Eine junge Frau sieht ernst in die Kamera

Viele junge Menschen werden niemals Wohneigentum besitzen. Foto: Erii Gutierrez für Unsplash

/ Lisa Wölfl
/ 28. Oktober

In Österreich sind die Preise für Wohneigentum in den letzten zehn Jahren um 72 Prozent gestiegen. Damit sind sie rund drei Mal mehr gewachsen als das mittlere Einkommen. Mit diesem Trend sind wir nicht alleine. Josh Ryan-Collins, der an der University of London forscht, erklärt in seinem Buch “Warum kannst du dir kein Eigenheim leisten?” (Original: “Why can’t you afford a home?”) die Zusammenhänge und zeigt gleichzeitig Lösungen auf. Das sind seine wichtigsten Argumente:

#1 Das Problem: Wir müssen immer mehr von unserem Einkommen fürs Wohnen ausgeben

Die Hauspreise sind aktuell überdurchschnittlich hoch - das gilt für Großbritannien ebenso wie für Österreich. In manchen Städten sind sie sogar sieben Mal schneller gestiegen als das Einkommen. Gleichzeitig explodieren die Mieten in Metropolen wie San Francisco und New York City. Dort müssen die EinwohnerInnen fast die Hälfte ihres Einkommens für Miete ausgeben.

Das Versprechen “Wenn du nur hart genug arbeitest, kannst du dir ein Eigenheim leisten” stimmt nicht mehr, schreibt er. Immer weniger Menschen haben Eigentum im Vereinigten Königreich (UK) und das, obwohl das eigene Haus mit Garten dort in der Kultur tief verankert ist.

#2 Ursache: Das Land, auf dem die Häuser stehen, ist der eigentliche Preistreiber

Ryan-Collins schreibt, dass 81 Prozent der Preissteigerungen im anglo-amerikanischen Raum dadurch erklärt werden können, dass Grund und Boden immer teurer wird.

Warum, ist eigentlich logisch. Land ist ein Gut, das begrenzt verfügbar ist. Wenn immer mehr Menschen beispielsweise in London leben wollen, können Unternehmen nicht einfach mehr Land produzieren. Die Nachfrage wächst, das Angebot bleibt gleich - so steigen Preise am Markt.

#3 Ursache: Banken vergeben gerne Kredite für den Hauskauf

Banken vergeben gerne Kredite für den Hauskauf, weil sie der Erfahrung nach ziemlich sicher zurückgezahlt werden. Wenn du mit einem Kredit ein Haus kaufst, wirst du dich bemühen, den auch zu bezahlen. Du willst ja das Haus behalten. Falls das doch schief geht, hat die Bank immer noch die Immobilie und damit wenig zu verlieren.

Ryan-Collins kritisiert die Banken dafür. Denn sie investieren immer weniger in Unternehmen und neue Ideen. Also in Geschäfte, die tatsächlich Neues produzieren und einen Mehrwert schaffen.

#4 Folge: Das Vermögen wächst und wächst

Viele Menschen kaufen Häuser nicht, um in ihnen zu wohnen. Sie kaufen sie als Anlage, weil ihr Geld am Sparbuch an Wert verliert - als Immobilie aber an Wert zunimmt. Immobilien sind ein gutes und sicheres Investment.

Wer vor ein paar Jahrzehnten in London oder Wien ein Haus gekauft hat, musste gar nichts tun - nur zusehen, wie es immer mehr wert wird. Obwohl tatsächlich nichts passiert ist und sie nichts dafür tun, werden HauseigentümerInnen immer reicher.

Das ist super für die Menschen, die Eigentum besitzen. Allerdings steigen dadurch auch die Mieten und der Wohnmarkt gerät unter Druck. Das ist vor allem für junge Menschen, die normalerweise kein Eigentum haben, schlecht. Sie müssen immer höhere Mieten zahlen - und falls sie eine Wohnung kaufen wollen, höhere Kredite aufnehmen.

#5 Lösung: Wir müssen die Wertsteigerung besteuern

In seinem Buch beschreibt Ryan-Collins nicht nur die Probleme, sondern schlägt auch Lösungen vor. Die wichtigste ist die Grundstückswertsteuer (Original: land value tax).

Ein Beispiel dafür: Du kaufst ein günstiges Haus in einer abgelegenen Gegend. Die Stadt baut um die Ecke eine U-Bahn-Station. Durch die Lage wird dein Grundstück mehr wert, dein Vermögen steigt. Und das, obwohl du dafür gar nichts gemacht hast. Das ist entweder pures Glück oder eine klassische Spekulation. Solche Wertsteigerungen sollen besteuert werden. Wenn du allerdings das Haus renovierst, du also selber die Wertsteigerung veranlasst hast, sollst du nicht zahlen.

Das soll InvestorInnen davon abhalten, Immobilien aufzukaufen, weil sie darauf spekulieren, dass der Wert wie von alleine steigern wird. Langfristig sollen Häuser und Wohnungen wieder denen dienen, die darin wohnen.

#6 Lösung: Der Staat versorgt die Bevölkerung mit günstigem Wohnraum

Je mehr Immobilien eine Stadt besitzt und diese günstig vermietet, desto mehr Ausweichmöglichkeiten haben die BewohnerInnen. Wien ist trotz steigender Preise am Wohnungs- und Mietmarkt ein positives Beispiel.

Im Vereinigten Königreich hingegen verkaufte die frühere Premierministerin Margaret Thatcher 1,5 Millionen Häuser aus der öffentlichen Hand. Staatliche Wohnprogramme brachen daraufhin zusammen.

Ryan-Collins spricht sich für eine weitreichende Verstaatlichung von Boden und Immobilien aus, denkt aber, dass das in westlichen Demokratien politisch nicht möglich sein wird. Mit den Einnahmen der Grundwertsteuer will er wieder mehr sozialen Wohnbau fördern. Dadurch soll Wohnraum wieder leistbarer und weniger Spekulationsobjekt werden.

Fazit

Josh Ryan-Collins beschreibt in seinem Buch die Zusammenhänge von Banken, InvestorInnen, Kapitalismus und einem der wichtigsten Bedürfnisse des Menschen: Wohnen. Er macht ein schwieriges Thema gut greifbar.

Teilweise geht das Buch auf besondere Umstände in Großbritannien ein. Trotzdem ist es auch für Österreich wichtig. Bei den stark steigenden Preisen bei Kauf und Miete gibt es zum Beispiel viele Gemeinsamkeiten mit den Zuständen in Österreich. Und auch hier wird Wohnraum verstärkt als Geldanlage genutzt.

Die Stadt Wien fängt mit dem sozialen Wohnbau viele Menschen auf, die sich am privaten Markt keine Wohnung mehr leisten können. Das wird in Zukunft wohl noch wichtiger werden.

“Why Can’t You Afford a Home?” von Josh Ryan-Collins ist um rund 9 Euro als E-Book erhältlich.

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