Ein Flugzeug von der Laudamotion-Flotte
Laudamotion und vor allem die Muttergesellschaft Ryanair sorgen immer wieder für Negativ-Schlagzeilen. Sechs gute Gründe nicht mit dieser Airline zu fliegen.
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/ 3. Juni 2020

Laudamotion - die Tochter von Ryanair - sorgt seit Wochen für Schlagzeilen: Die MitarbeiterInnen der Fluglinie sollen nach Angaben der Gewerkschaft für Vollzeitjobs weniger verdienen, als sie an Mindestsicherung bekommen würden - oder es werden einfach alle gekündigt und der Standort Wien geschlossen. Das ist nicht die erste, unverschämte Drohung der Fluglinie. Wir haben dir sechs gute Gründe zusammengefasst, warum du sicher nicht mehr in den irischen Billigflieger einsteigen willst.

 

#1 Mit Vollzeitjob in die Armutsfalle

Es begann bereits vor Corona. Schon im März wurde vermutet, dass Ryanair den Wiener Standort von Laudamotion schließen will. Laut Gewerkschaft wird nun die Corona-Krise als Vorwand genommen, um ein beispielloses Lohn-Dumping zu betreiben. Wenn es nach Ryanair ginge, hätten FlugbegleiterInnen als Netto-Einstiegsgehalt 848 Euro bekommen sollen. Das ist weniger für einen Vollzeitjob, als die 917 Euro Mindestsicherung, die in Wien ausbezahlt wird. Auch den Co-PilotInnen sollte das Basisgehalt hätte gekürzt werden sollen. Und das, obwohl sie meist schon verschuldet ins Berufsleben einsteigen. Ihre Ausbildung kostet nämlich zwischen 80.000 und 100.000 Euro. Grundsätzlich geht es um rund 500 Arbeitsplätze (davon 200 LeiharbeiterInnen) - für die übrigens auch einfach Kurzarbeit beantragt werden kann. Eine staatliche Hilfe, die genau für Krisenzeiten gemacht ist, um Arbeitsplätze zu retten. Der Corona-Vorwand hält bei näherer Betrachtung also absolut nicht. Kein Wunder, dass die Gewerkschaft die Forderungen der Airline abgelehnt hat.

 

#2 Mit Jobs zur Demo gelockt

Ryanair versucht nun den schwarzen Peter der Gewerkschaft umzuhängen: Nur ihretwegen würden jetzt Menschen arbeitslos werden, die alle noch Jobs haben könnten! Zu einem skandalösen Einkommen zwar, aber hey, in Krisenzeiten heißt es schließlich: Friss oder stirb!

Tatsächlich hat am Dienstag ein kleiner Teil der Laudamotion-Belegschaft protestiert und sich damit gegen die eigene Gewerkschaft gestellt. Offenbar würden sie wirklich gerne ihren Job behalten - um jeden Preis!

Doch dann wurde ein Gruppenchat publik, der ein etwas anderes Bild zeichnet. MitarbeiterInnen wurden offenbar Jobs in Aussicht gestellt, um sie zu einer Teilnahme an den Demos zu motivieren:

#3 Betriebsrat sollte abdanken

Lauda-Betriebsratsvorsitzende Kerstin Hager ist fassungslos angesichts der Praktiken, die der Konzern betreibt: „Ich bin erschüttert, in welcher Form das Unternehmen die Belegschaft vor seinen Karren zu spannen versucht, um sie für seine Propagandazwecke zu missbrauchen.“ Hager hofft nach wie vor, dass alle Beteiligten an den Verhandlungstisch zurückkommen und doch noch eine Lösung gefunden wird. Eine weitere Bedingung von Ryanair ist übrigens auch, dass der aktuelle Betriebsrat abdankt. Weil er vielleicht seine Arbeit gut macht?

Immerhin hat es sich gelohnt, hier hartnäckig zu bleiben: Ryanair hat aktuellsten Informationen zu Folge nachgegeben: Flugbegleiterinnen sollen nun 1.440 Euro 14-mal im Jahr bekommen, Co-Piloten 2.000 Euro. Bei den Gehältern der Flugbegleiter sind das nun 44 Prozent und bei den Co-Piloten um 18 Prozent mehr, als Laudamotion zunächst vorgeschlagen hatte. Die Geschäftsführung will nun die MitarbeiterInnen über den neuen Kollektivvertrag abstimmen lassen, das soll übers Wochenende geschehen.

