Erdäpfel
Die Landwirtschaftsministerin behauptet, Österreich würde bei der Lebensmittelversorgung ohne Importe auskommen. Das stimmt nicht. Der Selbstversorgungsgrad mit Erdäpfeln liegt beispielsweise nur bei 83 Prozent. Credit: Pexels.com/R.Khalil
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/ 7. Juli 2020

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger behauptet in der letzten Plenarsitzung vor den Sommerferien, dass die österreichischen Bauern und Bäuerinnen die Lebensmittelversorgung in Österreich ohne Importe sicherstellen können. Das stimmt jedoch nicht.

 

Keine Frage. Die Corona-Krise hat viele gefordert. Und deshalb haben auch zahlreiche sogenannte systemrelevante Berufsgruppen eine Entlastung verdient. Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger kommt dabei nicht umhin, ihr Klientel über den Klee zu loben - und hat dabei etwas über das Ziel hinausgeschossen. Um eine Entlastung für die LandwirtInnen zu rechtfertigen, erklärte sie vor den versammelten Nationalratsabgeordneten, dass trotz Hamsterkäufen die Bauern und Bäuerinnen während der Corona-Krise mit Lebensmittelversorgung in Österreich sichergestellt hätten.

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger

Sogleich ging ein lautes Raunen durch das Plenum. Denn was die Landwirtschaftsministerin da gesagt hatte, war schlichtweg falsch. Auch auf Twitter wurde sogleich heftig diskutiert. Dabei bedarf es nur eines Blickes in die Daten der Statistik Austria: Der Grad der Eigenversorgung ist hier pro Lebensmittel genau aufgeschlüsselt.

Mit diesen Daten konfrontiert, ruderte Köstingers Pressesprecher Daniel Kosak auf Twitter sofort zurück. Betont aber, dass es mit der Selbstversorgung bei den Grundnahrungsmitteln "eh ganz gut ausschaut".

Greenpeace kritisiert in Report geringen Selbstversorgungsgrad bei Obst und Gemüse.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace findet hingegen in einem neuen Report, dass es nicht ganz so gut ausschaut mit der Selbstversorgung. Rund 80 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen Österreichs würden für die Nutztierhaltung verwendet werden. Österreich produziert mehr Fleisch, als hierzulande verbraucht wird. Und das, obwohl die Österreicher dreimal so viel Fleisch essen, wie gesundheitlich empfohlen wird. Doch nur 58 Prozent des hierzulande konsumierten Gemüses würde aus regionaler Selbstversorgung stammen. Bei Obst seien das nur 46 Prozent. Greenpeace kritisiert, dass dieses Ungleichgewicht zulasten der Umwelt geht und einer ausreichenden Selbstversorgung mit gesunden Lebensmitteln im Krisenfall entgegensteht.

Laut Greenpeace müsste sich der Fokus der Landwirtschaft also deutlich verschieben - damit wir in einer wirklichen Krisenzeit nicht nur Schnitzel essen müssen.

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