Dritte Impfung und Booster gegen Corona: Welcher Impfstoff ist der Richtige?

Dritte Impfung und Booster gegen Corona: Welcher Impfstoff ist der Richtige?

/ 15. November 2021

Gegen Corona wird eine dritte Impfung notwendig. Wir beantworten für dich die wichtigsten Fragen dazu. Unter anderem: Welchen Impfstoff sollte ich für die Booster-Impfung wählen?

Was ist eine Booster-Impfung?

Bei einer dritten Impfung wird das Immunsystem deines Körpers auf einen Feind eingestellt, den es eigentlich bereits kennt. Wer zum Beispiel bereits gegen ein Virus geimpft wurde oder von einer Infektion genesen ist, kann mit der Zeit den Schutz durch die Immunantwort verlieren. Eine Booster-Impfung - geläufiger war bisher bei anderen Impfungen vielleicht der Begriff “Auffrischung” - lässt die Immunantwort des Körpers wieder erstarken. 

Auffrischungs-Impfungen gibt es nicht nur gegen Corona, sondern bei vielen anderen Impfungen. So wird in Österreich empfohlen, sich als Erwachsener alle fünf Jahre gegen FSME oder alle zehn Jahre gegen Diphterie, Tetanus, Keuchhusten und Polio impfen zu lassen

Warum braucht es eine dritte Impfung gegen Corona?

Die Wirksamkeit der Corona-Impfungen ist in den Monaten nach der Vollimmunisierung sehr hoch und verhindert auch gegen die ansteckendere Delta-Variante etwa 80-90 Prozent der Infektionen. Nach einigen Monaten verschwindet der Schutz auch nicht komplett, allerdings nimmt er deutlich ab. Deshalb ist es ratsam, die Immunantwort des Körpers wieder zu stärken. Studien u.a. aus Israel haben gezeigt, dass die Abwehr der Corona-Viren dadurch wieder deutlich gestärkt wird.

Wie lange wirken die Corona-Impfstoffe gut?

Die Wirkung aller Corona-Impfstoffe nimmt im Verlauf der Zeit ab. Eine schwedische Studie mit 1,7 Millionen untersuchten Datensätzen von Geimpften hat untersucht, wie sich die Wirksamkeit bei Pfizer/Biontech, Moderna und AstraZeneca sowie einer Kreuzimpfung aus einem AZ-Dosis und einem mRNA-Impfstoff entwickelt. (Johnson/Johnson fehlt in der Studie. Zur Annäherung kann man bedenken, dass es technologisch ein recht ähnlicher Impfstoff wie der von AstraZeneca ist). Die Ergebnisse sieht man in der nächsten Grafik.

(Anmerkung zur Grafik: Schweden hat mit Abstand am meisten Menschen mit Pfizer/Biontech geimpft, die Zahlen der Studie sind deshalb für diese Impfung präziser. Mit zunehmendem Zeitverlauf werden die "Schwankungsbreiten" bei allen Impfungen größer. Der Konfidenzintervall für Pfizer bei 61-120 Tagen liegt etwa bei 84-85%, der bei AstraZeneca nach über 180 Tagen aber zum Beispiel zwischen -97% und +28%. Die Werte können deshalb nur eine Annäherung darstellen.)

Was bringt mir persönlich eine dritte Impfung?

Wenn du deine Auffrischungs-Impfung gegen das Corona-Virus mindestens 120-Tage nach der Vollimmunisierung erhältst, verlängerst du damit deinen Status als Geimpfte:r für den Grünen Pass. Für den Zeitraum der Pandemie bringt dir das nicht nur mehr Schutz gegen Infektionen und Erkrankung und vor der Weitergabe des Virus, sondern gibt dir das mehr Freiheiten im Leben.

Wann sollte ich die Booster-Impfung bekommen?

In der Regel kannst du in Österreich 120 Tage (teils früher, siehe Anmerkungen zu den einzelnen Impfstoffen) - also etwa vier Monate - nach deiner Vollimmunisierung einen Booster bekommen. Für Menschen, die mit Johnson&Johnson geimpft wurden oder wegen eines beeinträchtigten Immunsystems keine Antikörper gebildet haben, wird empfohlen, sich schneller impfen zu lassen.

Die Verfügbarkeit von Terminen unterscheidet sich vor allem aus organisatorischen Gründen regional. Die Empfehlung für prinzipiell gesunde Erwachsene ist, zwischen 6 und 9 Monate nach der Erstimmunisierung eine Auffrischung zu bekommen. Bei Risikogruppen und exponierten Berufsgruppen gilt diese Empfehlung als “dringend”. Auch schneller impfen sollte, wer auf eine Reise muss oder mit "Vaxzevria" (AstraZeneca) geimpft wurde.

