Matura adé?
Matura adé? - Foto: Baim Hanif/Unsplash
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Gastbeitrag

/ 31. März 2020

40.000 SchülerInnen in Österreich warten derzeit auf eine Entscheidung darüber, wie es mit ihrer Matura weitergehen soll. Davon hängen nämlich viele Entscheidungen für ihr Leben in der näheren Zukunft ab. Einer davon ist Maximillian Werner. In einem Gastkommentar auf MOMENT erklärt er dir, warum die Situation schwierig ist und auf welche Lösung er hoffen würde.

Der Alltag von vielen jungen Menschen in Österreich wurde in den letzten beiden Wochen vollkommen umgekrempelt. 1,1 Millionen Schülerinnen und Schüler dürfen seit dem 16. März ihre Schulen und Kindergärten nicht mehr besuchen. Sie wurden  ausgesperrt von den Orten, die bisher ihr Leben prägten. Dies passierte noch bevor verschärfte Maßnahmen für das ganze Land bekannt gegeben wurden. Die Angst vor Infektionsherden in den Bildungseinrichtungen war einfach zu groß. 

Verständlicherweise löste diese Nachricht zu Beginn einiges an Freude bei den Schülern aus, auch wenn Bildungsminister Heinz Faßmann versuchte, diese gleich einzubremsen. Der Unterricht falle natürlich nicht aus, er werde nur über digitale Plattformen nach Hause verlagert, betonte er. Doch das gute Gefühl blieb. Welche Schülerin würde sich bei dem Gedanken an mehrere Wochen außerordentliche „Ferien“ nicht - wenigstens heimlich - freuen? 

Und jetzt?

Tatsächlich blieben die Freudensprünge über die Schulschließungen bei knapp 40.000 jungen Erwachsenen eher aus. Bei denjenigen nämlich, die eigentlich vorgehabt hätten, im Mai zur Matura anzutreten. Denn für sie wurde es plötzlich stressig. Der ursprüngliche Plan war, mit Schulschluss am 30. April ein Zeugnis der achten Klasse und damit die Matura-Zulassung in der Hand zu halten. Die letzten Schularbeiten und Tests hätten noch vor den Osterferien stattgefunden, wie auch die Präsentationen der Vorwissenschaftlichen und Diplomarbeiten. Und dann - nach einer mündlichen Prüfung - wären die Türen zu Summersplash und Co. offen gestanden. 

Doch so wird das alles jetzt nicht funktionieren. Bereits bei der Bekanntgabe der Schulschließungen ließ Faßmann aufhorchen („Natürlich werden wir für die Maturanten andere Regelungen treffen müssen“), in den darauffolgenden Tagen wurde er mit der Ansage, die Klausuren „um ein, zwei Wochen“ zu verschieben, konkreter. Bis heute ist jedoch nur bekannt, dass es „gut“ wäre, wenn man in der ersten Mai-Woche wieder in die Schule gehen könnte. Dann wäre ein Start der Prüfungen am 19. Mai möglich. 

Die nahe Zukunft hängt am Abschluss

Aktuell ist es für die Schülerschaft aber unvorstellbar, dass dieser neue Zeitplan halten wird. Viel zu vage ist die Gesamtsituation und spätestens seitdem mehrere Medien berichteten, dass Schulschließungen bis zu den Sommerferien angedacht werden, sitzen die Abschlussklassen auf Nadeln. Was wird mit der Matura? 

Immer wieder wird zum Beispiel eine Verschiebung in den Herbst angedacht. Doch der Rattenschwanz, den diese Maßnahme nach sich ziehen würde, wäre wahrscheinlich zu lange. Neben bereits geplanten und fixierten Maturareisen, was noch der harmloseste Punkt ist, sind bereits Einberufungsbescheide zum Grundwehrdienst und zum Zivildienst eingetroffen, die meisten eben auf August und September lautend. Und die sind eigentlich nicht zu verschieben, wie auch der Beginn des neuen Semesters an den Universitäten. 

Der Plan funktioniert nicht

Auch eine Durchführung, wie sie jetzt geplant ist, erscheint zumindest aus Schülersicht unmöglich. Zwar hatte Faßmann ja versichert, dass der Unterricht nicht ausfallen würde, faktisch ist eine gelungene Vorbereitung allein von zuhause aus unmöglich. Hierfür können noch so gute Plattformen geschaffen werden und noch so gute Lehrpersonen vor den Bildschirmen sitzen - ersetzbar ist der „klassische“ Unterricht damit nicht. Und in vielen Haushalten gibt es einfach keine Grundlage zum gelungenen Lernen.

So wäre auch die Lernphase auf die Matura unzureichend. Die fix eingeplanten Vorbereitungsstunden, die vor allem für die mündlichen Fächer wichtigsind, würden wegfallen. Und auch aus gesundheitlicher Sicht ist eine verfrühte Öffnung der Schulen fragwürdig, wie Forscher der TU Wien errechneten. 

Was tun?

Und wie kommen die 40.000 Schülerinnen und Schüler dann zu ihren Abschlüssen? Es würde ein bisschen Improvisation und Vorlaufzeit erfordern, doch wahrscheinlich wäre ein Abschlusszeugnis mit den Durchschnitts-Noten aus den letzten Jahren die praktikabelste Option. Dass die SchülerInnen den Stoff, der für eine erfolgreiche Matura vonnöten ist, beherrschen, haben sie ja schon damit bewiesen, dass sie über zwölf Jahre lang positive Jahreszeugnisse nach Hause brachten. Ob an diese zwölf Jahre jetzt noch eine Prüfung angehängt wird, die aufgrund der psychischen Belastung in der aktuellen Situation sowieso hirnrissig wäre, ist wirklich belanglos. 

Die Angst mancher, ihr Maturazeugnis könnte dann zum Beispiel bei Bewerbungen weniger „wert“ sein, ist unbegründet. Als Unternehmen wird man es sich kaum leisten können, auf 40.000 junge Leute für den Rest ihres Lebens wegen dieser Lappalie zu verzichten.

Warum die Politik sich wehren wird

Die Politik wird sich aber wohl sträuben, diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Nicht auszudenken, was passieren würde, sollte das Volk bemerken, dass es auch ganz gut ohne zentralisierte Reifeprüfung geht. Dann müsste man sich ja fast überlegen, die Prüfung, die Jahr für Jahr tausende Personen an die Grenzen ihrer Nerven bringt, vollkommen und endgültig zu streichen. Und das kann man dem doch so ehrgeizigen Land wirklich nicht antun. Also wird eine gestrichene Matura wohl keine Option für dieses Jahr, geschweige denn eine Überlegung als Zukunftshoffnung sein. 

Maximilian Werner (18) ist angehender Maturant am Bundesgymnasium Feldkirch. Zudem ist er freier Journalist und schreibt unter anderem für die Vorarlberger Nachrichten. Zu finden ist er auf Twitter und auf seinem Blog

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