Eine Statue schlägt verzweifelt eine Hand vor das Gesicht

Christian Felber hat ausführlich gegen die Corona-Impfung "argumentiert". Wir haben uns jeden Punkt angesehen.

/ 12. November 2021

Christian Felber hat in einem langen Artikel ausführlich erklärt, warum er sich nicht gegen Corona impfen lassen will. Wir haben uns angesehen, warum seine "Argumente" keinem kritischen Blick standhalten.

Christian Felber ist laut Wikipedia “ein österreichischer Autor, Wirtschaftsreformer, Tanzperformer und Hochschullehrer”, der sich seit langem publizistisch (“Gemeinwohlökonomie”) und aktivistisch kritisch mit dem kapitalistischen Wirtschaftssystem auseinandergesetzt hat. 

Seit Beginn der Corona-Pandemie äußert sich Felber auch immer wieder “maßnahmenkritisch” und impfskeptisch. Zuletzt veröffentlichte er “30 Gründe, warum ich mich derzeit nicht impfen lasse” - und entspricht dabei dem typischen Klischee des Corona-Schwurblers. Gleichzeitig werden Felbers Positionen wegen seiner langjährigen publizistischen Tätigkeit und seiner wirtschaftskritischen Positionierung auch in Kreisen geteilt, die mit rechtsextremen Maßnahmenverweigerer wie Herbert Kickl wenig anfangen können. 

Es sind vor allem zwei rhetorische Tricks, die dazu beitragen, dass Impfverweigerer wie Felber mit ihren unwissenschaftlichen Thesen bei vielen Menschen erfolgreich Zweifel an Impfungen schüren: Erstens lassen sich Menschen, wie wir aus der Forschung zu Gruppenentscheidungen wissen, von einer großen Anzahl an Argumenten - unabhängig von ihrer jeweiligen Qualität - beeindrucken. Zweitens führt die notwendige Lese- und Recherchearbeit, um ausführliche Erläuterungen mit dutzenden Querverlinkungen nachvollziehen zu können, zum IKEA-Effekt. Den hat Sascha Lobo in einer lesenswerten Spiegel-Kolumne so zusammengefasst:

“Der wissenschaftlich untersuchte IKEA-Effekt besagt, dass Menschen ein Möbelstück für wertvoller und besser halten, wenn sie selbst daran mitgebaut haben. Dann sind ihnen auch offensichtliche Mängel am Möbelstück egal.”

Deshalb ist es kein Zufall, dass Felber nicht nur seine Top 3 oder 5 Gründe nennt. Er liefert gleich 30 sehr wortreiche “Argumente”, von denen viele in eine ähnliche Kerbe schlagen. Die (vermeintlich) große Zahl und die viele Zeit, die ins Lesen des Textes geflossen sind, stärken die Überzeugungskraft des Texts.

Also versuchen wir erst gar nicht, bei jedem der 30 Punkte ins Detail zu gehen. Wir widmen uns nur dem jeweiligen Kernargument. Fast alle seiner Punkte lassen sich sehr schnell widerlegen, da sie wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprechen. Bei der Recherche geholfen haben uns dabei unter anderem Informationen des Robert-Koch-Instituts sowie Twitter. Los geht’s!
 

Du kannst dir diesen Artikel mittlerweile auch anhören. Vielen Dank an unseren Leser Andreas Czák, der sich die Mühe gemacht hat!

#1) Ein aus der Menschenwürde abgeleitetes und grundrechtlich geschütztes “Prinzip der Gesundheitskompetenz gesteht jedem Menschen zu, zu wissen, was für sie oder ihn richtig ist”, wobei “[n]eben evidenzbasierter Information auch die Intuition zu dieser basalen Form der Selbstbestimmung [zählt].” Felber meint außerdem, es sei seine eigene Entscheidung - etwa so, wie er sich seine sexuelle Orientierung ausgesucht hat.

Das Konzept der Gesundheitskompetenz meint die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu beurteilen und anzuwenden. Es ist aber kein grundrechtliches Prinzip und schon gar nicht geht es dabei um “Intuition”. Eher im Gegenteil, Gesundheitskompetenz soll gerade gegen Mythen und Aberglauben helfen.

Dass Felber dann die Wahl der eigenen sexuellen Orientierung als freie Entscheidung anführt, ist bezeichnend. Die eigene sexuelle Orientierung sucht man sich natürlich nicht aus.

