Die meisten Kinder essen aufgewärmtes Essen von großen Catering-Firmen. Foto: Gourmet
Die meisten Kinder bekommen aufgewärmtes Essen von großen Catering-Firmen aufgetischt. Foto: Gourmet
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/ 14. September 2020

"Wir haben Schöpflöffel so groß, dass Kinder sie wie Hüte aufsetzen können", sagt Claudia Ertl-Huemer. Sie ist beim Caterer Gourmet für das Schulessen zuständig. 80.000 Portionen werden in deren Küchen an einem normalen Tag an 2.700 Schulen und Kindergärten geliefert. Gourmet gehört zu den wenigen großen Unternehmen, die den österreichischen Markt beherrschen. Zehntausende Kinder essen vom Kindergarten bis zum Schulabschluss Gourmet-Speisen.

Auch Antonias Kind bekommt zu Mittag Essen von Gourmet. "Das Schulessen wird unter den Eltern kontrovers diskutiert", sagt sie. "Was gutes Essen ausmacht, da scheiden sich die Geister." Die Qualität sei in Ordnung, allerdings würden an der Schule viele Lebensmittel weggeworfen, weil etwa zu jedem Menü ein Beilagensalat geliefert wird. Auch wenn aus der Erfahrung klar sei, dass ihn die Kinder nicht essen würden.

Anders sieht es in einer privaten Volksschule in Hietzing aus. "Der Koch bereitet jeden Tag frische Speisen zu, alles vegetarisch. Mein Sohn liebt das Essen", sagt Fitore. Für sie war das Essen ein wichtiges Kriterium bei der Wahl der Schule.

Der Träger der Schulen und Kindergärten gibt vor, welche Kriterien das Essen erfüllen muss. Das kann der Bund sein, das Land oder eben die einzelnen Gemeinden. Dazu kommen die privaten Einrichtungen. Das führt dazu, dass die Qualität des Essens stark schwankt. Doch was macht gutes Essen für Kinder überhaupt aus?

#1 Gesund soll es sein

"Frisch gekocht ist tendenziell am besten", sagt Ernährungswissenschaftlerin Melissa Millonig, die auf die Ernährung von Kindern spezialisiert ist. Aber: "Wenn etwa eine Schulköchin wenig Ahnung von schonender Zubereitung hat, hilft es auch nicht, dass sie frisch kocht." Nur die wenigsten Kindergärten und Schulen kochen selbst frisch. Das Mittagessen wird gekühlt oder tiefgefroren angeliefert und für die Kinder nur noch aufgewärmt.

Unternehmen wie Gourmet richten sich nach recht strengen Kriterien, was die Zubereitung und die Zusammensetzung ihrer Speisen betrifft. Jedes Jahr wird überprüft, ob sie alle Auflagen zur Hygiene und Lebensmittelsicherheit einhalten. “Von den großen Caterern weiß ich, dass ganze Teams an der Qualität des Essens arbeiten”, sagt Millonig.

Sie hält viele Workshops an Schulen und weiß, dass viele Kinder zu Hause einseitig ernährt werden: “Manche essen in meinem Workshop zum ersten Mal einen frischen Paradeiser." Umso wichtiger ist es, was in der Schule auf den Mittagstisch kommt.

Für MOMENT analysiert Millonig Musterspeisepläne von österreichischen Caterern, nämlich Gourmet, Max-Catering und Mittella. Ihr Fazit: Insgesamt etwas zu oft Fleisch, einzelne Tage sind fettlastig, insgesamt scheint der Speiseplan aber abwechslungsreich. "Im Idealfall würde ich mir die Rezeptur der einzelnen Speisen ansehen. Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, wie hoch der Gemüseanteil bei den Speisen ist", sagt Millonig.

#2 Möglichst umweltschonend

In den Speiseplänen gab es jeden Tag zumindest ein Fleischgericht zu Auswahl. "Der Konsum von Fleisch ist ein massives Problem für das Klima. Auch aus gesundheitlichen Gründen sollten Kinder nicht jeden Tag Fleisch essen", sagt Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace.

Die NGO hat 2018 erhoben, wie es um da Schulessen in den drei größten Gemeinden aller österreichischen Bundesländer steht. Die Kriterien: Regionalität, Bio-Anteil und Häufigkeit von fleischlosen Speisen.

