Ein Laudamotion-Flieger am Flughafen Wien
Ein Laudamotion-Flieger am Flughafen Wien - Foto: Dušan Smetana/Unsplash
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Sonja Fercher

/ 20. Mai 2020

Gewerkschaft vida prangert bei Laudamotion Löhne an, die unter der Armutsgrenze liegen. Weitere Kürzungen lehnt sie ab. MitarbeiterInnen müssen schon jetzt mit Gehaltseinbußen zurechtkommen. Das Ultimatum im Streit um die Wiener Basis der Fluglinie von Ryanair läuft am Donnerstag ab.

20 Prozent weniger Lohn oder Tschüss Wien: So könnte man die Pläne der Fluglinie Laudamotion zuspitzen. Dass die Unternehmensleitung Beschäftigte und Gewerkschaft unter Druck setzt, ist nichts neues. So erstaunt es wohl wenig, dass Ryan Air (Eigentümer von Laudamotion) nun versucht, der Gewerkschaft den schwarzen Peter zuzuschieben. „Die Arbeitsplätze von über 300 Wiener A320 Crews und ihrer Familien liegen nun vollständig in den Händen der vida“, erklärten die Lauda-Chefs Andreas Gruber und David O'Brien.

"Corona-Krise als Vorwand"

In der vida ist man wenig erstaunt über diese Versuche, die Gewerkschaft zum Sündenbock zu machen. Denn abgezeichnet habe sich dies schon länger. „Das hat schon im März begonnen“, hält Daniel Liebhart, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt, im Gespräch mit MOMENT fest. „Schon damals haben wir vermutet, dass sie die Basis in Wien schließen wollen.“ Nun werde die Corona-Krise zum Vorwand genommen, um noch weiter zu dumpen. „Man spielt mit den Ängsten der Beschäftigten“, ärgert sich Liebhart. 

Am nun von Laudamotion vorgelegten Vorschlag stört den Gewerkschafter ganz besonders, dass man sich die Schwächsten herausgepickt hat, nämlich die Junior-FlugbegleiterInnen und die Co-Piloten. Letztere würden ohnehin mit Schulden ins Berufsleben einsteigen, denn eine marktübliche PilotInnen-Ausbildung koste zwischen 80.000 und 100.000 Euro. „Auch ihnen soll nun das Basisgehalt gekürzt werden“, ärgert sich der Gewerkschafter. „Diese zwei Berufsgruppen werden ganz bewusst in die Armut gedrängt“, hält Liebhart fest. 

Belegschaft verdient bereits weniger

Die nun von Laudamotion geplanten Kürzungen würden Löhne bedeuten, die „mit 848 Euro Netto-Einstiegsgehalt für FlugbegleiterInnen klar unter der Mindestsicherung in Wien (917 Euro) und noch deutlicher unter der aktuellen Armutsgefährdungsschwelle 2019 von 1.259 Euro im Monat für eine Person liegen", prangert Liebhart an. 

Die ArbeitnehmerInnen müssen bereits jetzt mit weniger Geld in der Coronakrise auskommen, sagt Gewerkschafter Liebhart. Sie sind in Kurzarbeit. Dazu muss man wissen, dass sich die Gehälter aus einem fixen und einem variablen Bestandteil zusammensetzen – und das Kurzarbeitergeld wird nur auf Basis des fixen Lohnbestandteils berechnet. In den Worten von Liebhart „von einem Einkommen, das eh schon sehr niedrig ist.“ Über die Kurzarbeit erhalte die Fluglinie also staatliche Unterstützung. Deshalb kann Liebhart die Vehemenz nicht nachvollziehen, mit der Laudamotion nun auftritt. 

Und Liebhart sagt: "Es ist mir unverständlich, warum sich die Wirtschaftskammer auf dieses Spiel einlässt.“ Die Wirtschaftskammer hat die massiven Kürzungen nämlich bereits akzeptiert. Man wolle lieber 300 Arbeitsplätze unter schlechten Bedingungen retten, als sie ganz zu verlieren, versucht die Kammer ihre Zustimmung zu rechtfertigen.

Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen 

Schützenhilfe bekommt die vida von der Arbeiterkammer Niederösterreich. Sie machte Anfang der Woche auf „skandalöse Zustände“ aufmerksam, die ihnen von MitarbeiterInnen der Laudamotion geschildert worden seien. Die Rede ist von „Drangsalierungen, psychischem Dauerdruck und sicherheitsgefährdenden Einsparungen.“ Unter anderem würden Techniker seit Monaten „systematisch unter Druck gesetzt, um ihr OK für die Flugtauglichkeit von Fliegern zu geben, um damit notwendige teurere Service-Wartungen zu umgehen“, so die AKNÖ in einer Aussendung. Die Rede ist auch von Druck auf Mitarbeiter im Krankenstand: „Ihnen würde mit Kündigung beim nächsten Krankenstand gedroht, was dazu führt, dass viele Mitarbeiter krank weiterarbeiten würden.“

>>> Lesetipp: Eine Flugbegleiterin in Wien erzählt, was sie wirklich denkt.

Die vida hat indessen einen Gegenvorschlag an die Wirtschaftskammer geschickt, der dort aber umgehend vom Tisch gewischt wurde. „Die Wirtschaftskammer ist noch nicht in der Verantwortung angekommen“, kritisiert Liebhart. Der Vorschlag sieht unter anderem einen Kollektivvertrag für die gesamte Ryan Air-Gruppe vor, um Versuchen einen Riegel vorzuschieben, die Beschäftigten in Tochterunternehmen zu verschieben, in denen schlechtere Regeln herrschen. 

Scheideweg in der Krise

Viel wurde zu Beginn davon gesprochen, welche Chance in der Corona-Krise stecken könnte. So manche träumten von einer besseren Welt nach Corona statt einer Rückkehr in die „alte Normalität“. Auch Gewerkschafter Liebhart plädiert dafür, die Krise zu nutzen, um fairere Spielregeln festzulegen und „soziale Verwerfungen, wie es sie momentan in der Luftfahrt gibt, nicht mehr zuzulassen.“ Gerade über die Sozialpartnerschaft habe man in Österreich vielversprechende Rahmenbedingungen. Bei Laudamotion beziehungsweise der Ryanair, aber auch in der Wirtschaftskammer, scheinen die Zeichen allerdings momentan in eine andere Richtung zu stehen.

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