Morgenmoment
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/ 12. Mai 2021

Guten Morgen!

Es gibt ja ab und an auch gute Nachrichten in der Klimakrise. Doch einige davon machen die österreichische Wirtschaftskammer offenbar ziemlich nervös. Nervös dürfte auch Gernot Blümel schön langsam werden. Warum das so ist, erfährst du im heutigen Morgenmoment, zusammengestellt von Sebastian Panny.

#1 Möchtest du das teilen?

Ganz langsam aber doch bekommen Europa und Nordamerika die Pandemie unter Kontrolle. In anderen Ländern, wie etwa Indien oder Brasilien, wütet sie jedoch weiter. Ein Grund dafür liegt im Mangel an Impfstoffen. Daher fordern diese Länder auch, dass die Patente auf Impfstoffe kurzzeitig aufgehoben werden sollen. Doch was sind Patente eigentlich? Und gäbe es eigentlich bessere Alternativen dazu?

Diesen Fragen geht Top-Wirtschaftsprofessor Max Kasy heute in seiner Kolumne "Erklärs mir doch ganz einfach" nach. Normalerweise erklärt er die Wirtschaft in Oxford und Harvard, wir fordern ihn heraus, es allen verständlich zu machen. In dieser Ausgabe erklärt er, welche Alternativen es für ein System gibt, das gerade in der Pandemie für große Ungerechtigkeit und Gefahren sorgt.

#2 Zahl des Tages

**** KORREKTUR 14.5.: Im Bildtext sprechen wir von "45% mehr erzeugtem Strom durch erneuerbare Energieträger". Das ist falsch. Um 45% gewachsen ist die jährlich hinzugefügte Kapazität der Stromerzeugung durch erneuerbare Energieträger. Also 2020 wurden um 45% mehr erneuerbare Produktionskapazitäten aufgebaut als 2019. Wir entschuldigen uns für den Fehler und bedanken uns bei User Torsten Decker für den Hinweis. ****

Die Branche der erneuerbaren Energieerzeugung wuchs 2020 trotz der Coronakrise wesentlich stärker als erwartet. Das zeigt der jährliche Befund der Internationalen Energieagentur IEA. Im Vergleich zu 2019 konnte die Stromerzeugungskapazität bei erneuerbaren Energien weltweit um 280 Gigawatt erhöht werden. 135 GW entfielen dabei auf Solarstrom und 114 GW auf Windkraft. Erneuerbare Energien machten damit 90% des gesamten Zuwachses bei der Stromerzeugung aus. Das ist der höchste prozentuale Anstieg seit 1999. Und weil dieser Sektor in den letzten zwei Jahrzehnten viel größer geworden ist, ist der Zuwachs in absoluten Zahlen viel höher als damals.

Einen wesentlichen Anteil an diesem sprunghaften Anstieg hatten Großprojekte in China, wo mit Jahresende spezielle Förderungen für die Errichtung solcher Anlagen ausliefen. Doch auch wenn sich das Wachstum dort in den nächsten Jahren verlangsamt, sagt die IEA einen ähnlichen Zuwachs für die nächsten Jahre voraus. Die Agentur sieht ein weltweites Momentum beim Ausbau erneuerbarer Energien, neue Förderungen und sinkende Preise würden ebenfalls dazu beitragen.

#3 Übersetz mir das!

Sich richtig zu entschuldigen ist eigentlich nicht so schwierig. Wir lernen schon als Kinder, wie man es richtig macht: Man versucht zu verstehen, was man falsch gemacht hat, bittet wegen deshalb um Verzeihung und gelobt, es nicht mehr zu machen. 

Wenn man sich eigentlich nicht entschuldigen möchte, aber sich doch in ein gutes Licht rücken will, dann bedient man sich einfach einer "Non-Apology". Natascha Strobl erklärt dir in ihrer aktuellen Videokolumne, wie so eine "Entschuldigung" aussieht und warum sie Menschen eigentlich anwenden.

#4  Hast du das gesehen?

