Auf dem Bild zu sehen ist eine Photomontage von zwei Händen mit medizinischen Handschuhen und verzerrten Statistiken zu Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland und Frankreich.

In anderen Ländern gibt es eine Statistik zu Abtreibung, in Österreich nicht. Auf dem Bild zu sehen sind die Zahlen für Deutschland und Frankreich.

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/ 25. November 2020

Abtreibung ist in Österreich in vielen Fällen straffrei - wie oft sie in Anspruch genommen wird, weiß aber niemand. Im Umgang mit Schwangerschaftsabbrüchen kann Österreich jedenfalls von anderen europäischen Ländern lernen.

Familienministerin Christine Aschbacher und Frauenministerin Susanne Raab (beide ÖVP) sprachen sich im Rahmen einer Initiative der kirchennahen Beratungsstelle "Aktion Leben" für eine Studie zu den Motiven von ungewollt Schwangeren und einer statistischen Erhebung der jährlichen Schwangerschaftsabbrüche aus.

Die Forderung nach einer Statistik zur Zahl der Schwangerschaftsabbrüche gibt es schon länger. In den letzten Jahren kommt sie vermehrt aus jenen Ecken, die Abbrüche verhindern wollen, anstatt den Zugang zu erleichtern. Zu dieser Fraktion gehört auch "Aktion Leben".

Motivforschung gibt es schon

Forschung über die Gründe, wieso sich Frauen für eine Abtreibung entscheiden, gibt es längst - eine Studie wurde sogar 2000 vom Frauenministerium selbst beauftragt.

Aber: Niemand in Österreich weiß, wie viele Abtreibungen es tatsächlich gibt. Schätzungen gehen von ein paar Zehntausenden jedes Jahr aus.

Eine Diskussion um eine Statistik verschleiert, dass es in viel drängendere Probleme gibt. Der Zugang zu Abtreibung ist in manchen Bundesländern denkbar schlecht. In Tirol gibt es etwa nur einen einzigen Arzt, der ungewollte Schwangerschaften abbricht. Zusätzlich sind Abbrüche teuer, sie kosten bis zu 650 Euro.

Abtreibung auf Krankenschein: Niederlande und Frankreich machen es vor

In Österreich fordern ExpertInnen und AktivistInnen seit Jahren, dass die Kosten einer Abtreibung von der Krankenkasse übernommen werden. Dafür haben sich vor der Nationalratswahl nur zwei Parteien ausgesprochen: die Grünen und die Liste Jetzt. Letztere schafften es nicht, in das Parlament einzuziehen. Die Grünen sind mittlerweile in der Regierung, gemeinsam mit der ÖVP, die sich traditionell gegen einen besseren Zugang zu Abtreibungen stemmt.

In andern Ländern Europas ist Abtreibung auf Krankenschein längst Realität. In den Niederlanden sind Abbrüche für alle kostenlos, die in dem Land leben. Auch in Frankreich haben ungewollt Schwangere kostenfreien Zugang zu Abtreibungen. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten. Zusätzlich haben Minderjährige Anspruch auf kostenlose Verhütung.

In diese Richtung geht auch ein Pilotprojekt der neuen rot-pinken Stadtregierung Wiens. Junge Menschen sollen Zugang zu kostenloser Verhütung und begleitender Beratung bekommen.

Kostenlose Verhütung für Minderjährige und GeringverdienerInnen lehnt die ÖVP bisher jedenfalls ab.

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