Wie Unternehmen Mitarbeiter:innen bei häuslicher Gewalt schützen können
Forscher:innen der WU fordern konkrete Maßnahmen von Arbeitgeber:innen, um Mitarbeiter:innen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, zu unterstützen.
Etwa jede siebte Frau im Alter von 18 bis 74 Jahren in Österreich hat in ihrem bisherigen Leben körperliche Gewalt in der Partnerschaft erfahren. Eine von drei Frauen in der EU (30,7 %, in Österreich 35,7 %) hat im Laufe ihres Lebens körperliche Gewalt, Drohungen und/oder sexualisierte Gewalt erlebt. Weltweit hat jede vierte Frau, die jemals verheiratet oder in einer Partnerschaft war, mindestens einmal körperliche und/oder sexualisierte Gewalt durch ihren aktuellen oder ehemaligen Partner erfahren.
Sexualisierte und häusliche Gewalt enden zu oft auch tödlich. Allein heuer wurden in Österreich bereits 15 Frauen durch Femizide getötet. Es wurden bereits 45 Fälle schwerer Gewalt gemeldet.
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So diskriminierend ist Österreichs Arbeitsmarkt
Die Diskrminierungen, die Frauen am Arbeitsmarkt erleben, äußern sich auf verschiedenen Ebenen. Zum einen bekommen Frauen in Österrich im Durchschnitt 18,4 % weniger Lohn oder Gehalt als Männer. Der sogenannte Gender-Pay-Gap ist in fast keinem anderen europäischen Land so hoch.
Zudem arbeiten Frauen überproportional oft in prekären Beschäftigungsverhältnissen. Diese Branchen, wie zum Beispiel der Gesundheits- und Sozialbereich, der Handel und der Bildungsbereich sind nicht nur schlecht bezahlt, sondern gehen häufig mit zusätzlichen Belastungen einher: Ungeregelte Arbeitszeiten, große Verantwortung, körperliche Anstrengung.
Außerdem arbeiten Frauen häufiger Teilzeit - und das oft nicht freiwillig. In einer Umfrage des Momentum Instiuts gab fast die Hälfte der befragten Frauen an, dass sie wegen der Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen Teilzeit arbeiteten. Andere Gründe sind Ausbildung, familiäre oder persönliche Gründe, weil keine Vollzeitstelle angeboten wird, Krankheit oder Behinderung. Das Problem: Wer wenig Erwerbsarbeit nachgeht und damit wenig Einkommen hat, zahlt auch weniger ins Pensionssystem ein und kriegt im Alter weniger Geld.
In Österreich gilt jede fünfte Frau ab dem Alter von 65 Jahren von Armut gefährdet. Im Durchschnitt erhalten Frauen in Österreich um knapp 40 Prozent weniger Pension als Männer.
„Zusätzlich zum überproportionalen Anteil an der unbezahlten Betreuungsarbeit, die Frauen im Haushalt leisten, bedeuten diese strukturellen Ungleichheiten oft, dass Frauen finanziell abhängiger und stärker von häuslicher Gewalt gefährdet sind und missbräuchliche Beziehungen nur schwer verlassen können“
Unternehmen tragen Verantwortung bei häuslicher Gewalt
Laut Romo Pérez und Knappert kann der Berufsalltag für Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, besonders herausfordernd sein. Der Missbrauch seitens des Partners oder Ex-Partners kann zu Fehlzeiten, vermehrte Krankenstände, Arbeitsunterbrechungen und Konzentrationsschwierigkeiten führenn. Das erhöht wiederum das Risiko, den Job zu verlieren, und tiefer in die Abhängigkeit zu rutschen.
Daher fordern Romo Pérez und Knappert von Arbeitgeber:innen konkrete Maßnahmen, um Mitarbeitende, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, zu unterstützen. Dabei sollen die Hilfsangebote über reine Sensibilisierungskampagnen hinausgehen. Stattdessen braucht es konsequente Unterstützungsangebote im Arbeitsalltag, die fix in der Unternehmenspraxis verankert sind. Beispiele gibt es bereits in anderen Ländern.
In Irland haben Betroffene seit November 2023 gesetzlichen Anspruch auf fünf bezahlte Tage Domestic Violence Leave pro Jahr. In Spanien haben Betroffene , gesetzlichen Anspruch darauf, Arbeitszeit zu verringern oder neu zu ordnen; den Arbeitsort zu wechseln; sowie unter bestimmten Voraussetzungen das Arbeitsverhältnis auszusetzen, wobei der Arbeitsplatz für die Betroffene geschützt ist. Gewaltbedingte Abwesenheiten oder Verspätungen gelten in manchen Fällen als gerechtfertigt und werden bezahlt.
Wenn Unternehmen zu diesem Thema schweigen, sehen Romo Pérez und Knappert das als ein Abgeben ihrer Verantwortung. Und das gerade in einem Bereich, wo sie die Betroffenen erheblich unterstützen könnten.
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