Coverfoto von Kathrin Hartmanns neuem Buch "Grüner wird's nicht".
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/ 22. April 2020

In der Klimakrise kommt die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit zu kurz. Das sagt Kathrin Hartmann in ihrem neuen Buch “Grüner wirds nicht”. Darin schreibt sie, dass wir ökologische, soziale und Machtfragen miteinander verbinden müssen und wie das Erstarken der Rechten mit der Klimakrise zusammenhängt.

Das sind ihre fünf wichtigsten Argumente:

 

#1 Klimaschutz geht nicht ohne die soziale Frage

Die Klimakrise ist kein rein ökologisches Problem, sondern auch eine Klassenfrage. Bei der Klimabewegung werden bestimmte Gruppen ausgeschlossen. Geschäfte, die nachhaltige Produkte anbieten, locken in erster Linie Besserverdienende an. Finanziell schwächere Menschen können sich diese nicht leisten. So werden KonsumentInnen in “gut” und “böse” eingeteilt. Als Letztere werden aber nicht reiche, sondern ärmere Menschen bezeichnet. Die Ökobewegung habe den Umweltschutz lange von der sozialen Frage getrennt betrachtet. Denn Umweltschutz kann gut in den Kapitalismus integriert werden, wenn Macht- und Eigentumsverhältnisse davon getrennt betrachtet werden. 

#2 “Klimabesorgte Klimasünder”: Kapitalismus in Grün

So sei es nicht überraschend, dass Wohlhabende das höchste Umweltbewusstsein hätten. Gleichzeitig haben genau jene Gruppen den größten ökologischen Fußabdruck. Das deutsche Umweltbundesamt nennt diese BürgerInnen "Klimabesorgte Klimasünder". Diese sind vermögend und gebildet und können sich Bio-Lebensmittel leisten. Doch ansonsten pflegen diese einen Lebensstil mit viel Verbrauch - Fernreisen inklusive. Diese würden oft Grüne Parteien wählen, und stünden zwar für Klimaschutz, würden aber nichts an dem bestehenden System ändern wollen. Auch der Fridays for Future Bewegung wird oft vorgeworfen, elitär zu sein. Tatsächlich gehören viele der Bewegung der Mittelschicht an, Kinder von ArbeiterInnen sind nur wenige dabei. Doch die Bewegung hat ein kapitalismuskritisches Verständnis entwickelt und weiß, dass die Forderungen nach Klimagerechtigkeit und sozialer Gerechtigkeit miteinander verbunden werden müssen. 

#3 Persönlicher Verzicht wird uns nicht retten

In unserer Gesellschaft hat sich laut Hartmann die Annahme durchgesetzt, dass wir die Welt vor allem mit individuellem Verzicht retten können (“Was du als Einzelperson wirklich für das Klima tun kannst”). Aspekte wie Verteilungsverhältnisse werden dabei ausgeblendet. Doch im Kapitalismus sei Verzicht einfach nicht vorgesehen. Das Motto dabei ist: Viel kaufen und viel wegwerfen. Teure, ethische “Wohlfühlprodukte” gibt es bereits in sämtlichen Supermärkten, doch es ist kaum überprüfbar, wie vorteilhaft diese tatsächlich sind. Dazu müssten alle Lebensphasen von der Produktion bis zur Entsorgung überprüft werden. Deswegen sei es problematisch, den Konsum zu moralisieren. Die meisten Produkte, die wir täglich nutzen, von Kleidung über Nahrung bis Smartphones, bringen Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen mit sich. Dabei stellt sich auch die Frage, warum die Verantwortung den VerbraucherInnen zugeschoben wird, während Regierungen und Großkonzerne sich den Problemen, die sie kreieren, nicht stellen.

#4 Eine Konzentration auf CO2-Reduktion wird uns mehr schaden als helfen

Viele Regierungen sehen als wirksamstes Mittel gegen Treibhausgase eine höhere Co2-Steuer. Die Idee dahinter: Wenn klimaschädliches Produzieren und Konsumieren teurer wird, werden Industrie und die Bevölkerung von selbst ihren Treibhausgas-Ausstoß senken. Der Markt regelt’s, lautet hier die Devise. VertreterInnen dieser Idee haben nicht verstanden, dass wir uns bereits mitten in der Krise befinden. Der Co2-Ausstoß ist keine Frage von individueller Moral, die Ursache der Krise ist die Wirtschaft, die immer weiter wachsen muss. Aspekte wie Machtverhältnisse und Wettbewerb werden nicht berücksichtigt. Hartmann nennt diese Co2-Steuern “Verschmutzungsrechte”. Diejenigen, die genug Geld besitzen, können sich die Lizenz zur Umweltverschmutzung kaufen. Und genau die reichsten 10 Prozent sind für 49 Prozent der Emissionen weltweit verantwortlich. 

#5 Die Gefahr des Ökofaschismus

Von Brasilien über Großbritannien bis Australien: Politisch gesehen erleben viele Länder der Welt einen Rechtsruck. Rechtsextreme und rechtskonservative Parteien finden immer mehr Zuspruch. Eine Gemeinsamkeit der Rechten ist die Leugnung der Klimakrise. Donald Trump hält diese eine Erfindung von China, Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro kündigte bereits in seinem Wahlkampf an, sämtliche Natur- und Indigenenschutzgebiete zu missachten. In Europa stimmte die FPÖ, die britische UKIP, die AfD und viele weitere rechte Parteien gegen fast alle Klimaschutzgesetze. Ihre AnhängerInnen erklären Klimaschutz zu einer “Ökodiktatur”, verbreiten übergriffige Kommentare und Fake-News zu Greta Thunberg und der Fridays for Future-Bewegung. Ein anderes gefährlicheres Gedankengut ist der sogenannte “Ökofaschismus”. In rechtsextremen Netzwerken werden armen Menschen und MigrantInnen zu den größten KlimasünderInnen ernannt. Es wird verbreitet, dass eine “Überbevölkerung” einer der Hauptgründe für die Klimakatastrophe sei (ist sie nicht). Die Menschheit ist laut diesen Netzwerken zwar für den Klimakrise und das Artensterben verantwortlich. Die wahren Ursachen der Krise und die globalen Machtverhältnisse werden aber ignoriert.

Fazit

Katrin Hartmann schafft es in ihrem Buch, uns vor Augen zu führen, welche wichtigen Aspekte im Klimaschutz zu kurz kommen. Sie entkräftet Ideen, von denen viele noch denken, dass diese die Welt retten können: Individueller Verzicht und ethischer Konsum im System Kapitalismus. Mit ihrem Ansatz wird klar, dass die ökologische Frage bisher von anderen Problemen getrennt betrachtet wurde. Der Ruf nach sozialer Gerechtigkeit und die Berücksichtigung von Machtverhältnissen spielen in der Klimakrise also noch keine so große Rolle, sind aber immens wichtig. Denn der Einsatz für den Klimaschutz sollte alle einbeziehen, vor allem die, die am stärksten von der Krise betroffen sein werden. 

Grüner wird's nicht von Kathrin Hartmann ist für etwa 14 Euro erhältlich.
 

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