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/ 19. Februar

Die Klimakrise ist von Menschen gemacht. Da liegt es doch fast auf der Hand, sich dagegen zu entscheiden, noch mehr davon in die Welt zu setzen. Keine Kinder zu kriegen, erscheint einigen mittlerweile als probates Mittel, um das Klima zu schützen. Doch die Zahlen, auf die sie sich berufen, basieren auf einem Denkfehler.

 

Auch wenn individuelle Entscheidungen nicht die Lösung für die Klimakrise sind, hat unsere Lebensweise natürlich dennoch Auswirkung auf das Klima. Das kann kleine Handlungen betreffen, etwa welche Arten von Lebensmitteln man täglich konsumiert. Es kann aber auch für ganze Lebensentwürfe gelten: Kann ich noch Kinder kriegen, wenn ich das Klima schützen will?

Manche Menschen verneinen diese Frage mittlerweile. So hat sich in den letzten Jahren die Geburtenstreik-Bewegung (engl. “Birth Strike”) gebildet. Deren Mitglieder weigern sich bewusst, Kinder in die Welt zu setzen, weil sie ihren Nachkommen eine Zukunft mit der Klimakatastrophe nicht zumuten wollen. Vor allem aber weil sie den Einfluss dieser Entscheidung auf das Klima nicht verantworten wollen. Das ist keine Randerscheinung: Eine Umfrage der New York Times zeigt: Immerhin ein Drittel der Menschen in den USA, die weniger Kinder als gewollt haben, geben als Grund dafür die Klimakrise an.

Kinder und Klima

Aber welche Auswirkung auf das Klima hat die Entscheidung für oder gegen Kinder konkret? Wie in diesem Artikel erklärt, ist das globale Bevölkerungswachstum grundsätzlich kein besonders treibender Faktor der Klimakrise. Kurz gesagt vor allem deswegen, weil Geburtenraten dort höher sind, wo weniger konsumiert und daher weniger CO2 produziert wird.


In den westlichen Industrienationen sieht das jedoch anders aus, denn hier leisten Individuen durch ihre höheren CO2-Emissionen einen wesentlich größeren Beitrag zur Klimakrise. Die folgende Karte gibt einen Überblick über den CO2-Ausstoß pro Kopf. Österreich liegt dabei relativ weit über dem globalen Durchschnitt (und warum die tatsächlichen Werte noch schlimmer sind, kannst du hier nachlesen).Industrienationen bewegen sich zwischen 5 und 20 Tonnen CO2 pro Person.

Zu der Frage, wie viel CO2 man durch den eigenen Lebensstil einsparen kann, gibt es viele Berechnungen (Was man als Einzelperson tatsächlich für das Klima machen kann, haben wir etwa hier beschrieben). Es scheint aber laut einer Studie relativ klar, dass die Entscheidung keine Kinder zu haben, mit außerordentlich großem Abstand zu allen anderen den meisten positiven Einfluss auf die Emissionen hat, die man durch das eigene Handeln verursacht.

Kein Kind zu haben, spart laut der speziell von GeburtenstreikerrInnen oft zitierten Studie sogar fast 60 Tonnen CO2 pro Person und Jahr. Ein enormer Wert, wenn man ihn mit den durchschnittlichen Emissionen pro Kopf vergleicht. 

Wie kommt man zu dieser Zahl? Die Methode verdient einen genaueren Blick. Denn dabei wurde mit Hilfe von Emissions-Daten und durchschnittlicher Lebensdauer das CO2-”Erbe” eines Elternteils in unterschiedlichen Ländern der Welt simuliert. Bekommt eine Person ein Kind, werden ihr dabei die CO2-Emissionen all ihrer Nachkommen anteilig angerechnet. Man bekommt also die Hälfte der Emissionen des Kindes, ein Viertel des Enkelkindes usw. zu den eigenen Emissionen addiert.

Das kann man schon so berechnen. Man sollte aber wissen, was diese Zahl bedeutet.

Rückgang der Klimabelastung

Laut der Organisation “Founders Pledge” muss man diese Berechnung aber auch noch aus einem anderen Grund stark relativieren. Denn ihr liegt vor allem auch die Annahme zugrunde, dass wir in Zukunft das Klima genauso stark belasten, wie wir es momentan machen. Und das ist sehr unrealistisch.

Schon jetzt sinken die CO2-Emissionen pro Kopf in den meisten Industrienationen. Noch nicht schnell genug, um die Klimaziele zu erreichen, aber konstant. Was aber wichtiger ist: In vielen Ländern gibt es mittlerweile gesetzlich festgelegte Klimaziele. Diese sollen in den nächsten Jahrzehnten zu einer Reduzierung der Emissionen bis hin zur Klimaneutralität in verschiedenen Bereichen führen. Und bezieht man diese Änderungen mit ein, ergibt sich ein anderes Bild. Und das, obwohl hier den Elternteilen sämtliche Emissionen der Nachkommen angerechnet werden.

Die Reduktion kann zwar nur geschätzt werden und ist je nach Region und umweltpolitischen Plänen unterschiedlich. Aber sicher ist: Die Entscheidung, keine oder weniger Kinder zu haben, wird nicht so großen Einfluss auf die persönliche CO2-Bilanz haben, wie es in der häufig zitierten Studie berechnet wird.

Die Entscheidung für oder gegen ein Kind ist ohnehin höchst privat. Niemand sollte dabei in eine Richtung gezwungen werden. Wer sich aber nur wegen des Klimaschutzes gegen Nachwuchs entscheiden will, solte nochmal darüber nachdenken: Der Einfluss dieser Entscheidung auf das Klima ist bei weitem nicht so enorm, wie es aktuelle Berechnungen vorgeben. 

Und wenn wir politisch und wissenschaftlich gegen die Klimakrise kämpfen, wird auch der Einfluss eines Kindes auf das Klima immer weiter sinken - in Richtung null.

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