#2) Christian Felber schätzt aufgrund seines Lebenswandels sein eigenes Risiko, schwer an Corona zu erkranken oder daran zu sterben, als sehr gering ein.

Felber ist relativ jung und offenbar gesund. Auch junge und gesunde Menschen haben massive Probleme mit Corona, aber sicher: er ist damit weniger bedroht von Corona, als andere. Gerade für einen Verfechter von solidarischen Wirtschaftsweisen überrascht aber, dass das Solidaritätsargument keine größere Bedeutung für ihn hat: Mit einer Impfung schützt man nicht nur sich selbst, sondern auch seine Mitmenschen - und das Gesundheitssystem vor Überlastung. 

#3) Es gibt keine Studie zu den Langzeitfolgen von neuen mRNA-Impfstoffen.

Das hat einen einfachen Grund: Es gibt keine Langzeitfolgen von Impfungen. Der Begriff wird von vielen falsch verstanden. Es gibt Impfschäden - aber die sind sehr selten und treten nicht irgendwann plötzlich auf. Das gilt auch bei mRNA-Impfstoffen:

Auch deren Bestandteile werden im Körper schnell nach der Impfung abgebaut, erklärt [der Biochemie-Professor und Chef des Paul-Ehrlich-Instituts Klaus] Cichutek: "Daten deuten darauf hin, dass die mRNA nach etwa 50 Stunden im Körper nicht mehr nachweisbar sind." Was bleibt, ist die Immunreaktion des Körpers.

Felber argumentiert übrigens bei Grund #6) selbst mit Zahlen des Paul-Ehrlich-Instituts.

#4) Corona-Impfstoffe sind in der EU nur bedingt zugelassen.

Das bedeutet nur, dass die Zulassungsverfahren wegen der akuten Notsituation einer Pandemie beschleunigt durchgeführt wurden. Gleichzeitig erlaubte die Pandemie aufgrund der großen Zahl an Infizierten eine sehr gute Überprüfung hinsichtlich Nebenwirkungen und Impfreaktionen.

#5) Einzelne Mediziner warnen vor möglichen Schäden der (Auffrischungs-)Impfungen.

Der von Felber zitierte, warnende Mediziner ist ein Gynäkologe und in keinster Weise fachlich einschlägig. Nicht nur das: er ist bereits früher mit gefährlichen und vor allem falschen Aussagen zum HI-Virus aufgefallen
 

Doch nicht nur das: Fiala ist auch stellvertretender Parteichef der Coronaleugner-Partei MFG und verbreitet weiterhin pseudowissenschaftlichen Unfug.

#6) Es werden viele Verdachtsfälle von möglichen Nebenwirkungen gemeldet, u.a. “in Deutschland nach den Zahlen des Paul-Ehrlich-Instituts bisher 156.360 Nebenwirkungen bei 101,9 Millionen Impfungen bis August 2021, davon 9,7 Prozent schwerwiegend (s. o.) und 1.450 Todesfälle (PEI, 20. 9. 2021), die als Verdachtsfälle in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung geführt werden.”

In Österreich wurden 177 Todesfälle in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung gemeldet. Bei nur zwei davon konnte ein Zusammenhang zu der Impfung hergestellt werden. Dieser zeitliche Zusammenhang war speziell am Anfang auf einen einfachen Faktor zurückzuführen: dem Alter der Geimpften. 

Funfact: selbst wenn alle hier angeführten Verdachtsfälle tatsächlich auf die Impfung zurückzuführen wären - was nicht der Fall ist -  dann wäre Felbers selbst unter Grund #2) errechnetes Risiko an Covid zu sterben (1 zu 23.500) dreimal so hoch wie die Wahrscheinlichkeit an der Impfung zu sterben (1 zu 70.276). 

#7) Viele Menschen haben ihm von Impfschäden von ihnen bekannten Personen erzählt, von denen “auffallend” viele nicht gemeldet worden seien.

Für die von Felber aufgelisteten Erzählungen von Bekannten über andere Bekannte gibt es einen Fachausdruck: Hörensagen. Formulierungen wie “auffallend” hingegen unterstellen absichtsvolle Vertuschung oder ähnliches und entsprechen einem für verschwörungstheoretische Texte typischen, nicht auf Fakten basierten Raunen. Wenn das alles so stimmen würde, hätten sich seriöse Medien längst darauf gestürzt. Die Toten kann man nachsehen. Mit Long-Covid-Betroffenen kann man sprechen. Bekannte von Bekannten sind irgendwie immer überraschend anonym und unerreichbar.

