Natascha Strobl erklärt das Pandemie-Versagen: Wie die ÖVP ihre Schuld auf die Wissenschaft schiebt. Man sieht die Politologin vor dem orangenem #NatsAnalyse Sujet. Außerdem sind die Köpfe von ÖVP-Politiker Thomas Stelzer und Wilfried Haslauer zu sehen.

Pandemie-Versagen: Wie die ÖVP ihre Schuld auf die Wissenschaft schiebt.

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Natascha Strobl
/ 17. November 2021

Schuld am Pandemie-Versagen? Die ÖVP schiebt sie auf die Wissenschaft. Virolog:innen hätten angeblich nicht gewarnt. ÖVP-Politiker, wie Thomas Stelzer und Wilfried Haslauer, verunglimpfen die Corona-Expert:innen offensiv. Politologin Natascha Strobl hat diese Wissenschaftsfeindlichkeit der ÖVP analysiert.

Die vierte Corona-Welle kommt mit aller Wucht. Schon jetzt sind die Spitäler an ihrer Leistungsgrenze, das medizinische Personal erschöpft und viele Menschen sind krank oder versterben sogar. Eine furchtbare Situation. Und schon werden von einigen Politiker:innen die Schuldigen ausgemacht: Die Virolog:innen, die nicht gewarnt haben. Während Bundeskanzler Schallenberg sich überrascht vom Anstieg der Zahlen gibt, verunglimpfen seine Parteikollegen in den Bundesländern Salzburg und Oberösterreich die Wissenschaftler:innen offensiv. Doch schon das naive überrascht Sein ist im Grunde blanker Hohn - als hätten wir nicht alle die letzten anderthalb Jahre gesehen, was exponentielles Wachstum bedeutet und wie sich Corona-Wellen aufbauen. In dieser schlimmen Situation glauben die Landeshauptleute der am schlechtesten gemanagten Bundesländer, dass sie Witze machen können. Der  Landeshauptmann von Salzburg, Wilfried Haslauer, fantasiert etwa, dass Virolog:innen die Menschen einsperren und verdursten lassen wollen.

Pandemie-Versagen in Salzburg und Oberösterreich

Nachdem er dafür die erwartbare Kritik geerntet hat, redet sich Haslauer auf eine „Empörungskultur“ aus. Man darf ja gar nichts mehr sagen. Diese Mätzchen macht er zu seinem Zeitpunkt, als Salzburg eine Inzidenz von über 1300 hat und damit traurige Weltspitze ist. Zusammen natürlich mit Oberösterreich. In Oberösterreich gibt sich der Landeshauptmann weniger „lustig“, sondern eher gönnerhaft: Thomas Stelzer macht - sehr nobel - den Expert:innen keinen Vorwurf dafür, dass sie die Dramatik nicht vorhergesehen haben. Wie bescheiden. Denn alleine, indem er dies so sagt, spricht Stelzer den Vorwurf ja schon aus. Die Nachricht ist klar: Er muss aufräumen, was die verbockt haben. Eine glatte Verkehrung der Tatsachen.

Denn die Virolog:innen warnen durchgehend. Es gibt präzise Berechnungen. Es ist nicht die Wissenschaft, die versagt, es ist die Politik. Insbesondere in Salzburg, in Oberösterreich und im Bund. Niemand steht besonders toll da, aber die organisierte Verantwortungslosigkeit in Kombination mit großmundigen Ansagen findet sich nur dort. Nun versucht man genau dort, wo man so spektakulär versagt hat, die Verantwortung abzuschieben und zwar auf die Wissenschaft. Damit spielen vor allem Haslauer und Stelzer auf der Klaviatur der Wissenschaftsfeindlichkeit. Dazu passt die kürzlich herausgegebene Umfrage des Eurobarometers zu Wissenschaftsfeindlichkeit: Österreich gehört Eu-weit zu den wissenschaftsfeindlichsten Gesellschaften. Diese Wortmeldungen gehören zu diesem Klima dazu.

Wissenschaftsfeindlichkeit kommt mit vielen Gesichtern daher: Sie fängt an beim blanken Ignorieren wissenschaftlicher Erkenntnisse. Es geht weiter mit Handeln nach dem Motto „shoot the messenger“, also die Überbringer:innen schlechter Nachrichten/Prognosen für den Zustand verantwortlich machen. Es endet in persönlichen Attacken und Diffamierungen. Diese Bandbreite wurde in Österreich in nur wenigen Tagen durchgespielt. Von Leuten, die eigentlich dafür verantwortlich sind, diese Krise mithilfe von Expter:innen zu managen.

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