Hitzewelle in der Stadt

Die Klimakrise lässt auch Wien nicht kalt. Vor allem Städte werden immer heißer.

Foto: Christopher Glanzl/CC-BY-SA 2.0

/ 14. März 2022

Die menschengemachte Klimakrise lässt niemanden kalt. Doch die Erde erwärmt sich nicht überall gleich stark. Vor allem hoch im Norden und in Städten, aber auch in schon jetzt besonders betroffenen Gegenden wie im Nahen Osten und Nordafrika wird es immer heißer. Wie heiß ist es bereits? Welche Gegenden erwärmen sich am stärksten? Und wie viel heißer wird es noch werden?

Klimakrise: Was ist das überhaupt?

Wir befinden uns schon über 2,6 Millionen Jahre lang in einer Eiszeit. Seit es die Erde gibt, wechseln sich wärmere und kältere Phasen ab, und innerhalb dieser Phasen gibt es wiederum Kalt- und Warmphasen. Wir leben also seit 11.000 Jahren in einer Warmzeit innerhalb einer Eiszeit.

Trotzdem ist die Erderhitzung kein natürliches Phänomen. Dafür geht es viel zu schnell. In den letzten 150 Jahren hat sich die Erde bereits um mehr als ein Grad Celsius erwärmt. Und dabei wird es in naher Zukunft auch nicht bleiben. Derartige Temperaturveränderungen dauern ohne menschliches Zutun mehrere zehntausend Jahre.

Ein Team aus Klimaexpert:innen rund um Michael E. Mann machte den beispiellosen Temperaturanstieg im Jahr 1999 mit der sogenannten ”Hockeyschläger”-Grafik deutlich. Die nächste Kaltzeit könnte aufgrund der menschengemachten Erderhitzung sogar ganz ausfallen.

Temperaturunterschiede des Jahres 2021 im Vergleich zum Zeitraum 1991-2020. Die Grafik ist im Text des Artikels selbst auch erklärt.

Wer beeinflusst das Klima?

Der natürliche Treibhauseffekt ermöglicht erst Leben auf der Erde. Ohne ihn wäre es mit durchschnittlich -18 °C zu kalt. Auch der Abstand zur Sonne ist maßgeblich. Allerdings ändert sich dieser in Zyklen von zehntausenden Jahren. Diese Zyklen bestimmen den Wechsel zwischen Kalt- und Warmzeiten. Sie werden als Milanković-Zyklen bezeichnet. Für den plötzlichen Temperaturanstieg sind sie nicht verantwortlich.

Dieser ist großteils auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen: auf Treibhausgase und auf Veränderungen der Landschaft. Ohne den Menschen würde es sogar kühler werden. Treibhausgase entstehen, wenn fossile Energien verbrannt werden, wenn Methan aus Böden, Mülldeponien und Tiermägen entweicht, oder wenn Bäume gefällt werden und das von ihnen gebundene CO2 in die Atmosphäre gelangt. Aber auch das Abschmelzen der Schnee- und Eisflächen trägt maßgeblich zur Erderhitzung bei.

Natürliche Phänomene wie Vulkanausbrüche (kühlend), sinkenden Sonnenenergie (kühlend), La Niña (kühlend) oder El Niña (wärmend) verändern die Temperaturen nur im zweiten Komma-Bereich.

Wie viel heißer ist es bereits geworden?

Der Weltklimarat (IPCC) verweist in seinem aktuellen Bericht darauf, dass sich die Erde bereits um durchschnittlich 1,1 °C erhitzt hat. Auch die NASA spricht von einem Anstieg um 1,1 °C seit 1880, mit einer Schwankungsbreite von ± 0,13 °C. Seit 1975 kommen laut NASA alle zehn Jahre 0,15 bis 0,20 °C hinzu. Der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) zufolge war das Jahr 2021 um 1,11 °C heißer gegenüber der vorindustriellen Zeit. Das Erdbeobachtungsprogramm “Copernicus” der Europäischen Union kommt auf +1,1 - 1,2 °C mehr im Vergleich zur vorindustriellen Zeit (1850 - 1900).

Nimmt man den Durchschnitt der letzten sieben Jahre, so hat die Erderhitzung bereits die 1,2-Grad-Schwelle übertroffen. 2021 war das siebte Jahr in Folge, in dem die globalen Temperaturen die 1-Grad-Schwelle übertrafen. Mit +1,25 °C über dem vorindustriellen Durchschnitt war 2016 das bisher heißeste Jahr.

Wie viel heißer ist es schon in Österreich?

Aber diese 1,1 oder 1,2 °C sind nur ein weltweiter Durchschnitt. Die Welt wird nicht überall gleichmäßig heißer. Österreich hat sich seit der vorindustriellen Zeit (1850-1900) schon um etwa 2 °C erhitzt. Das ergibt sich aus Daten, die laufend von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) erfasst und ausgewertet werden. Der deutliche Unterschied zum globalen Mittelwert lässt sich damit erklären, dass sich Landflächen schneller erwärmen als Ozeane. Diese sind träge und brauchen länger, bis sich der Wärmeeffekt auswirkt. Zudem reflektiert die Wasseroberfläche einen Teil der Wärmestrahlung zurück. Selbst im Vergleich zum Mittelwert aller Landflächen ist der Anstieg in Österreich aber um 20 Prozent höher.

Wie viel heißer ist es in anderen Regionen der Welt?

