahlreiche Frauen und vereinzelte Männer am Platz der Menschenrechte, um ein Zeichen zu setzen.

Schülerinnen und Lehrerinnen streiken

Kurz vor Beginn der Redebeiträge erzählen zwei Lehrerinne, warum sie hier sind. Sie wünschen sich eine gleichberechtigte Zukunft für ihrere Schülerinnen und für ihre Kolleginnen. Für den Streik wurden ihre Unterrichtsstunden von männlichen Kollegen übernommen, "um ein bisschen Solidarität zu zeigen".

“Ich glaube, dass der Tag heute besonders wichtig ist, um zu zeigen, was Frauen in unserer Gesellschaft leisten. Es ist auch wichtig zu zeigen, was passiert, wenn Frauen nicht mehr leisten und nicht mehr da sind. Es soll die Müdigkeit mit den derzeitigen Strukturen symbolisieren.”


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Auch Schülerinnen waren anwesend. Ihnen gehe es um die Probleme in ihrer eigenen Schule: “Bei uns ist es leider so, dass die Jungs mit Mädchen nicht reden wollen. Einfach nur, weil sie Mädchen sind. Und das finde ich überhaupt nicht gleichberechtigt.” Sie erhofften sich von der Demo, dass sich bei den Jungs etwas ändert.

Streik statt Demonstration

Der Frauen*streik, organisiert von Bewegung ENOUGH!, ist Teil eines globalen Generalstreiks von und für Frauen. In Wien wurde der Streik am Montag unter anderem von FRAUEN*Streik, frauen.streikt.wien und ZORA organisiert. Der Streik ist eine Erweiterung der Aktionen vom 8. März, die alle Frauen dazu aufruft, die Arbeit niederzulegen und ein unüberhörbares „Enough!" in die Welt zu tragen. Die Idee für den Frauenstreik kommt ursprünglich aus Island. Vor 51 Jahren, am 24. Oktober 1975 legten 90 Prozent der isländischen Frauen die Arbeit nieder und das Land lahm. Der Streik gilt bis heute als Auslöser für Islands hohen Grad an Gleichberechtigung.

 

Auch für Paulin Benario, Pressesprecherin des Frauenstreikkomitees Wien, geht es beim Streik um mehr als eine Demonstration: „Der Frauenstreik ist ein eigener politischer Ausdruck. Wir legen die Arbeit nieder - auch an der Uni und zu Hause. Wir wollen zeigen, dass unsere Arbeit die Gesellschaft und die Wirtschaft aufbaut und am Laufen hält. Wir wollen zeigen, dass die Welt auch stillstehen kann, wenn wir unsere Arbeit niederlegen."

In den Redebeiträgen forderten die Streikenden auch ein Ende der Femizide und der strukturellen Gewalt an Frauen. Kritisiert wurde auch der zunehmende Sozialabbau: Weniger Plätze in Frauenhäusern, der Verlust von Treffpunkten sowie Kunst- und Kulturangeboten würde für viele Frauen* weniger Schutz und mehr soziale Isolation bedeuten. 

Vor diesem Hintergrund forderte sie die Umverteilung der geplanten Heeresausgaben in der Höhe von 17 Milliarden Euro zugunsten sozialer Infrastruktur. Zum Abschluss ging es dem zu Beginn aufgestellte Panzer aus Karton an den Kragen. Die Streikenden wurden eingeladen, den Panzer zu zerstören. Eine symbolische Aktion, um Forderungen des Frauen*STREIKs Nachdruck zu verleihen. Nach der Reihe wurde der Panzer - der überraschend mit Süßigkeiten gefüllt war - von den Frauen zertrampelt.

Der Streik wurde später am Tag fortgesetzt - eine aktionistische “Niederlegung” vor dem Parlament und eine Demonstration zur Care-Arbeit machten auf die breiten Anliegen von Frauen* aufmerksam.


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