Morgenmoment
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/ 2. September 2021

Guten Morgen!

Die Zukunft liegt im Wasserstoff? In Vorständen österreichischer Unternehmen sitzen viele Frauen? Systemerhalter:innen kommen mit Ihrem Lohn gut über die Runden? Das kann man so leider nicht sagen. Der Morgenmoment, heute geschrieben von Andreas Bachmann.

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#1 Möchtest du das teilen?

Im Wasserstoffauto zur Arbeit, aus dem Auspuff kommt nichts als klimafreundlicher Wasserdampf? Wasserstoff als Speicher für saubere Energie, hergestellt aus einem unerschöpflichen Rohstoff? Österreich will "Wasserstoffnation Nummer Eins" werden. Das Versprechen klingt gut Aber: Es klingt zu gut, um wahr zu sein. Warum, erklärt Physiker Florian Aigner im Interview.

#2 Hast du das gesehen?

Frauen in den Chefetagen österreichischer Konzerne? Da müssen wir mit der Lupe suchen. Von den 192 Vorständen in den börsennotierten Unternehmen sind nur 14 weiblich. Das sind gerade einmal 7,3 Prozent und noch einmal eine Frau weniger als zu Beginn des Jahres. Diese ernüchternden Zahlen gehen aus dem Mixed Leadership Barometer des Berutungsunternehmens EY hervor. Beim Frauenanteil in Vorständen zeige sich "seit mehreren Jahren das gleiche triste Bild", sagt Helen Pelzmann von EY im Standard. "Das massive Ungleichgewicht scheint einzementiert, Frauen bleiben exotische Ausnahmen in Chefetagen." Keine einzige Frau findet sich übrigens in den Vorständen von Automobil-, Immobilien-, Rohstoff- und Telekommunikationsunternehmen. Hier liest du mehr dazu. Das liegt sicher nicht daran, dass es zuwenige Frauen gibt, die für den Job geeignet sind. Das analysierte Barbara Blaha in ihrer Video-Kolumne Moment Mal im Juli.

#3 In was für einer Welt leben wir?

Stell dir vor, du stehst vor Gericht und der Richter gibt dir die Wahl: Entweder du gehst ins Gefängnis oder du liest klassiche Literatur! Das kommt allenfalls im Traum vor, würden viele wohl jetzt sagen. Aber nein, das ist wirklich passiert. Ein Gericht im englischen Leicester stellte den rechtsextremen Straftäter Ben John vor diese Entscheidung. Spätestens hier ist das Ganze nicht mehr so lustig wie es vielleicht klingt. Zuvor wurde der 21-Jährige schuldig gesprochen, 70.000 Dokumente mit rassistischeren Inhalten - darunter Anleitungen zum Bombenbau - in Besitz gebracht zu haben. Unterlagen, die "nützlich sein können, einen Terroranschlag auszuführen". Der Strafrahmen dafür beträgt bis zu 15 Jahre Gefängnis ... oder eben Shakespeare lesen. Das Gericht bewertete Johns Vergehen als "Akt jugendlicher Torheit", den Behörden war er schon seit 2018 bekannt, weil er online gegen Minderheiten hetzte. Er muss nun alle vier Monate das Gericht über seine Fortschritte bei der Lektüre unterrichten, berichtet der Guardian. Es ist wohl erlaubt, die Frage zu stellen: Würde das Urteil ebenso ausfallen, wenn der Terrorverdächtige kein ehemaliger Student mit weißer Hautfarbe wäre?

#4 Besser geht doch

Zugegeben, wir kritisieren hier ziemlich oft die heimischen Boulevardmedien. Aus einem einfachen Grund: Es gibt vieles zu kritisieren an deren Berichterstattung. Aber manchmal gibt es auch lobenswertes: Die Gratiszeitung Heute kündigt an, ein neues Umweltressort zu starten. Klimaschutz soll Teil der Blattlinie werden. Lydia Matzka-Saboi soll die Offensive leiten, zuletzt war sie 15 Jahre lang Sprecherin der österreichischen Umweltschutzorganisation Global 2000 war. Sie freue sich, "dass ich meine Herzensthemen zur Rettung unseres Planeten einer so breiten Leserschaft zur Verfügung stellen darf." Möglichst vielen Leser:innen näherzubringen, wie dringend wir etwas gegen die drohende Klimakatastrophe tun müssen, ist immer eine gute Idee. Wir hoffen auf interessante Lektüre.

#5 Zahl des Tages

Applaus ja, Geld nein! Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter:innen in systemrelevanten Berufen, 51 Prozent, kommen mit ihrem Einkommen kaum über die Runden. Das geht aus dem neuesten Arbeitsklima-Index der Arbeiterkammer hervor. Von den Frauen geben sogar 55 Prozent an, dass ihr Einkommen kaum ausreiche. Bei den Personen in nicht-systemrelevanten Berufen sind es dagegen "nur" 42 Prozent, die das sagen. Auch das sind ungefähr 42 Prozent zu viele. Die Zahlen zeigen: Ein einmaliger Corona-Bonus für Menschen, die in der Corona-Krise besonders gefordert waren und besonderes geleistet haben, ist zu wenig.

Einen schönen Tag wünscht

Andreas

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