Morgenmoment
/ 14. Januar 2022

Guten Morgen!

Vielleicht gehörst ja auch du zu der großen Gruppe an Menschen, deren Bedürfnisse bisher ignoriert wurden. Und vielleicht wunderst du dich beim Lesen des Newsletters auch etwas, dass du dazugehörst. Finde es heraus im heutigen Morgenmoment, geschrieben von Sebastian Panny.

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#1 Möchtest du das teilen?

Inflation ist nicht gleich Inflation. Denn die Gründe für die hohe Inflationsrate sind sehr unterschiedlich. Genauso wie ihre Auswirkungen. Denn nicht alle von uns sind von der Teuerung gleich stark betroffen. Wen die Folgen besonders stark treffen, erklärt dir Barbara Blaha in der ersten diesjährigen Ausgabe von "Moment Mal".

#2 Zahl des Tages

Auch für Unternehmer:innen waren die letzten zwei Jahre eine schwierige Zeit. Doch manche von ihnen haben auch von der Krise profitiert. Besonders die Unternehmen in der Gastronomie und Hotellerie haben viel mehr Förderung bekommen, als eigentlich notwendig gewesen wäre. Das zeigt eine Auswertung des Momentum Instituts. 

Dafür wurden die Fördergelder und Jahresbilanzen von 502 Unternehmen aus Gastronomie und Hotellerie analysiert. Drei Viertel davon konnten im Krisenjahr 2020 einen Gewinn erzielen. Bei etwas mehr als der Hälfte war der sogar höher als im Jahr zuvor. Insgesamt wurden alleine in diesem Bereich 103 Millionen Euro zu viel an die Unternehmen ausgeschüttet. Das liegt vor allem daran, dass sich die Förderungen an den Umsätzen des Vorjahres orientiert haben und nicht etwa an tatsächlich anfallenden Kosten. 

Diese Zahlen beziehen sich vor allem auf große und mittlere Unternehmen. Denn in der Transparenzdatenbank für die Förderungen sind immer noch nur Zahlungen an Betriebe angeführt, die über 100.000 Euro ausgemacht haben. Wie genau die Fördergelder verteilt wurden, kann also öffentlich nicht genau eingesehen werden.


Die genauen Zahlen und mögliche Lösungsansätze für zielgerichtete Förderungen kannst du hier nachlesen.

 

#3 Der Reihe nach

29 Frauen wurden 2021 in Österreich getötet. In jedem dieser Fälle war das Interesse von Öffentlichkeit und Medien groß. Auch die Politik bekennt sich regelmäßig zu Maßnahmen. Passiert ist bisher allerdings wenig: seit Jahren ist die Anzahl der ermordeten Frauen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung in Österreich konstant hoch.

Wie man erfolgreich gegen Gewalt an Frauen vorgehen kann, zeigt Spanien vor. Die Rate an weiblichen Opfern vorsätzlicher Tötung ist dort wesentlich niedriger als in Österreich. Geschlechterspezifische Gewalt ist in Spanien mittlerweile als nationales Problem anerkannt, das tiefgreifende Lösungen braucht. Die liegen einerseits in Gesetzen und Programmen, mit denen man betroffenen Frauen möglichst früh helfen und Gewalt verhindern kann. Seit Jänner 2022 erfasst Spanien außerdem als einziges EU-Land alle Formen von Femiziden.

Andererseits hat es aber auch ein gesellschaftliches Umdenken benötigt. Gewalt gegen Frauen ist eben kein Schicksal, sondern ein Versagen von Behörden, Politik und Gesellschaft. Und genau so sieht das die Mehrheit der Spanier:innen laut Umfragen mittlerweile auch. 
 

#4 Ignoriert

Nicht nur Menschen in der Stadt wollen mehr Fahrrad fahren als mit dem Auto. Am Land können sich zwei von drei Personen vorstellen, das Auto regelmäßig stehenzulassen und aufs Fahrrad zu steigen. Das sind genauso viele wie in der Stadt, wie eine Umfrage unter 4.000 deutschen Haushalten gezeigt hat.

Die Autoren der Studie zeigten sich davon überrascht. Denn der Ausbau des Radverkehrs wurde bisher vor allem im städtischen Raum als Alternative zum Auto gesehen. Die Ergebnisse zeigen aber laut den Forscher:innen, dass das Fahrrad in Zukunft auch am Land stärker in der Verkehrsplanung berücksichtigt werden muss.

Die Befragten nannten auch Bedingungen, unter denen sie das Auto stehen lassen und auf Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel umsteigen würden. Der wichtigste Punkt ist ein Ausbau der Infrastruktur und eine bessere Verknüpfung zwischen den öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch mit einem E-Bike würden die Menschen öfter mit dem Rad fahren. Jede:r Dritte kann sich überhaupt nicht vorstellen, auf das Rad zu wechseln. Dabei handelt es sich vor allem um Menschen über 70 Jahre.

Die Umfrage zeigt, dass Personen am Land genauso bereit für eine Verkehrswende wären, wie jene in der Stadt. Nur müssen die Voraussetzungen dafür eben passen und politisch geschaffen werden.
 

#5 Besser geht doch

Mehrere Milliarden Barrel Öl sollen laut Schätzungen vor den Küsten Grönlands lagern. Damit könnte die Insel viel Geld verdienen - doch der klimatechnische Preis dafür ist der autonomen Selbstverwaltung der Insel, die zu Dänemark gehört, zu hoch. Sie hat die Suche nach neuen Vorkommen daher verboten. 

Die Entscheidung berücksichtigt auch die Interessen von Tourismus und Fischerei. Zentraler Grund war aber der Schutz des Klimas, wie Rohstoffministerin Naaja H. Na­tha­niel­sen sagt: “Die Zukunft liegt nicht im Öl. Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien, und da haben wir viel mehr zu gewinnen.” Aktuell werden von zwei kleinen Unternehmen noch aktive Lizenzen zur Ölsuche gehalten, eine davon hat bereits eine Rückgabe angekündigt. Auch dem Abbau von Uran im Süden der Insel hat die Regierung nach langer Diskussion einen Riegel vorgeschoben. Der Abbau von anderen seltenen Erden soll jedoch weiter vorangetrieben werden - sofern es ökologisch vertretbar ist. 

Die Insel ist stark von der Klimakrise belastet. Die Eiskappe Grönlands wird immer dünner. Im Juli 2021 schmolz dort so viel Eis, dass eine Fläche im Ausmaß Floridas fünf Zentimeter hoch durch Schmelzwasser bedeckt werden könnte. Einen Monat später regnete es zum ersten Mal seit Wetteraufzeichnungen am Gipfel des grönländischen Eisschildes.

Einen guten Rutsch ins Wochenende

Sebastian

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