Mitarbeitermangel im Winterdienst: Fehlen die Arbeitslosen?

Wer in den letzten Tagen draußen war, ist wahrscheinlich schon einmal auf dem Glatteis ausgerutscht – oder zumindest fast. Folgt man den aktuellen Debatten auf Sozialen Medien, entstand bei vielen anscheinend der Eindruck, dass dieses Jahr zumindest in Wien deutlich weniger Schnee geräumt und Salz gestreut worden wäre, als die Jahre davor.
Ob das stimmt, ist schwer zu sagen. Für die für den öffentlichen Winterdienst zuständige MA48 kommt die Frage dazu überraschend. Gegenüber MOMENT.at geht man von einer gleichbleibenden Menge Personal aus - inklusive externer Firmen sollen etwa 1.400 Menschen an der Schneeräumung arbeiten.
Von 300 auf 80 Beschäftigte
Slobodan Petenauer ist der Geschäftsführer einer solchen externen Winterdienst-Firma TBSR. TBSR arbeitet für die Unternehmen der Stadt Wien, aber auch österreichweit. Und er erzählt gegenüber MOMENT.at, dass sein Unternehmen dieses Jahr tatsächlich weniger Schnee räume. Denn von den sonst ungefähr 300 Mitarbeiter:innen, arbeiten gerade nur noch 80 für seine Firma. Bis Ende des Monats rechnen sie sogar mit nur noch 30 Mitarbeitenden.
Der Grund dafür dürfte auch andere Unternehmen in dem Bereich treffen: Es sind die neuen Zuverdienstgrenzen des AMS. Laut denen dürfen Arbeitslose nur noch in wenigen Ausnahmefällen zusätzlich zum Arbeitslosengeld etwas verdienen. Man darf in der Regel weder geringfügig noch frei beschäftigt werden.
Kein Schnee – keine Arbeit
Da die Schneeräumung und damit auch Petenauers Firma vom Wetter abhängig ist, beschäftigen sie Personen aber oft nur tageweise oder geringfügig. Das heißt kurz gesagt: kein Schnee – keine Arbeit. “Bis Ende des Monats werden alle Winterdienst-Firmen ihre Mitarbeiter:innen verlieren. Und wir wissen nicht, wie wir die Sache lösen sollen”, warnt Petenauer.
Tageweise Arbeit bleibt erlaubt
Die Pressestelle des AMS sieht die Problematik nicht. Arbeitslose könnten ja weiterhin tageweise angestellt werden. Sie würden dann zwar an diesen einzelnen Tagen, an denen sie regulär angestellt sind und ein Gehalt beziehen, kein Arbeitslosengeld bekommen, es aber für die restlichen Tage im Monat weiter bekommen.
Für die Unternehmen steigen damit allerdings die Nebenkosten und die kurzfristig benötigten Arbeitskräfte werden teurer - oder für diese bleibt netto weniger übrig. Ob sich die Arbeit dann lohnt, ist fraglich.
Umstrittene Zuverdienstgrenzen
Die Verschärfung der Zuverdienstgrenzen für Menschen während der Arbeitssuche hat verheerende Folgen. Wer Geld dazuverdient, bekommt eine Sperre für das Arbeitslosengeld - der Aufwand wird dadurch meistens eher unsinnig. Besonders wenn es nur darum geht, ein paar Euro in einem unsicheren Gelegenheitsjob zu verdienen. Freiberuflich oder geringfügig geht es in der Regel gar nicht mehr. Viele Menschen, die sonst in dieser Zeit nach Möglichkeit gearbeitet haben, um das niedrige Arbeitslosengeld aufzubessern, bleiben dann also notgedrungen zu Hause.
Die Zuverdienstgrenze ist allgemein umstritten. Sie verschlechtert die Situation für viele Menschen, die mit Zuverdiensten zumindest einen Fuß im Arbeitsleben behalten könnten. Die Politik will damit Druck aufbauen, um sie in den Arbeitsmarkt zu drängen. Offenbar bedroht das folglich auch so manch wichtige Leistung für die Öffentlichkeit.
“Ohne Winterdienst ist der Staat paralysiert”
Geschäftsführer Petenauer fordert zumindest eine Ausnahme für Arbeitslose, die im Winterdienst dazuverdienen wollen. Denn ohne sei der Staat laut ihm wie paralysiert. “Wenn wir in Wien 20 bis 30 cm Schnee haben, gibt es keine Fahrer:innen oder Mitarbeitenden, die den Winterdienst durchführen können. Der ganze öffentliche Verkehr bricht zusammen und damit auch staatliche und private Unternehmen.”











