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Später in Pension gehen? Was der Pensionsraub bedeutet, den die Industriellenvereinigung fordert

Immer wenn es etwas zu kommentieren gibt, kommt die Industriellenvereinigung mit derselben alten Leier daher: Sie will das Pensionsalter erhöhen. Das geht an der Realität der arbeitenden Menschen meilenweit vorbei. Natascha Strobl kommentiert.

Die Industriellenvereinigung wurde zum Beschluss des Doppelbudgets der Regierung in die “Pressestunde” im ORF geladen. Dort kann sie in Form ihres Präsidenten Georg Knill gar nicht anders, als die immer gleiche Leier zu fahren. Egal was das Problem ist, die Industriellenvereinigung will das Pensionsalter erhöhen.

Dabei werden oft fantastische Zahlen vorgelegt und so getan, als würde das erhöhte Pensionsalter das Budget sanieren. Die Realität ist eine andere. Denn es ist irreführend so zu tun, als würden dann einfach alle drei jahre länger arbeiten und ins System einzahlen. 


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Schon jetzt gehen über 100.000 Menschen pro Jahr in Frühpension - rund ein Zehntel davon in die Invaliditätspension. Diese Zahl würde sich mit jedem weiteren Arbeitsjahr steigen. Das heißt, viele Menschen würden sowieso nicht bis 68 arbeiten. Sie würden schlicht Pensionsansprüche verlieren, weil sie nun nicht mehr das vereinbarte Regelpensionsalter erreichen. 

Höheres Pensionsalter: Ein Schlag gegen die Einkommen von Frauen

Die Folge: mehr Altersarmut. Die muss dann erst Recht von der Allgemeinheit aufgefangen werden. Besonders Frauen wären betroffen, die noch immer weniger als Männer verdienen und für den größten Teil der Sorgearbeit verantwortlich sind. Sorgearbeit kommt im Denken von Männern wie Knill gar nicht vor. 

Ein höheres Frauenpensionsalter würde nämlich in der harschen Realität bedeuten, dass informelle Kinderbetreuung wegfällt. Großmütter sind eine Kinderbetreuungs-Ressource, auf die sich der Staat noch immer stillschweigend verlässt. Bricht diese weg, werden wiederum weniger Frauen im Arbeitsalter Vollzeit erwerbstätig sein können.

Die Pension ist ein Recht, für das wir zahlen

Vergessen wir nicht, dass die Pension eine Versicherungsleistung ist. Knill und Konsorten tun so, als wären Pensionist:innen Bittsteller, die uns allen die Haare vom kopf fressen. Dabei haben diese Menschen ihr ganzes Leben eine Versicherung bezahlt, die sie nun in Anspruch nehmen. Wie beim Arbeitslosengeld, das ebenfalls eine Versicherungsleistung ist, haben die Industriellen kein Problem, sehr drastisch in vertraglich erworbene Rechte einzugreifen, wenn es arbeitende Menschen betrifft. 

Was auch dazu kommt: Die Lebenserwartung ist lange gestiegen, aber in den vergangenen zehn Jahren hat das aufgehört. Das Pensionsantrittsalter um drei Jahre zu erhöhen, würde für Leute, die Zugewinne der verganenen 30 Jahre ausradieren. Das betrifft die gesamte Bevölkerung. 

Später in Pension? Arme Menschen sterben früher

Aber die Lebenszeit ist auch so ungleich verteilt, dass eine allgemeine Erhöhung eine massive Ungerechtigkeit für jene bedeutet, die weniger (gesunde) Lebenszeit zur Verfügung haben. Die Statistik zeigt: Das sind Menschen mit niedrigen Einkommen. Sie werden früher krank, sterben auch früher. Schlechtere Wohnverhältnisse und schwerere Arbeit unter schwierigeren Bedingungen haben auch da einen Preis. 

Männern mit Pflichtschulabschluss (77,7) sterben sieben Jahre früher als Männer mit Uni-Abschluss (84,4). Dann auch noch drei Jahr später in Pension zu dürfen heißt dann praktisch, so gut wie keinen gesunden Ruhestand mehr zu haben. (Im Schnitt haben Österreicher:innen etwa 61 Jahre in “guter Gesundheit”). Das wäre ein brutaler Eingriff der Fraktion “Schlanker Staat” in das persönliche Leben von Menschen. 

Es geht auch ohne Pensionsraub

Zu denen ist diese natürlich immer bereit. Dass es gerechtere, einfachere und bessere Methoden der Sanierung des Staatshaushalts gibt, will die Industriellenvereinigung lieber nicht diskutieren. Statt Vermögens- und Erbschaftssteuern pragmatisch auf europäisches Niveau zu heben, nimmt sie lieber dem kurz vor der Pension stehenden Monteur seine wenigen gesunden Jahre mit den Enkelkindern.


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