Wirtschaftsinformatiker der Universität Augsburg und der Supermarkt Penny zeigen „wahre Kosten“ von Lebensmittel.
Wirtschaftsinformatiker der Universität Augsburg und der Supermarkt Penny zeigen „wahre Kosten“ von Lebensmittel.
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/ 3. September 2020

Die Preise im Supermarkt sind zu billig. Was die Herstellung der Waren mit Umwelt und Menschen anstellt, dafür zahlen wir oft nicht. Ausgerechnet ein Discounter macht jetzt darauf aufmerksam.

Supermarktpreise berücksichtigen nicht die ökologischen und sozialen Folgekosten. Um auf die „wahren Kosten“ von Lebensmittel aufmerksam zu machen, gibt es jetzt in einem Berliner Penny auf einigen Produkten zwei Preisschilder. Neben dem Verkaufspreis werden auch die versteckten Zusatzkosten angeschrieben. Sie entstehen entlang der Lieferkette und der Produktion.

Biologische Waren mit weniger Folgekosten

Miteinbezogen wurden die Auswirkungen von Stickstoff, Klimagase, Energie und Landnutzungsänderungen. Dabei ist der Unterschied zwischen biologischen und konventionellen Produkte enorm. Die Preise der Lebensmittel würden dann durchschnittlich um rund 62 Prozent steigen, Bio-Produkte hingegen nur um rund 35 Prozent.

Bei Tomaten würde der Preisaufschlag zum Beispiel konventionell zwölf statt fünf Prozent im Bioanbau betragen. Zu dem Schluss kommen Wirtschaftsinformatiker der Universität Augsburg, die für das Experiment vier Indikatoren mit einberechnet haben.

Sie argumentieren, dass bisherige Preisdiskussionen zu Lebensmittelpreisen zu kurz greifen, denn die zwangsläufig entstehenden Folgekosten unseres Konsums werden nicht berücksichtigt: Weder im ökologischen noch im konventionellen Landbau.

Aktuell trägt Kosten die Gesamtgesellschaft

Dabei wurden andere Folgen gar nicht berücksichtigt. Etwa die Entstehung von multi-resistente Keime oder soziale Aspekte noch gar nicht in die Beispielrechnung einbezogen. Insgesamt ist die Berechnung externalisierter Kosten nicht so einfach. Aber Markus Wolterer von der Uni Augsburg hat in einem Dossier-Beitrag zum Thema ein Beispiel: 2011 hat das französische Landwirtschaftsministerium erfragt, wie viel es kostet, das geförderte Trinkwasser von Nitrat- und Pestizidrückständen zu reinigen, damit europäische Normen eingehalten werden können. Das Ergebnis: 1,6 Milliarden Euro.

Aktuell werden die wahren Kosten von Lebensmittelproduzenten verursacht, aber– indirekt – von der Gesamtgesellschaft getragen. Wir alle tragen aktuell zum Beispiel mit der Wasserrechnung die Folgekosten von den Produktionen mit. Die Beispiele im Berliner Penny zeigen den Konsumenten, welcher Preis tatsächlich für seine Lebensmittel derzeit schon anfällt - nicht an der Supermarktkasse, aber anderswo.

(Quelle)

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