Gesundheit

So schwierig kann es in Österreich sein, an die passende Verhütung zu kommen

Zita F. hatte nach 15 Jahren genug von der Pille, sie wollte sich eine Spirale einsetzen lassen. Aber der Wechsel des Verhütungsmittels wurde zu einer kleinen Odyssee. Ihr Fall zeigt beispielhaft einige der Probleme auf, mit denen Frauen in Österreich bei der Suche nach dem passenden Verhütungsmittel konfrontiert sind.

Ihr halbes Leben lang hat Zita F. die Pille genommen. Mit 30 hat die Lehrerin aus Oberösterreich genug von den Hormonen. Sie recherchiert im Internet, spricht mit Freundinnen und ihrer Gynäkologin und beschließt, sich eine Goldspirale einsetzen zu lassen. Zehn Monate später, nachdem sie die „schlimmsten Schmerzen ihres Lebens“ erlebt und über 700 Euro ausgegeben hat, wendet sie sich an MOMENT.at: „Was ich erlebt habe, kann jede Frau zwischen 13 und 50 treffen“, sagt sie, „und das ist eine Zumutung.“

Sie findet, Österreich brauche einen einfacheren, besseren und kostengünstigeren Zugang zu (Langzeit-)Verhütung – das sei eine Frage der diskriminierungsfreien Gesundheitsversorgung und der Chancengleichheit für Frauen.

Problem 1: Die Schmerzen

Im Vorgespräch mit ihrer Gynäkologin hat Zita F. das Thema Schmerzen angesprochen. „Ich habe auch Abstriche immer schon als schmerzhaft und nicht nur als unangenehm empfunden, deswegen habe ich gefragt“, sagt sie. Die Ärztin habe ihr eine Tablette mitgegeben, die den Muttermund weicher machen solle, und ihr empfohlen, vor dem Eingriff diese Tablette und ein Schmerzmittel zu nehmen. „Darauf habe ich vertraut.“


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Aber der Termin bei ihrer Gynäkologin im September 2025 läuft nicht so wie gedacht. F. erlebt die Prozedur als extrem schmerzhaft, als „Tortur“, wie sie es formuliert. Es ist eine Erfahrung, die viele Frauen machen. Oft wird das Einsetzen einer Spirale als nur leicht schmerzhaft dargestellt. Aber viele Frauen berichten von unerträglichen Schmerzen. Auch Zita F. „Ich habe solche Schmerzen überhaupt noch nie erlebt“, sagt sie.

Ihr wird schwindlig und übel, die Gynäkologin muss den Eingriff abbrechen, „da hatte sie die Spirale noch nicht mal bei der Hälfte der ,Strecke‘, sie hat gesagt, der eigentlich schmerzhafte Teil wäre erst noch gekommen“. Den Vorschlag der Ärztin, es später nochmal zu versuchen, lehnt Zita F. ab.

Die Gynäkologin stellt ihr daraufhin eine Überweisung aus: In einem Krankenhaus könne F. den Eingriff unter Anästhesie vornehmen lassen. Eigentlich kann eine Spirale auch unter örtlicher Betäubung eingesetzt werden, aber soweit Zita F. sich erinnert, hat weder ihre Gynäkologin noch eine der anderen Personen, mit denen sie in den nächsten Wochen Kontakt hatte, je mit ihr über diese Option gesprochen.

Problem 2: Die Versorgungslage

Im nächstgelegenen Krankenhaus bekommt Zita F. gleich für den nächsten Tag einen Termin für ein Vorgespräch. Aber dort fühlt sie derart unwohl, dass sie sich gegen einen Eingriff dort entscheidet. „Im Wartezimmer hat mir eine Sprechstundenhilfe vor allen anderen Wartenden lautstark erklärt, von so einer Art von Eingriff hätte sie überhaupt noch nie gehört“, erzählt F. „Dann wurde mir auch noch die Patientinnenakte einer anderen Frau in die Hand gedrückt.“

Sie verlässt Spital Nummer eins und telefoniert noch vom Parkplatz aus im Auto sitzend weitere Krankenhäuser durch. Aber im zweiten Krankenhaus wäre der nächstmögliche Beratungstermin in drei Monaten, das dritte kann ihr für den Eingriff frühestens in vier Monaten einen Termin anbieten. Dann eine erfreuliche Nachricht: Klinik Nummer vier bietet ihr einen Termin für ein Vorgespräch zwei Tage später an.

Zita F., die als Lehrerin arbeitet, nimmt sich Sonderurlaub und fährt in die Klinik – nur um dort abgewiesen zu werden. Der Arzt sei sehr freundlich und empathisch gewesen, erzählt sie, aber er habe ihr erklärt, dass er gegen seinen Arbeitsvertrag verstoßen würde, wenn er ihr eine Spirale einsetzen würde – „weil die Klinik ein geistliches Haus sei und die katholische Kirche Maßnahmen zur Empfängnisverhütung nicht unterstütze“.