Die Ergebnisse zeigen, wie groß die Unterschiede auch innerhalb der Bundesländer sind. Zum Beispiel im Burgenland: Eisenstadt etwa schnitt bei zwei von drei Kriterien gut ab, der Anteil der biologischen Lebensmittel war bloß mittelmäßig. Oberwart erreichte nur bei den fleischlosen Mahlzeiten eine gute Bewertung, die Regionalität war mittelmäßig und der Bio-Anteil unzureichend.

Insgesamt stolpern die meisten Gemeinden über den Bio-Anteil. Regionale Lebensmittel werden wiederum in den meisten Gemeinden oft serviert.

Weil die Zuständigkeiten so unterschiedlich sind, sieht Theissing-Matei “einen undurchsichtigen Fleckerlteppich an Kriterien". Er fordert einheitliche Regelungen für alle öffentlichen Bildungseinrichtungen - zumindest im Land, besser noch im Bund. "Die öffentliche Hand hat hier eine große Verantwortung.”

#3 Aus der Nähe

Greenpeace untersuchte auch, woher das Essen kommt - den Transport, aber auch die regionale Beschaffung: “Wir sind der Meinung, dass sich die öffentliche Hand bemühen sollte, diese Strukturen zu fördern", sagt Theissing-Matei.

Gourmet, der große Caterer, liefert zum Beispiel in alle Bundesländer und sogar nach Süddeutschland. Die Küchen sitzen aber in Wien und St. Pölten. Das Essen muss also teilweise einen ganz schön weiten Weg zurücklegen, bis es auf den Tisch kommt.

In Wels kommt das Schulessen sogar aus Deutschland. Im Greenpeace-Bericht schnitt die Stadt besonders schlecht ab. Daraus entbrannte eine Diskussion in der Stadtregierung, die Verantwortung wurde hin- und hergeschoben. Im Jahr 2019 wurde der alte Lieferant neu beurteilt. Bemängelt wurden die Zusammensetzung der Nährstoffe, fehlende Regionalität und Saisonalität.

Trotzdem behielt der deutsche Caterer Sodexo den Auftrag. Auf Anfrage heißt es: "Bei der Stadt Wels gab es seit Monaten keine negativen Rückmeldungen seitens der Eltern und Pädagogen."

#4 Leistbar für alle

Ein Grund, wieso Schulen auf große Caterer zurückgreifen sind die Kosten. "Bei uns kostet ein Menü je nach Anzahl der Gänge und der Portionsgröße 2,5 bis 4 Euro", sagt Ertl-Huemer von Gourmet.

Eine deutsche Studie zeigt, dass es kaum einen preislichen Unterschied zwischen hochwertigen Essen, das in der Schule selbst gekocht wird, und einem der großen Anbieter gibt. Auch Theissing-Matei denkt, dass mehr Bio für weniger Geld möglich ist. "Bei Obst und Gemüse ist der Preisunterschied deutlich kleiner als bei Fleisch. So könnte bei gleichem Preis mehr Bio-Gemüse auf den Teller kommen", sagt er.

In Europa gibt es einige Städte und Länder, die Essen an Schulen und Kindergärten kostenlos zur Verfügung stellen. Dazu gehören Finnland, Berlin und Kopenhagen. Die dänische Hauptstadt ist in Sachen Gemeinschaftsverpflegung Vorbild. Frisch, zu 90 Prozent Bio und die SchülerInnen stehen sogar selbst in der Küche.

Berlin zog im vergangenen Jahr nach. Allerdings scheint das Konzept noch nicht völlig ausgereift zu sein. Viel mehr Kinder essen nun in der Schule, weil es kostenlos ist. Die Mensen platzen aus allen Nähten un die Kinder haben teilweise nur 15 Minuten Zeit, um ihren Teller zu leeren, dann ist die nächste Mittagsschicht dran. Eine bessere Ernährung für alle Kinder braucht also nicht nur Geld, sondern auch gute Planung.

Auch in Österreich tut sich etwas. Seit Beginn des neuen Schuljahres ist etwa das Essen an verschränkten Ganztagsschulen der Stadt Wien für Kinder kostenlos. Davon profitieren 70 Schulen. Das ist allerdings nur ein kleiner Teil der rund 700 öffentlichen und privaten Schulen der Stadt. Dort bezahlen weiterhin die Eltern das Essen.

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