Nun wird allerdings schon grundsätzlich nach vier Monaten der Booster verimpft, denn gerade die aktuelle vierte Corona-Welle, sowie der bevorstehende Winter und die Weihnachtszeit lassen es aber als sinnvoll erscheinen, früher den Schutz zu erhöhen. Menschen sind in dieser Zeit in regem Kontakt und viel in Innenräumen unterwegs, die die Verbreitung von Viren begünstigen.

Wird es weitere Booster-Impfungen brauchen?

Sehr wahrscheinlich wird es auch zukünftig weitere Booster zum Schutz gegen Corona geben. Wann genau sie nötig werden, lässt sich noch nicht genau sagen. Neue Stränge des Virus und immer wieder abnehmender Schutz dürften es aber sinnvoll machen, sich immer wieder zu impfen. Das Problem ist: Das SarS-CoV-2-Virus ist wohl schon zu lange auf der Welt verbreitet worden, um noch komplett ausgerottet werden zu können. 

Die gute Nachricht dabei: Mit jeder Impfung (oder überstandenen Infektion) wird der Körper besser auf das Virus eingestellt - je öfter du dagegen geimpft wurdest, bevor du dich vielleicht doch oder noch einmal infizierst, desto wahrscheinlicher ist, dass Corona nicht mehr so gefährlich für dich ist. Sowohl die regelmäßigen Impfungen als auch die immer bessere Antwort des Immunsystems kennen wir von der Entwicklung der Influenza bzw. Grippe.

 

Wie lange wird mich die Booster-Impfung schützen?

Nach dem aktuellen Stand der Dinge dürfte der Schutz des Boosters 9 bis 12 Monate anhalten. Neue Varianten oder Entwicklungen könnten diese Zeitangabe aber hinfällig machen.

Welchen Impfstoff gibt es für die Booster-Impfung?

In Österreich werden Booster-Impfungen mit dem Impfstoff von Moderna und dem Impfstoff von Biontech/Pfizer durchgeführt. Diese beiden mRNA-Impfstoffe haben sich bisher als wirksamer gegen die unterschiedlichen Stränge des Corona-Virus herausgestellt. Zudem sind sie auch für eine dritte Impfung zugelassen und brauchen deshalb keine Off-Label-Verabreichung.

Ich wurde zuerst mit dem Impfstoff von AstraZeneca geimpft, was soll ich als Booster-Impfung wählen?

Die Impfung von AstraZeneca wurde in Österreich vor allem zu Beginn der Impf-Kampagne häufig verwendet. Die Wirksamkeit ist dabei etwas geringer und lässt auch etwas schneller nach als bei den mRNA-Impfstoffen. Deshalb wird eine rasche Auffrischung mit dem Impfstoff von Moderna oder Pfizer/Biontech ab dem 6. Monat empfohlen. Am besten nimmst du dabei einfach, was du schneller bekommen kannst. Nur Menschen unter 30 sollten derzeit nicht mit Moderna-Impfstoff geboostert werden.

Ich wurde zuerst mit dem Impfstoff von Johnson&Johnson geimpft, was soll ich als Booster-Impfung wählen?

Der Impfstoff von Johnson & Johnson (auch als “Janssen” bezeichnet) erreicht seine Vollimmunisierung zwar schon nach 28 Tagen. Die Wirksamkeit ist aber niedriger als bei anderen Impfstoffen und hat Schwächen gegen die Delta-Variante gezeigt. Schon ab diesem Zeitpunkt wird deshalb empfohlen, sich ein zweites Mal impfen zu lassen. Die Empfehlung des Nationalen Impfgremiums ist, dass für diesen “Off-Label”-Einsatz ein Impfstoff von Biontech/Pfizer oder Moderna (erst ab 30 Jahren) verwendet wird - nur auf ausdrücklichen Wunsch wird noch einmal derselbe Impfstoff verabreicht. Von einem geringeren Schutz ist dabei aber auszugehen.

Ich wurde zuerst mit dem Impfstoff von Pfizer/Biontech geimpft, was soll ich als Booster-Impfung wählen?

Das Nationale Impfgremium in Österreich empfiehlt prinzipiell, beim selben Impfstoff wie bei der Erstimmunisierung zu bleiben. Wer zweimal Biontech/Pfizer erhalten hat, soll demnach auch beim dritten Shot dabei bleiben. 