Im Jahr 2024 wurde laut einer Statistik des Sozialministeriums jedes fünfte öffentlich zugängliche Akutkrankenhaus in Österreich von geistlichen Orden oder Glaubensgemeinschaften betrieben. Finanziert werden aber auch diese Krankenhäuser durch die öffentliche Hand.

Der Arzt habe sich selbst darüber geärgert, dass ihr diese Information nicht schon bei der Terminvereinbarung gegeben wurde, sagt F. In seiner eigenen Privatpraxis wiederum habe er ihr den Eingriff unter Betäubung nicht anbieten können, weil dafür ein:e Anästhesist:in anwesend sein müsse. Erneut sitzt F. daraufhin auf einem Parkplatz und telefoniert. Aber wie in den Krankenhäusern Nummer zwei und drei müsste sie auch in Spital Nummer fünf mehrere Monate auf einen Termin warten. Von einer Freundin erfährt sie schließlich von der Möglichkeit, den Eingriff in einer Privatpraxis in Wien vornehmen zu lassen.

Problem 3: Die Kosten

Sie recherchiert, findet ein privates Institut in Wien, das ihr seriös und sympathisch erscheint, ruft dort an, ist überzeugt. Zweieinhalb Stunden Autofahrt nach Wien, zweieinhalb zurück. Immerhin der Eingriff selbst, sagt sie, sei dann sehr unkompliziert verlaufen. Zusätzlich zu den 100 Euro für die Spirale und den 420 Euro für das Einsetzen muss sie auch die Anästhesie privat bezahlen, das macht nochmal 150 Euro aus. Dazu die Fahrtkosten.

Für Zita F. war diese Summe machbar und „alternativlos“, wie sie sagt: „Recht viel Auswahl an sicheren, hormonfreien Methoden, bei der ich mich nicht auf den Mann verlassen muss, gibt es ja nicht.“

Für viele andere Frauen beeinflussen die Kosten die Entscheidung für oder gegen eine Verhütungsmethode, wie der Österreichische Verhütungsbericht des Gesundheitsministeriums 2024 zeigte. Gut 1.000 Frauen, intergeschlechtliche und nichtbinäre Personen im reproduktiven Alter wurden dafür befragt, drei Viertel gaben an, die Kosten seien ein (eher) wichtiger Faktor bei der Wahl ihrer Verhütungsmethode.

Auf die Frage, was sie ändern würden, wenn Verhütung kostenlos wäre, sagte nur rund die Hälfte der Befragten „nichts“. 17 Prozent gaben an, sie würden dann anders verhüten, und ganze 20 Prozent sagten, sie würden häufiger oder regelmäßiger verhüten oder überhaupt beginnen, zu verhüten. Hormonfreie Spiralen wären in diesem Fall für 22 Prozent der Befragten eine denkbare Methode – aktuell verwendet wurden sie nur von 8 Prozent.

Österreich ist einer von nur noch wenigen europäischen Staaten, in denen die Kosten für Verhütung komplette Privatsache sind. Ausnahmen gibt es nur für Menschen mit Endometriose oder durch vereinzelte Initiativen wie jene der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung, die armutsgefährdeten Menschen kostenlos oder sehr günstig die Spirale einsetzt.

In den meisten anderen europäischen Staaten hingegen übernimmt das Gesundheitssystem mittlerweile die Kosten für Verhütung und Verhütungsberatung zumindest teilweise oder für bestimmte Gruppen, etwa für arbeitslose oder für junge Menschen. Im „Contraception Policy Atlas“, den die NGO „European Parliamentary Forum for Sexual & Reproductive Rights“ jedes Jahr herausgibt, schneidet Österreich deswegen mittlerweile schlechter ab als alle anderen westeuropäischen Länder – und das trotz hervorragender Bewertungen in der Kategorie „Verfügbarkeit von Online-Information“.

Zita F. hat endlich ihre Spirale und ist zufrieden damit. Doch ein knappes halbes Jahr später bekommt sie einen Brief, der sie nochmal wirklich wütend macht. Ihre Krankenversicherung schickt ihr für den Besuch in jener Ordensklinik, die sie mit Verweis auf den „Schutz des Lebens“ abgewiesen hat, eine Rechnung in Höhe von 3,20 Euro.

Zita F. weigert sich zu zahlen und schickt ihre Beschwerde auch an MOMENT.at. Es gehe bei der Sache nicht nur um die paar Euro, schreibt sie: „Es geht um Respekt, um weibliche Rechte, um reproduktive Selbstbestimmung, um diskriminierungsfreie Gesundheitsversorgung.“ Auf ihre Beschwerde habe ihr die Krankenversicherung die 3,20 Euro erlassen, sagt sie. Eine weitere Reaktion habe sie nicht erhalten.


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