Nicht alle Regionen erwärmen sich gleich stark. Je näher man sich zu den Polkappen hin bewegt, desto stärker ist der Temperaturanstieg. Im Juni 2020 wurden im nordsibirischen Werchojansk 38 °C gemessen. So heiß war es in der “kältesten Stadt der Welt” noch nie. Die Arktis erwärmt sich der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) zufolge doppelt so schnell wie die ganze Welt. 2020 wurde auch in der Antarktis ein neuer Höchstwert gemessen: 18,3 °C im Februar. In den letzten 50 Jahren hat sich der Kontinent um beinahe 3 °C erwärmt.

Wie viel heißer sind die Ozeane durch die Klimakrise geworden?

Seit 1975 gibt es auch zum Temperaturanstieg der Ozeane verlässliche Daten. Im Jahr 2020 lag die Temperatur um 0,76 °C über dem Mittelwert des 20. Jahrhunderts. Das heißeste Jahr war auch hier das Jahr 2016 mit +0,79 °C. Alle zehn Jahre werden die Ozeane um etwa 0,10 - 0,13 °C heißer. Die Erhitzung der Meere beschleunigt sich allerdings. Das verändert unsere Wettersysteme und wird nicht nur zu einem Anstieg der Meeresspiegel führen, sondern kann auch ein massenhaftes Artensterben auslösen und noch mehr CO2 freisetzen.

Wie viel heißer ist es an Land durch die Klimakrise geworden?

Städte und Dörfer, Wälder und Wiesen, Wüsten und Gletscher: Das Land ist bisher einer noch stärkeren Erhitzung ausgesetzt als die Ozeane. Es wärmt sich schneller, da es mehr Wärme absorbiert - ähnlich wie ein dunkles T-Shirt sich schneller als ein helles erhitzt. Gebiete wie Nordamerika und Alaska, Nordafrika, der Nahe Osten, Ostasien und Teile der Antarktis sowie die Arktis haben sich bereits um mehr als 2 °C im Vergleich zum Mittelwert der Jahre 1991 - 2020 erwärmt. Vor allem hoch im Norden bewegen sich die Werte bereits in Richtung + 3 °C.

Temperaturunterschiede des Jahres 2021 im Vergleich zum Zeitraum 1991-2020. Die Grafik ist im Text des Artikels selbst auch erklärt.

Besonders stark ist der Temperaturanstieg in den Städten. Sie sind um mehr als 5 °C wärmer als ihr Umland. In Städten leben aktuell 4,2 Milliarden Menschen, Tendenz steigend. Eine Visualisierung der BBC zeigt, dass es in den meisten Städten Europas um 1 - 2 °C wärmer als noch vor hundert Jahren ist. Im Nahen Osten ist es in so gut wie jeder Stadt bereits um mehr als 2 °C heißer geworden. Bis 2100 könnte es in den Städten der Welt um durchschnittlich 4,4 °C heißer werden. In Wien könnten die Sommer um 2,4 °C und die Winter um 3,1 °C heißer werden, wenn der globale Temperaturanstieg auf weniger als 2 °C begrenzt wird. Städte sind bereits jetzt gefährliche Hitzeinseln.

Wie viel heißer wird es noch werden?

Mit den derzeitigen Politikmaßnahmen steuern wir auf eine weltweit durchschnittliche Erderhitzung von 2,7 °C bis zum Ende des Jahrhunderts zu. Es gibt aber bei jeder Prognose eine Ungenauigkeit. Im besten Fall könnte es bei + 2 °C bleiben, aber selbst das wäre schon sehr viel. Im schlimmsten Fall werden es sogar bis zu 3,6 °C mehr. 

Die Vorhaben der 196 Staaten des Pariser Abkommens, die sich diese für 2030 gesetzt haben, könnten den Temperaturanstieg bis 2100 auf 2,4 °C (1,9 °C - 3,0 °C je nach Szenario) begrenzen. Dazu müssen sie aber auch eingehalten werden. Nimmt man langfristige Ziele - etwa Österreichs Klimaneutralitäts-Ziel für 2040 - hinzu, kommt man auf einen Anstieg um 2,1 °C (1,7 °C - 2,6 °C je nach Szenario). Das optimistischste aller Szenarien, das von einer Umsetzung aller derzeit politisch gegebenen Ziele und Klima-Versprechen ausgeht, würde derzeit einen Anstieg von 1,8 °C (1,5 °C - 2,4 °C je nach Szenario) bedeuten. Diese Zahlen beziehen sich auf eine Prognose der Organisation “Climate Action Tracker” und wurden zuletzt im November 2021 aktualisiert. Damit könnte selbst das optimistischste Szenario immer noch weit von den Vorhaben und Versprechen entfernt liegen.

das Thermometer des Climate Action Trackers zeigt, auf wie viel Grad Erwärmung wir uns zubewegen. Es ist im Text dieses Artikels beschrieben.

Mit den derzeitigen Politikmaßnahmen steuern wir auf eine Erderhitzung von 2,7 °C zu.

Im Pariser Abkommen haben sich 196 Staaten dazu verpflichtet, den globalen Temperaturanstieg auf deutlich unter 2 °C, bestenfalls aber auf 1,5 °C zu beschränken. Aber selbst das 1,5-Grad-Limit ist mit schweren Klimafolgen verbunden. Für Österreich bedeutet das vor allem häufigere und intensivere Hitzewellen, Überflutungen, Wasserknappheit und Dürre. Schon jetzt kostet uns die Klimakrise jährlich 15 Milliarden Euro. Am härtesten trifft es aber die Länder im globalen Süden, die gleichzeitig am wenigsten zur Erderhitzung beitragen.

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