#8) Ein Mediziner berichtet von einer “hohen Dunkelziffer” bei den Impftoten.

Felber selbst schreibt, dass die von dem Mediziner verbreiteten Zahlen “von Kolleg*innen teils stark angezweifelt” werden, verlinkt diese Gegenmeinungen aber nicht. Warum diese Einzelmeinung einen Grund gegen das Impfen sein soll, macht Felber nicht klar.

#9) Ein Arzt hätte eine Meldung eines möglichen Impfschadens verweigert.

Ohne beurteilen zu können, ob hier im konkreten Fall ärztliches Fehlverhalten vorlag: Warum sollte das Fehlverhalten eines einzelnen Arztes einen Grund gegen eine Impfung liefern?

#10) Im Fall der Impfung gegen die Schweinegrippe seien mehr Leute an der Impfung als an der Krankheit gestorben.

Wir wissen nicht, wie viele Menschen ohne Impfung an der Schweinegrippe gestorben wären. Denn auch die Krankheit konnte diese Lähmungen verursachen - davor waren die Menschen wegen der Impfung jedoch geschützt. Und die von Felber beschriebenen Nebenwirkungen der Impfung waren trotz millionenfacher Anwendung extrem selten. Und: die Corona-Impfung ist eine andere Impfung. Soll man deshalb nun gegen keine Krankheit mehr impfen?

#11) Für unter 30-jährige sei das Risiko der Impfung höher als der Nutzen.

Die Vorteile einer Impfung überwiegen auch bei jungen Menschen immer noch die Risiken. Nicht umsonst empfehlen nationale Impfgremien nach und nach, dass auch Kinder ab 12 Jahren geimpft werden sollen. Felber ignoriert auch hier wieder, dass man als junger Mensch andere anstecken kann. Er selbst wird übrigens noch dieses Jahr 49 Jahre alt. Er ist nicht unter 30. Das kann keiner “seiner” Gründe sein.

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#12) In manchen Ländern wurden für manche Altersgruppe manche Impfstoffe (noch) nicht zugelassen. Als Gründe nennt er unter anderem Nebenwirkungen wie ein höheres Risiko für Herzmuskelentzündungen.

Felber bezieht sich unter anderem darauf, dass eben erst in Deutschland empfohlen wurde, unter 30-jährige mit Biontech und nicht Moderna zu impfen. Der Grund dafür ist, dass eine Studie ein etwas höheres Risiko für die Altersgruppe gefunden hat, an einer Herzmuskelentzündung zu erkranken. 

Aber es geht dabei einzig darum, das ohnehin niedrige Risiko für diese Gruppe noch weiter zu senken. Eine Impfung mit Moderna wäre dennoch besser, als keine Impfung. Denn ein deutlich höheres Risiko für Herzmuskelentzündungen geht mit einer Covid-Infektion einher.

#13) Manche Originaldaten von Zulassungsstudien sind noch unter Verschluss.

Auch wenn ein freier Zugang zu Rohdaten im Sinne von Open Science wünschenswert ist, ist das in der Wissenschaft leider noch lange nicht Standard. Der bloße Umstand, dass Rohdaten erst mit Verzögerung vollständig zugänglich gemacht werden, heißt nicht, dass sie falsch oder bedenklich sind. 

#14) Es sei “mittlerweile wissenschaftlich gut erforscht, dass das natürliche Immunsystem nach durchgemachter Krankheit einen viel breiteren und länger andauernden Immunschutz gegen das Sars-CoV-2-Virus bietet als die Impfung.”

Ob genesene Menschen besser geschützt sind, ist noch nicht mit Sicherheit bestätigt. Es gibt erst zwei größere Studien dazu, die aber beide Einschränkungen aufweisen. Das ändert aber ohnehin nichts an der vielfach höheren Wahrscheinlichkeit eines schweren Krankheitsverlaufs ungeimpfter Personen. Covid-Partys zum Aufbauen von Immunschutz wären deshalb eine sehr schlechte und lebensgefährliche Idee. Den besten Schutz bietet übrigens eine Genesung und eine einmalige Impfung.

#15) Die kollektive Immunität mit (hohem) Anteil natürlicher Immunität sei zuverlässiger und nachhaltiger als in einer komplett geimpften Bevölkerung.