 

#4 Sicherheit wird hinten angestellt

Die Arbeiterkammer Niederösterreich hat bereits die “skandalösen Zustände” angeprangert, unter denen MitarbeiterInnen von Laudamotion angeblich arbeiten müssen. So werden angeblich TechnikerInnen “systematisch unter Druck gesetzt”, um Flugzeuge als flugtauglich freizugeben. So würden auch notwendige, teure Service-Wartungen umgangen werden.

Und was ist mit der Sorge um die Sicherheit der Fluggäste? Als es zu Beginn der Corona-Krise hieß, dass der Mittelsitz in Flugzeugen wegen der Infektionsgefahr frei bleiben muss, tobte Ryanair-Chef Michael O'Leary: "Wenn die Mittelsitze leer bleiben, werden wir überhaupt nicht mehr fliegen!" Drohungen, das kennen wir bereits. Tatsächlich lehnen sich viele Fluglinien gegen diese Maßnahme auf - es könnten dann schließlich viel weniger Tickets verkauft werden und am Ende müsste der Passagier den Preis zahlen. Derzeit soll es so gehandhabt werden, dass der Mittelsitz frei bleibt, sofern es die Auslastung des Fluges zulässt. Zwingend muss er nicht frei bleiben. Herr O’Leary hat in diesem Punkt also seinen Willen durchgesetzt. 

 

#5 Passagiere werden gemolken

Von wegen “billig”. In den vergangenen Jahren sind immer wieder Berichte aufgetaucht, wie dreist Ryanair PassagierInnen zur Kassa bittet. Teure Snacks, versteckte Gebühren für das Handgepäck, saftige Aufpreise für schweres Gepäck - das sind altbekannte Tricks. Auch will Ryanair den Passagieren die Ticketpreise für die Flüge, die aufgrund der Corona-Krise ausgefallen sind, nicht rückerstatten. Deshalb hat bereits ein Fluggastrechtsportal Klage eingereicht.

Michael O'Leary macht kein Geheimnis aus seinem Motto: “Wir werden für alles Geld verlangen, für das man Geld verlangen kann.” Ryanair und Laudamotion sind kreativ, beim Rechnungstellen: Für den Check-in am Schalter wurden mitunter bis zu 55 Euro pro Person und Strecke verrechnet - auch wenn der Online-Check-in einfach nicht funktioniert hat. In der Vergangenheit ließ O'Leary sogar damit aufhorchen, dass er Geld fürs Klogehen an Bord verlangen will, oder Aufpreise für übergewichtige Passagiere. Später tat er diese Aussagen als “Witz” ab. Ob es wirklich nur lustig gemeint war, oder nur sämtliche Gesetze und EU-Richtlinien ihn seine spaßigen Ideen einfach nicht umsetzen ließen?

All die Rechnungen sind übrigens wirksam. Milliardär O'Leary rühmt sich und seine Fluglinie in der Vergangenheit damit, so lukrativ wie das Drogengeschäft zu sein. Dass Ryanair seine MitarbeiterInnen so schlecht bezahlt, scheint also keineswegs nötig.

#6 Weltweit negativ aufgefallen

Auch in anderen Ländern hat sich Ryanair nicht gerade mit Ruhm gekleckert: In Frankreich musste der Billigflieger 8,1 Millionen Euro Schadensersatz wegen Schwarzarbeit auf dem Flughafen Marseille zahlen. Der irische Billigflieger hat für die 127 MitarbeiterInnen die Sozialabgaben in Irland bezahlt und nicht in Frankreich, wo die Kosten um das vierfache höher sind. Ryanair hatte vor Gericht argumentiert, dass es sich in Marseille nur um einen operativen Stützpunkt und keine feste Niederlassung handelt - der Richter hat das jedoch anders gesehen. Die Anwälte der Airline meinten, dass bewusst versucht werde, eine "Karikatur einer bösen Fluggesellschaft zu zeichnen". Diese malt Ryanair jedoch mit den buntesten Farben selbst aus.

 

Na, hast du nach dieser Lektüre noch Lust in einen Flieger von Ryanair oder Laudamotion zu steigen? 

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