Morgenmoment
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/ 5. März 2021

Guten Morgen!

Heute geht es um Vornamen im Bürgermeisteramt und Nachnamen in der Tageszeitung. Und um die Kernspaltung. Dein Morgenmoment, heute fusioniert von Katharina Egg.

#1 Möchtest du das teilen?

Die Wintersport-Lobby ist stark in Österreich. Aber nicht nur sie weiß für ihre Interessen zu kämpfen: Im oberösterreichischen Vorderstoder haben BürgerInnen im Nachbarort gesehen, was die Parkplätze, Skigondeln und -pisten anrichten. Sie wollen lieber ihre Wälder und Wiesen behalten. Aber wer würde eigentlich von den neuen Pisten profitieren?

#2 Hast du das gesehen?

Die EU hat im Mai das größte Wiederaufbau-Paket der Wirtschaft in ihrer Geschichte beschlossen. 390 Milliarden Euro will sie insgesamt in die Blutbahnen der Mitgliedsländer pumpen. Dabei geht es um Investitionen in die Zukunft und Arbeitsplätze. Kein Land muss das Geld zurückzahlen. Und jetzt das Problem: Österreich hat bis jetzt geschlafen. Aber es ist noch nicht zu spät. Jetzt können sich die MinisterInnen noch einen Wecker stellen und einen Plan für Österreich bei der Kommission einreichen. Barbara Blaha erklärt's im neuen "Moment mal!".

#3 HerStory

Lise Meitner (1879-1968); Physikerin, entwickelte die theoretische Erklärung der Kernspaltung

Wir feiern den März als "Women's History Month" und damit jeden Tag die historischen Leistungen großer Österreicherinnen. Heute ist die herausragende Kernphysikerin Lise Meitner dran. Sie war Mit-Entdeckerin der Kernspaltung. Doch der Weg dahin war alles andere als einfach.

In Meitners Jugend gab es in Wien noch keine Gymnasien für Mädchen. Nach einer externen Matura studierte sie an der Universität Wien und schloss 1906 als zweite Frau mit Physik als Hauptfach das Studium ab. Später ging sie nach Berlin und traf auf Otto Hahn, mit dem sie auf dem Feld der Radioaktivität zusammenarbeitete. Das Problem dabei: Frauen war in Berlin der Zutritt zum Physik-Institut  als Mitarbeiterinnen verboten. Meitner musste einen separaten Eingang nehmen und durfte nur im Keller arbeiten. Die ersten Jahre arbeitete sie ohne Gehalt.

Später wurde sie Hahns Assistentin - und damit die erste Universitätsassistentin im heutigen Deutschland. Ab 1923 lehrte sie als Professorin. Zehn Jahre später wurde Meitner vom NS-Regime der Titel und ihre Lehrbefugnis aufgrund ihrer jüdischen Abstammung entzogen. 1938 floh sie nach Schweden. Dort gelang ihr gemeinsam mit einem Kollegen die erste physikalisch-theoretische Erklärung der Kernspaltung. Otto Hahn und Fritz Straßmann konnten ihre theoretische Erklärung später nachweisen.

Lise Meitner erhielt Angebote von den USA, sich an der Entwicklung der Atombombe zu beteiligen, was sie ablehnte. Sie war überzeugte Pazifistin. Und sie erhielt zahlreiche Preise. Aber den Nobelpreis für die Entdeckung der Kernspaltung nicht - den bekam Otto Hahn alleine. Meitner und Fritz Straßmann wurden nicht berücksichtigt. Achtzigjährig wurde sie Ehrenbürgerin der Stadt Wien. Sie starb 1968 in Cambridge.

#4 Zahl des Tages

9 von 10 der BürgermeisterInnen in Österreich sind männlich.

Das Bürgermeisteramt ist in Österreich immer noch männlich besetzt. In den 2.095 Gemeinden und 23 Wiener Bezirken haben nur 9 Prozent Frauen an der politischen Spitze. Insgesamt gibt es 197 Bürgermeisterinnen in Österreich, verhältnismäßig am wenigsten in Tirol und Vorarlberg. Bei den ersten Stellvertretungen sind 19 Prozent weiblich. Der Fall, dass beide Frauen sind, kommt so gut wie nie vor – konkret in vier Gemeinden und einem Wiener Bezirk. Das geht aus dem SORA-Gleichstellungsindex hervor. Fazit:  Ob Gemeinde, Bezirk oder Stadt. In der Kommunalpolitik in Österreich dominieren Männer.

Aber immerhin gilt in Österreich nicht mehr, was vor ein paar Jahren noch gestimmt hat: Es gibt mittlerweile schon mehr Bürgermeisterinnen als Bürgermeister, die Josef heißen.

#5 Gegengelesen

Gegengelesen: Ratespiel in Österreich: Mit wechem der drei Schellhorns wurde ein Interview geführt?

Gleiche Nachnamen bei verschiedenen Personen können in Österreich bekanntlich zu Verwirrungen führen. Ein neuer Rekord:  Die Tageszeitung "Österreich" hat gestern gleich drei Personen mit dem Nachnamen Schellhorn in einem Text zu einem zusammengemixt. Das Interview hat anscheinend Sepp Schellhorn gegeben. Er ist Neos-Mandatar. Im Namensfeld ist jedoch die Rede von seinem Bruder: Franz Schellhorn, Leiter der neo-liberalen Denkfabrik Agenda Austria. Und am Titelbild ist Heinrich Schellhorn abgebildet, er ist Grünen-Politiker und der stellvertretende Landeshauptmann von Salzburg. Hier sind eindeutig zu viele Schellhorns in einem Text.

#6 Bonus Track

Jetzt noch eine nette Nachricht zum Schluss: Die Branchenmagazine 'Der Österreichische Journalist' und 'Schweizer Journalist' ändern ihre Titel. Ab jetzt sind Journalistinnen nicht mehr nur mitgemeint. Sie kommen auch im Titel vor. Die Magazine heißen jetzt 'Journalist:in'. Bereits im Sommer war der Name des Magazins ein Thema. Damals versprach der Herausgeber des österreichischen Magazins, nur gegen 100 Abos den Titel zu ändern. Ob dieser Preis wohl bezahlt wurde oder die Herausgeber die Zeichen der Zeit von selbst erkannt haben?

Ich wünsche einen schönen Tag!

Katharina

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