Natürlich muss Herdenimmunität das Ziel sein. Doch diese Argumentation ist durch und durch zynisch. Denn die Herdenimmunität mit Impfungen zu erreichen statt über Infektionen erspart viel Leid. Es bedeutet, dass viel weniger Menschen sterben oder schwer erkranken. Außerdem wird das Gesundheitssystem weniger stark belastet. Dadurch werden auch Menschen geschützt, die eine medizinische Versorgung benötigen.

Und: Unser Immunsystem lernt stets über Impfungen und Infektionen dazu. Deshalb ist es sicherer, als geimpfte Person später einmal durch eine Corona-Virenvariante infiziert zu werden, als heute als Ungeimpfter durch eine aktuelle Variante. 

#16) Die Impfung biete nur rund 180 Tage Schutz, weil sie primär die Produktion von – kurzlebigen – Antikörpern bewirke.

Auch nach 180 Tagen liegt die Wirksamkeit noch fast bei 50%. Der Hauptgrund, warum der Impfschutz mit der Zeit an Wirksamkeit verliert, sind Virus-Mutationen. Darüber hinaus nehmen Milliarden Menschen täglich Medikamente zu sich, um sich vor Krankheiten zu schützen. Zudem ist ein zeitweiliger Schutz besser als kein Schutz. Das gibt der Wissenschaft die Chance, unterdessen noch bessere Impfungen zu finden - oder andere Medikamente, die Covid bekämpfen können.

#17) Verschiedene Messmethoden für die Wirksamkeit der Impfung führen zu verschiedenen Ergebnissen, was die Stärke der Wirksamkeit betrifft.

Das stimmt. Aber alle Messmethoden dokumentieren die Wirksamkeit der Impfung. Und wir sehen, dass in Regionen mit niedriger Vollimunisierung die Infektionszahlen höher sind.

#18) Auch Geimpfte können sich infizieren, erkranken oder sogar an Corona sterben.

Ja, können sie. Aber die Wahrscheinlichkeit schwer zu erkranken oder an Corona zu sterben ist für Geimpfte um ein vielfaches niedriger. 

#19) Regierungen geben sehr viel Geld für Impfstoffe aus, mit denen Pharmafirmen deshalb viel Geld verdienen.

Die hohen Gewinne von Pharmafirmen mit Impfstoffen, die oft weitgehend auf öffentlich finanzierter Forschung basieren, sind tatsächlich fragwürdig. Aber das ist kein Grund gegen die Impfung als Schutz gegen Corona.

#20) Es gibt trotz Pandemie keine temporäre Aufhebung des Patentschutzes für Corona-Impfstoffe.

Die Aufhebung des Patentschutzes für Corona-Impfstoffe wäre sehr wahrscheinlich eine gute und wichtige Maßnahme, die erst kürzlich von Attac und Ärzte ohne Grenzen in Österreich gefordert wurde. Aber das ist ein Argument FÜR eine Impfung. Denn die Patentaufhebung wäre ja so wichtig, weil die Impfungen wirksam sind. Deshalb ist es ja so ein Problem, dass so viele Länder des globalen Südens einen sehr schlechten Zugang zu Impfstoffen haben. Eine wirkungslose Impfung bräuchte niemand.

#21) Pharmakonzerne waren in der Vergangenheit in kriminelle Vorgänge involviert, weshalb ihnen auch bei der Corona-Impfung nicht “blind vertraut” werden dürfe.

Niemand, wirklich niemand vertraut der Pharmaindustrie “blind”, wenn es um die Zulassung und Beurteilung der Wirksamkeit von Corona-Impfungen geht. Im Gegenteil, es gab in der Geschichte wahrscheinlich noch nie eine Behandlung mit derart guter Datenlage und derart kritischer Betrachtung als die Corona-Impfstoffe. 
Aktuell wurden übrigens 7,4 Milliarden Dosen auf der Welt verabreicht. Zwei von drei Menschen in Österreich sind geimpft.

#22) Manche Länder forschen mit militärischen Motiven an Viren.

Forschung zu Viren mit dem Ziel der Entwicklung von biologischen Waffen ist in der Tat abzulehnen, hat aber nichts mit der Impfung und auch nichts mit Corona zu tun. Auch gegen ein militärisch eingesetztes Virus sollte man über eine Impfung froh sein und sich nicht ungeschützt lassen.

#23) Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden zu großen Teilen von Stiftungen und Pharmaunternehmen finanziert.