Eine Booster-Impfung mit dem Moderna-Impfstoff ist prinzipiell möglich, wenn man über 30 ist. Einige Studien deuten auf eine leicht bessere Wirkung dadurch hin, der Unterschied ist aber gering und durch die mittlerweile verringerte Dosierung der Moderna-Booster-Impfung nicht mehr aktueller Stand des Wissens. Unter 30 wird der Booster mit Moderna derzeit nicht empfohlen.

Ich wurde zuerst mit dem Impfstoff von Moderna geimpft, was soll ich als Booster-Impfung wählen?

Das Nationale Impfgremium (NIG) in Österreich empfiehlt derzeit, beim selben Impfstoff wie bei der Erstimmunisierung zu bleiben. Demnach sollte die Auffrischung nach zwei Moderna-Impfungen auch wieder mit Moderna passieren. 

Eine Ausnahme gibt es: Bei diesem Impfstoff (auch “Spikevax” genannt) gab es dabei in internationalen Untersuchungen bei jungen Menschen unter 30 eine leichte Erhöhung von Fällen einer Myokarditis (Herzmuskelentzündung) und Perikarditis (Herzbeutelentzündung). Bis mehr Sicherheit über den Zusammenhang geschaffen wird, empfiehlt das NIG für Menschen unter 30 Jahren deshalb, lieber mit Pfizer/Biontech (“Comirnaty”) die dritte Impfung durchzuführen.

Grundsätzlich könnte man bei der Drittimpfung auch auf Pfizer/Biontech wechseln. Das könnte sich lohnen, falls man dadurch einen deutlich früheren Termin bekommt. Einige Studien zeigen dabei auch eine leicht verbesserte Wirksamkeit. Der Unterschied ist aber nach derzeitigem Wissensstand auch nur gering.

Diese Grafik sagt, der Impfstoff von Moderna wirkt als Booster-Impfung am besten. Stimmt das?

Grafik zum Impf-Booster von Dr. Swanda

Vorsicht: Die Grafik zum Impf-Booster von Dr. Swanda ist nicht mehr ganz aktuell

Bild von DrSwanda.com, bearbeitet von Moment.at

In Sozialen Medien wird bei Fragen nach dem richtigen Booster-Shot gerne eine Grafik von einem mRNA-Forscher aus den USA herumgereicht. Die Grafik ist grundsätzlich korrekt und seriös, trotzdem sollte man ein paar Dinge darüber wissen.

Erstens basiert sie auf Untersuchungen aus den USA. Der Impfstoff von AstraZeneca fehlt deshalb auch, denn dort wurde nie mit diesem Impfstoff geimpft. Man geht aber davon aus, dass es sich damit ähnlich verhält, wie mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson

Zweitens wurde diese Grafik zu einem Zeitpunkt erstellt, als die dritte Impfung von Moderna noch mit einer höheren Dosierung durchgeführt wurde. Das hat etwas bessere Ergebnissen gebracht, als beim grundsätzlich technisch ähnlichen mRNA-Impfstoff von Pfizer/Biontech. Die Dosierung war aber körperlich aber recht belastend - vor allem junge Menschen - deshalb wurde sie mittlerweile deutlich verringert. Es ist noch nicht ganz sicher, wie das die Ergebnisse verändert.

 

Ich bin geimpft und genesen: Soll ich mich boostern lassen?

Wenn du vollständig geimpft wurdest und davor oder danach eine Infektion mit SARS-CoV-2 hattest, wird dir derzeit keine Auffrischungsimpfung empfohlen.

Wenn du zwischen der ersten und zweiten Impfung eine Infektion hattest, wird dir eine dritte Impfung in ähnlichen Abständen wie bei doppelt geimpften Nicht-Infizierten empfohlen.

Anmerkung der Redaktion: Die hiesigen Informationen stellen bestmöglich den aktuellen Stand der Dinge dar. Durch weitere Studien kann die Sachlage sich mitunter rasch ändern. Wir bemühen uns dann, diesen Artikel schnellstmöglich zu aktualisieren (und freuen uns über Hinweise in den Kommentaren). Am Zeitstempel ganz oben unter dem Titel siehst du, wann wir das zuletzt gemacht haben. Zudem ersetzt unser Artikel natürlich nicht das Impf-Vorgespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin, in dem Fragen sowie persönliche und medizinische Gründe für eine Impfung mit einem anderen Impfstoff abgeklärt werden können und sollten. 

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