Verfassungsbruch, Hausdurchsuchungen, Ermittlungen wegen Verdachts auf Bestechlichkeit, Spaziergänge mit dem Laptop. Wöchentlich erfährt die Öffentlichkeit über neue Vorfälle und Skandale rund um Finanzminister Blümel. Im Interview mit der Zeit im Bild 2 sollte er sich diesen Vorfällen stellen - doch seine Erklärungen waren nicht ganz so elegant, wie unsere Verfassung es ist. Außerdem zeigt er uns sehr anschaulich, wie so eine Non-Apology in der Praxis aussieht. Wir haben wieder die Pausetaste gedrückt und uns seine Aussagen näher angesehen. 

#5  In was für einer Welt leben wir eigentlich?

Österreich hat seit 1990 jedes seiner Klimaziele verfehlt. Die Treibhausgas-Emissionen sind seitdem sogar leicht gestiegen, während sie EU-weit um fast ein Viertel gesunken sind. Im April hat die Bundesregierung nun den Entwurf für ein neues Klimaschutzgesetz vorgelegt. Durch die geplanten Maßnahmen soll Österreich bis 2040 klimaneutral werden um seinen Teil zum erreichen der Pariser Klimaziele beizutragen.

In einer internen Analyse der Wirtschaftskammer, die der Tageszeitung “Der Standard” vorliegt, wird der geplante Entwurf jedoch scharf kritisiert. Der Wirtschaftsvertretung gehen die Vorschläge offenbar zu weit. Die Ziele werden unter anderem als “überambitioniert” bezeichnet, Maßnahmen als “äußerst problematisch” und “strikt abzulehnen”. Auch die Tatsache, dass BürgerInnen und NGOs mehr Einfluss hätten, stößt den Verantwortlichen offenbar sauer auf.

Klimaschutzorganisationen kritisieren die “realitätsfremde Analyse” der WKO scharf. Mit dieser Blockade wendet sich die Wirtschaftskammer auch gegen einige ihrer Mitglieder. 245 Unternehmen haben sich Anfang Mai in einer gemeinsamen Aussendung an die Regierung gewandt, in der noch mehr Anstrengung beim Klimaschutz und ein österreichischer “Green Deal” eingefordert wird. 

Die ersten Mitglieder reagierten darauf mit der Ankündigung, ihre Beiträge nicht mehr einzahlen zu wollen:
 

#6  Bonus-Altpapier

Eigentlich hält René Benko ja Anteile an der Kronen Zeitung und nicht an OE24. In der gestrigen Ausgabe des Boulevardblattes werden dem neuen Projekt seiner Signa-Holding dennoch erstaunlich viele Rosen gestreut:

Auf einer ganzen Seite erfahren die geneigten LeserInnen unter dem Thema “Stadtentwicklung” alle wichtigen Details zu dem neuen Kaufhaus auf der Mariahilfer Straße. Dazu gehören der Zeitplan des Neubaus und das Konzept der Kaufhausgruppe KaDeWe. Nach der Lektüre weiß man, dass der neue Store “auf 20.000 m² Verkaufsfläche ein für Wien neues Level von Shopping” bieten wird. Und: “Luxus ist also auch ein Erlebnis - und nicht zwangsweise eine Frage des Preises.” Die Artikel werden übrigens nicht als bezahlte Anzeige ausgewiesen.

Was man in den Artikeln nicht erfährt: Dass Sebastian Kurz und der damalige Justizminister Josef Moser 2017 extra ein Bezirksgericht aufsperren ließen, damit René Benko die Immobilie kaufen konnte. Und das zu einem sehr günstigen Preis, wie einst eine Recherche von "Addendum" ergab. Außerdem erfährt man nicht, wie Benko zu seinem Reichtum gekommen ist und was sein Firmengeflecht damit zu tun hat. Das haben wir jedoch in diesem Artikel für dich recherchiert. Denn wir finden ja, dass guter Journalismus nicht zwangsweise eine Frage des Preises ist.
 

Einen schönen Mittwoch!

Sebastian

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