Wie kommen Konzerne durch die Krise

John Unwin

/
/ 28. Mai 2021

Krisen zeigen nicht nur die Ungleichheiten in der Gesellschaft auf, sie verstärken sie auch. In der Corona-Krise war das nicht anders. Das Momentum Institut hat für eine Recherche bei 17 Börsenkonzernen nachgefragt, die im ATX-Index zusammengefasst sind. Wir haben zusammengefasst wie man als börsennotierte Firma durch eine Pandemie kommt:

1. Gewinne ausschütten

Die Corona-Pandemie hat für die meisten Unternehmen schwere Einnahmeneinbußen bedeutet. - Aber was für die Unternehmen gilt, muss nicht für die AktionärInnen gelten: Für 2020 bis 2021 sind 4.2 Milliarden Euro an Gewinnausschüttungen an AktionärInnen österreichischer ATX-Unternehmen geplant.

Wie ein Unternehmen Dividenden an TeilhaberInnen ausschüttet, muss nicht damit zu tun haben, wie erfolgreich das Unternehmen tatsächlich war. Mit sogenannten „Buy-Backs“, kaufen sie einfach ihre eigenen Aktien zurück und steigern damit die Nachfrage und so auch den Wert der Aktie. Der Wertzuwachs kann dann an AktionärInnen verteilt werden, auch wenn die Hälfte der Belegschaft gerade in Kurzarbeit ist. Die OMV hat für dieses Jahr sogar höhere Gewinnausschüttungen als im Vorjahr geplant.

2. Staatshilfen kassieren

Die Unternehmen mussten ja nicht nur mit ihren Finanzgewinnen über die Runden kommen, sondern haben in den letzten anderthalb Jahren auch einiges an Staatshilfen erhalten. Neben der Unterstützung in Form der Kurzarbeit wurde vor allem die Investitionsprämie in Anspruch genommen. Nur 4 der 17 befragten Unternehmen haben angegeben, dass sie Kurzarbeit für ihre MitarbeiterInnen beansprucht haben, 11 von 12 haben eine Investitionsprämie bezogen.


Bei der Nachfrage, wie viel sie an Staatshilfen bekommen, antworteten 4 von 17 Unternehmen gar nicht. Eine genaue Auskunft über die Höhe der bezogenen Hilfe gab es nur von der Telekom Austria: 418.000 € in Form der Investitionsprämie. Bis die Regierung die Zahlen öffentlich macht, können wir über viele Hilfen also nur spekulieren.

 

3. Steuern vermeiden

15 der 17 befragten Unternehmen haben Tochterunternehmen in Niedriegsteuerländern. Das heißt sie können ihre Gewinne einfach ins Ausland verschieben und zahlen dort viel niedrigere Steuern, während die österreichischen SteuerzahlerInnen, die Kurzarbeit und Investitionsprämie finanziert haben. Die Steuersümpfe befinden sich nicht nur im tropischen Ausland, auch innerhalb der EU wird Steuerzahlerin gegen Steuerzahlerin ausgespielt (Eine globale Mindeststeuer könnte da Abhilfe leisten).

Mit Gewinnausschüttung, Staatshilfen und Steuervermeidung sind ATX-Unternehmen gut gerüstet durch die Krise gekommen und sollten die besten Bedingungen haben, um neue Investitionen zu tätigen und dringend gebrauchte Arbeitsplätze zu schaffen. Warum also 12 von 17 ATX-Unternehmen Stellen abgebaut haben, aber 11 von ihnen zeitgleich Gewinne an AktionärInnen ausgeschüttet haben bleibt fraglich.

Das Momentum Institut empfiehlt folgende Verbesserungen für die Politik:

  • Transparente und eindeutige Berichterstattung über den Erhalt bzw. die Antragsstellung für öffentlicher Gelder in Jahresberichten: Zum Beispiel durch verpflichtendes Einzelausweisen der erhaltenen/beantragten Gelder im Rahmen der Kurzarbeit, der Investitionsprämie und des Umsatzersatzes
  • Für mehr Transparenz der Steuerpraktiken von international tätigen Konzernen ist die Veröffentlichung des „Country-by-country reporting“ notwendig
  • Instrumente wie umsatzorientierte Steuern oder Gesamtkonzernbesteuerung („Unitary Tax“), um gegen Steuervermeidung vorzugehen

Dir gefällt unsere Arbeit?

Das freut uns! Wir sind unabhängig von Parteien und Konzernen. Unterstütze unsere Arbeit mit deiner SPENDE. Jeder Beitrag, ist er noch so klein, ist wichtig!

Fünf wichtige Themen in nur drei knackigen Minuten. Hol dir deinen täglichen Morgenmoment per E‑Mail!

Ich bin einverstanden, einen regelmäßigen Newsletter zu erhalten. Mehr Informationen: Datenschutz.