Die Kritik an fehlender öffentlicher Finanzierung von EMA und WHO mag berechtigt sein, ändert aber nichts an der guten Datenbasis und kritischen Betrachtung der Corona-Impfstoffe durch die weltweite wissenschaftliche Gemeinschaft. 

#24) Die Impfstoffhersteller haften nicht für Impfschäden, sondern die öffentliche Hand.

Auch das stimmt so nicht. Aus Sicht des individuell Geimpften wäre es aber sogar von Vorteil, wenn Staaten für etwaige Impfschäden haften, weil damit jedenfalls eine Entschädigung anfällt, selbst wenn ein Unternehmen in Konkurs gehen sollte. 

#25) Pfizer hat seinen Sitz in einem niederländischen Steuersumpf und betreibt Steuervermeidung.

Natürlich ist Steuervermeidung von Großkonzernen ein großes Problem. Wir berichteten deshalb auch über Vorwürfe gegen Moderna. Das ist ein Argument gegen Steuersümpfe. Ein Argument gegen eine Impfung ist es aber nicht.

#26) Wäre es nicht besser, die Patentrechte und Technologien zur Impfstofferzeugung der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung zu stellen?

Natürlich wäre eine kostenlose Bereitstellung der Rechte und Technologien zur Impfstoffherstellung wünschenswert, und zwar vor allem deshalb, weil es dann leichter möglich wäre, mehr Menschen mit einem wirksamen Impfstoff zu versorgen.

#27) Im Gegensatz zu den rasch zugelassenen Impfstoffen gibt es wenig zugelassene Corona-Medikamente.

Bei vielen Krankheiten (z.B. auch Tetanus) ist die Behandlung nach Erkrankung schwieriger als die Vermeidung der Erkrankung durch eine Impfung. Es werden aktuell aber nach und nach Medikamente gegen schwere Corona-Verläufe auf den Markt gebracht.

Was vermeintlich hilfreiche Medikamente wie das erwähnte Ivermectin betrifft: Es gibt keine Daten, die irgendeine Wirksamkeit beweisen. Die Studie, die den angeblichen Nutzen beweisen soll, musste wegen schwerer Mängel zurückgezogen werden. Selbst dessen Hersteller Merck warnt vor einem Einsatz gegen Covid.

#28) Eine Impfung mit Totimpfstoffen wäre einer Impfung mit mRNA-Impfstoffen vorzuziehen.

Totimpfstoffe haben zwar einige Vorteile gegenüber mRNA-Impfstoffen. So sind sie länger und einfacher haltbar, man kann sie auch schneller herstellen. Aber sie haben eben auch Nachteile: Bei Totimpfstoffen lässt der Impfschutz schneller nach. Außerdem sind sie aktuell weniger wirksam gegen das Coronavirus. Besonders bei neuen Varianten wird die niedrige Wirksamkeit dann zum Problem. Selbst vonseiten eines Totimpfstoff-Herstellers wird deshalb empfohlen, nicht auf den Totimpfstoff mit der Impfung zuzuwarten.

Das Argument ignoriert auch, dass mittlerweile über 7,4 Milliarden Impfdosen weltweit verabreicht wurden. Wir wissen, dass die aktuellen Impfstoffe wirken. Einen vielleicht besseren Impfstoff kann man sich später immer noch geben lassen. Aber es gibt keinen Grund, auf einen anderen Impfstoff zu warten.

#29) Das Fremdschutz-Argument sei nicht stichhaltig, weil “Virenlast und Infektiosität nicht Geimpfter und Geimpfter in etwa gleich hoch” seien.

Das stimmt nicht. Geimpfte sind weniger ansteckend als Ungeimpfte.

Unabhängig davon ist auch eindeutig belegt, dass Geimpfte weniger schwere Krankheitsverläufe aufweisen. Und deshalb die Impfung auch gegen eine Überlastung von Krankenhauskapazitäten hilft.

#30) Statt einer Impfung sollten die Kapazitäten für intensivmedizinische Versorgung ausgebaut werden.

Die Intensivstationen sind das letzte Ende einer langen Kette. Es muss alles getan werden, um zu verhindern, dass Menschen dort landen. Denn selbst, wenn man eine Intensivstation lebend verlässt, hat man sehr oft mit Folgeschäden zu kämpfen.

Natürlich muss genug Platz für Menschen auf Intensivstationen sein. Aber wir müssen Menschen davor schützen, dass sie dort landen. Und das schaffen wir mit den heutigen Möglichkeiten nur dann, wenn genug Menschen geimpft sind.
 

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